Seit Anfang der 1990er Jahre hat sich die Städtische Wohnungsgesellschaft Bremerhaven mbH (Stäwog) auf einen Bevölkerungsrückgang in der Seehafenstadt eingestellt. Stäwog-Geschäftsführer Sieghard Lückehe äußert sich zu aktuellen Herausforderungen und Gegenstrategien.

Ihr Unternehmen hat sich vom reinen Wohnungsvermieter zu einem wesentlichen Akteur der Stadtentwicklung entwickelt. Was hat für diese Diversifikation gesprochen?

Lückehe: Je attraktiver eine Stadt ist, umso einfacher ist es, Wohnungen zu vermieten. Deshalb helfen wir bis heute mit unserem Know-how dabei, die Stadt attraktiver zu gestalten. Beispiele sind die Sanierung des Stadttheaters und der Volkshochschule, der Bau des Klimahauses oder des Zoos unter unserer Regie. Darüber hinaus übernahmen wir die Parkraumbewirtschaftung und sind als Energieversorger aktiv. Für mich steht die Bevölkerungsstabilisierung seit 2012 in engem Zusammenhang mit der positiven Stadtentwicklung, zum Beispiel auch durch die Akzente im neuen Hafen. Kurzum: Wir schaffen Standortfaktoren und übernehmen Verantwortung durch Konzeption, Bau und Betreiben von Immobilien – und profitieren betriebswirtschaftlich durch die Diversifikation, die mehr Investitionen in Sanierung, Modernisierung und Neubauten ermöglicht.

Es gibt weiterhin einen Überhang an Wohnungen. Warum investieren Sie in Neubauten?

Bis 2012 haben wir ausschließlich modernisiert und abgerissen. Mit unseren Neubauten mit bezahlbaren Mieten schaffen wir heute ein höherwertiges Angebot unter anderem mit dem Ziel, Pendler – fast 25.000 Menschen täglich – anzusprechen und als Einwohner zu gewinnen.

Wie sieht Ihre Strategie bis 2025 aus?

Wir bauen weiterhin die Leistungen rund um das Wohnen – angefangen von den Mietertreffs bis hin zu zahlreichen Serviceleistungen – aus. Modernisierungen und Instandhaltungen werden auf hohem Niveau fortgesetzt und wir werden durch Neubauten gezielt in guten Lagen verdichten.

Neubau wird immer teurer. Halten Sie die Miete durch unternehmensinterne Subventionen bezahlbar?

Auf keinen Fall. Wir setzen eher auf eine Kostenreduktion, zum Beispiel mit einer eigenen – mit einem dänischen Experten entwickelten – seriellen Bauweise, die schnell, günstig und praktisch ist. Mit dieser energetischen und barrierefreien Bauweise schaffen wir es, gut ausgestatteten Wohnraum auf unseren Grundstücken in guter Lage zum Beispiel für 8 Euro pro Quadratmeter Kaltmiete anzubieten. Das ist für einen Neubau mit dieser Qualität sensationell günstig. Für mich ist das die moderne Form des Sozialwohnungsbaus.

Nehmen Sie auch Fördermittel in Anspruch?

Das würden wir sehr gerne, dann müssen aber die Vorgaben aus den Förderprogrammen funktionieren. So sind Neubauten mit der vorgegebenen Miete aus der Wohnraumförderung in Bremerhaven nicht vermarktbar. Ich halte es für sinnvoll, hier stärker über handhabbare Modelle einer mittelbaren Belegung nachzudenken.

Was meinen Sie damit?

In Regionen mit niedrigem Mietniveau muss es die Möglichkeit geben, die sozialen Bindungen aus der Wohnraumförderung vom geförderten Mietobjekt zu trennen. Der Vermieter muss dann eine entsprechende Zahl an Wohnungen mit Bindung in seinem Bestand ausweisen. Das hätte Vorteile, zum Beispiel investieren Vermieter stärker in neue Bestände und davon profitiert letztlich die Entwicklung einer Stadt oder Region.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Holger Hartwig.

Dieser Beitrag ist zuerst erschienen in der DW Die Wohnungswirtschaft 07/18.

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