In unserer Serie stellen wir regelmäßig ein Wohnungsunternehmen mit seinen Zukunftsvisionen vor. Diesmal: den Dortmunder Spar- und Bauverein. Die lokal ausgerichtete Genossenschaft verfolgt eine gezielte Nachhaltigkeitsstrategie, die sie in jährlichen Berichten überprüft und nachjustiert.

Letztlich gehe es darum, das Handeln mit einem Grundverständnis im Unternehmen in Einklang zu bringen, sagt der Vorstandsvorsitzende der Spar- und Bauverein eG Dortmund, Franz-Bernd Große-Wilde. „Wir müssen den Begriff inhaltlich leben.“

Spar- und Bauverein gibt es seit 125 Jahren

Das lokal ausgerichtete Unternehmen gibt es seit 125 Jahren, vor etwa sechs Jahren schwappte der Begriff der Nachhaltigkeit über – damals ein Schlagwort, das auf vielen Ebenen bespielt wurde und doch oft inhaltslos blieb. Große-Wilde sah die Zeit gekommen, die ohnehin langfristig und zum sozialen Nutzen der Mitglieder ausgelegte Unternehmensform mit dem Nachhaltigkeitsdreieck aus sozialen, ökonomischen und ökologischen Zielen in Einklang zu bringen.

Die Genossenschaft setzt auf verschiedenen Ebenen an, von der Vorstandsetage bis zur Verwaltung. Nachhaltigkeitslotsen definieren dabei eigene Ziele und versuchen, Mitarbeiter in den jeweiligen Abteilungen dafür zu gewinnen.

„Das können Projekte sein vom Vermeiden unnötigen Ausdruckens bis hin zu Überlegungen, wie Betriebskosten gesenkt werden können.“ Franz-Bernd Große-Wilde, Vorstandsvorsitzender der Spar- und Bauverein eG Dortmund

Wichtig sei auch, ab und zu den Blickwinkel zu verändern und gleichzeitig alle drei Perspektiven im Kopf zu behalten: Keine Maßnahme soll mehr ausschließlich auf soziale Zwecke abzielen oder nur die Öko-Bilanz verbessern. Für das Vorgehen bemüht der Vorstandsvorsitzende das Bild eines Paternosters: Wie in den Aufzügen sollen die Beschäftigten auf allen Stockwerken der Genossenschaft auf- und zusteigen und sich einbringen können.

Die Genossenschaft verwaltet 11.500 Wohnungen

Die Sparbau verwaltet mehr als 11.500 Wohnungen und betreibt daneben eine Spareinrichtung für ihre fast 20.000 Mitglieder und deren Angehörige. Neubauprojekte sollen den Bestand ergänzen – ein vielschichtiges Unternehmensportfolio, das ein strategisches Ansetzen bei der Nachhaltigkeitsstrategie erforderlich macht, um eben möglichst alle etwa 120 Mitarbeiter in den verschiedenen Genossenschaftssparten zu erreichen. „Je mehr man es selbst lebt, desto mehr kommt an“, ist Große-Wilde von der Vorbildfunktion des Vorstands überzeugt. Entscheidend ist seiner Meinung nach auch, Einzelprojekte stets auf ihr Ziel zu überprüfen. So laufe man nicht Gefahr, rein zum Selbstzweck zu handeln.

Zur Nachhaltigkeit gibt es regelmäßige Untersuchungen

In einem ersten Bericht analysierte die Sparbau zunächst den Bestand: Wo wird schon Nachhaltigkeit gelebt, stehen also soziale, ökologische und ökonomische Ziele im Einklang? An welchen Stellen hakt es noch, wo müssen wir nachlegen? Der zweite Bericht setzte mit den konkreten Vorhaben für die jeweiligen Hierarchieebenen an, um die Strategie zu verankern. In einem dritten Bericht im kommenden Frühjahr soll es nun ums Controlling gehen: Kennzahlen und Wertschöpfung innerhalb des Unternehmens stehen auf dem Prüfstand. Dabei spielt das Genossenschaftsprinzip der Nachhaltigkeitsausrichtung in die Hände: Der Mehrwert verbleibt im Unternehmen und kann neu investiert werden.

Das ganze Quartier soll mehr im Fokus stehen

Mittelfristig hat sich Große-Wilde als Ziel gesetzt, über die genossenschaftseigenen Objekte hinaus den Quartiersgedanken weiterzuentwickeln, beispielweise bei Projekten der energetischen Optimierung. Darüber hinaus soll der Nachhaltigkeits-Gedanke gezielt mit den Mitgliedern weiterentwickelt werden. Beim Fortschreiben dieser Kommunikationsprozesse setzt die Sparbau verstärkt auf die Errungenschaften der Digitalisierung: Im Januar geht mit einer neuen Software ein Kundenportal an den Start, das den Austausch mit Mitgliedern, Dienstleistern und weiteren Partnern erheblich vereinfachen soll. Und auch diesen Schritt sieht der Vorstand im Einklang mit seiner Nachhaltigkeitsstrategie: Digitale Kommunikationswege sind schließlich nicht nur weitgehend hierarchiefrei, sondern auch ressourceneffizient – und damit wirtschaftlich sinnvoll.

Serie Wohnungsunternehmen:

Teil 1: Digitalisieren für den Mehrwert: Die Wohnungsgenossenschaft Neue Lübecker

Teil 2: Alles andere als konservativ: Die katholische Joseph-Stiftung

Teil 3: Nassauische Heimstätte/Wohnstadt: Geburtshelfer für Startups

Teil 4: Berliner Degewo: Ein Haus für die Zukunft

Teil 5: Kommunale Wohnungsgesellschaft Erfurt: Innovation in Serie

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