In unserer Serie stellen wir regelmäßig ein Wohnungsunternehmen mit seinen Zukunftsvisionen vor. Diesmal: Die Hilfswerk-Siedlung GmbH. Sie verzichtet bei der energetischen Optimierung ihres Portfolios auf einschneidende Mietsteigerung und setzt auf Kompensation: Das Berliner Unternehmen hat einen Wald gekauft. Dafür wurde die GmbH zuletzt mit dem DW-Zukunftspreis ausgezeichnet.

Ökologie im Gebäudebestand findet Jörn von der Lieth eigentlich eine gute Sache. Wenn da nicht die Kosten wären: Aufwendige energetische Sanierungsverfahren können sich die Mieter der Berliner Hilfswerk-Siedlung schlicht nicht leisten.

"Als sozial orientiertes Unternehmen können wir nicht so viel dämmen, wie wir wollen", Jörn von der Lieth, Geschäftsführer der Hilfswerk-Siedlung GmbH (HWS)

Unternehmen mit kirchlichem Hintergrund und eigenem Wald

Hinter der HWS steht die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Der kirchliche Hintergrund verstärkt den Druck, einen Ausgleich zwischen wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Interessen zu finden. Im Fall der energetischen Einsparungen im Gebäudebereich bedeutet das auch, dass Kosten nicht ohne weiteres so weit wie gesetzlich möglich an Mieter weitergegeben werden.

Die Lösung dieser kniffligen Situation ist 300 Hektar groß, grün und liegt mitten in Brandenburg: Das Unternehmen hat vor neun Jahren ein Stück Wald gekauft, um damit einen Teil seines Energieverbrauchs zu kompensieren.

"Das erlaubt uns, ökologisch zu wirtschaften, ohne die Kosten einschneidend steigern zu müssen", Jörn von der Lieth, Geschäftsführer der Hilfswerk-Siedlung GmbH (HWS)

Für die Wald-Idee bekam die HWS den DW-Zukunftspreis

Für die Idee ist die HWS in diesem Jahr mit dem DW-Zukunftspreis der Immobilienwirtschaft ausgezeichnet worden.

Das Unternehmen kaufte damals zu einem günstigen Zeitpunkt – heute liegen die Preise für Forstland mehr als doppelt so hoch. Wissenschaftler haben errechnet, dass der Wald derzeit ein Viertel des Kohlendioxid-Ausstoßes der etwa 10.000 Einheiten ausgleicht, die die HWS im eigenen Bestand hält oder fremd verwaltet. "Wir hatten gedacht, dass diese Quote höher liegt", bekennt der Geschäftsführer. Er arbeitet daran, das Waldstück schrittweise zu vergrößern; jedes Jahr würden ein paar Hektar dazugekauft.

Die HWS hat sogar einen eigenen Förster

Die HWS hat außerdem einen Förster eingestellt, der den Umbau des Waldes vorantreibt: Brandenburger Wälder bestehen zum überwiegenden Teil aus Kiefern. Um den firmeneigenen Forst naturnaher zu gestalten, werden behutsam Bäume abgeholzt und andere Sorten sowie verschiedene Altersstufen von Bäumen gesetzt. Es gehe auch darum, eine Art generationenübergreifenden Wald zu gestalten, der widerstandsfähiger sei als ein altersmäßig eindimensionaler, erklärt von der Lieth.

Der Förster kümmert sich darüber hinaus um die etwa 6.000 Bäume in und um den HWS-Bestand. Das Überprüfen der Standfestigkeit von Bäumen und deren Zertifizierung spielen für den Versicherungsschutz eine wichtige Rolle. Hier dient Umwelt- und Naturschutz folglich genauso wenig dem Selbstzweck wie an anderen Stellen der Unternehmensstrategie. Um die wiederkehrenden Probleme mit Tauben zu bekämpfen, hat sich Geschäftsführer von der Lieth beispielsweise mit dem Bund für Naturschutz zusammengesetzt. Nun thronen auf manchem Hausdach Falkennester – denn wo Falken zu Hause sind, gibt es keine Tauben. Auch Fledermauskästen oder Brutstätten für andere Vögel hat die HWS an ihren Häusern installiert.

Das Unternehmensziel: Im Einklang mit der Schöpfung wirtschaften

"Im Einklang mit Gottes Schöpfung" bauen und wirtschaften sei erklärtes Unternehmensziel, so der Geschäftsführer. Um das zu erreichen, würden die etwa 70 Mitarbeiter konsequent auf strategisches Denken getrimmt; im wirtschaftlichen Bereich etwa sei die Mahnquote auf 0,29 Prozent gesenkt worden, nachdem die HWS begonnen hatte, Mieter schon bei sehr kleinen Rückständen anzurufen, nachzufragen und gegebenenfalls auf eigene Kosten einen externen Schuldnerberater hinzuzuziehen.

"Das kostet uns zwar erstmal, zahlt sich aber aus, weil wir viel weniger Mietausfälle haben", Jörn von der Lieth, Geschäftsführer der Hilfswerk-Siedlung GmbH (HWS)

Die regelmäßige Evaluation von Maßnahmen gehöre ebenfalls zu dieser Ausrichtung, genauso wie die Bereitschaft, im Zweifel den Kurs zu korrigieren. Auch darin sieht sich die HWS im Einklang mit der kirchlichen Lehre: "Prüfet aber alles, und das Gute behaltet", zitiert von der Lieth aus dem ersten Brief von Paulus an die Thessalonicher.

Lesen Sie auch die anderen Teile der Serie:

Teil 1: Digitalisieren für den Mehrwert: Die Wohnungsgenossenschaft Neue Lübecker

Teil 2: Alles andere als konservativ: Die katholische Joseph-Stiftung

Teil 3: Nassauische Heimstätte/Wohnstadt: Geburtshelfer für Startups

Teil 4: Berliner Degewo: Ein Haus für die Zukunft

Teil 5: Kommunale Wohnungsgesellschaft Erfurt: Innovation in Serie

Teil 6: Spar- und Bauverein Dortmund: Nachhaltigkeit als Fundament und Rahmen