Eine umfassende Serviceorientierung, gezielte Investitionen und Neubauten sowie die Diversifikation des Unternehmens – das ist seit fast 30 Jahren die Antwort der Kreiswohnbau GmbH mit Sitz in Osterode (seit Ende 2016 heißt sie offiziell Kreiswohnbau Osterode am Harz / Göttingen GmbH) auf den kontinuierlichen Einwohnerrückgang in der Region am südwestlichen Harzrand.

Hans-Peter Knackstedt ist verantwortlich für diesen Kurs und freut sich, dass "wir trotz der demografischen Entwicklung bis heute wenig Leerstände und mit 4 Prozent nur geringe Erlösschmälerungen haben". Aus seiner Sicht ist die strategische Ausrichtung seit 1994 der Garant des Erfolges.

"Wir haben erkannt, dass es nicht um die Vermietung einer Wohnung geht, sondern darum, ein Partner für angenehmes Wohnen zu sein", Hans-Peter Knackstedt, Geschäftsführer der Kreiswohnbau GmbH

Mit Blick auf die Wohnqualität sei man in zweierlei Hinsicht durchgestartet. Knackstedt: "Wir haben die Investitionen hochgefahren. Seit 1992 wurden für 65 Millionen Euro neue Wohnungen und Gewerbeobjekte gebaut und für weitere 65 Millionen Euro unsere etwa 1.500 Wohnungen kontinuierlich modernisiert. Die Mieten sind dabei insgesamt unter Berücksichtigung des allgemeinen Preisanstiegs stabil geblieben." Bei den Neubauvorhaben sei für ihn immer die Prämisse "Mehr Qualität statt Quantität" gewesen – also nicht das zu bauen, was allgemein mit sozialem Wohnungsbau in Verbindung gebracht wird, sondern hochmoderne und marktfähige Objekte.

"Wir leisten heute wichtige Sozialarbeit"

Neben den Investitionen in Steine wurde parallel der Bereich Service aufgebaut. "Heute gibt es fast keinen Lebensbereich, bei dem wir unsere Kunden nicht unterstützen", berichtet der Diplom-Betriebswirt, der sichtlich stolz auf die Leistung seines Unternehmens und vor allem der Mitarbeiter ist:

"Unser individueller Kundenservice reicht vom Einkaufen über die Wohnungsbetreuung bei Abwesenheit bis hin zu Fahrdiensten jeglicher Art", Hans-Peter Knackstedt, Geschäftsführer der Kreiswohnbau GmbH

Bis auf einen Fahrer, der eingestellt wurde, werden diese Leistungen komplett vom bestehenden Personal unter Einbindung erfahrener Partner geleistet. Die Mitarbeiter würden sich kontinuierlich fortbilden und heute wichtige Sozialarbeit leisten. Neben den Serviceleistungen wurde auch viel für das Miteinander in den Wohngebieten getan. "Drei Stadtteiltreffs bieten viele Chancen, gemeinsam etwas zu erleben", so Knackstedt. Als ein Beispiel nennt er den Stadtteilchor, der in diesem Jahr erstmals eine CD aufnimmt. "Dieses Gesamtpaket, das für die Nutzer in weiten Teilen kostenfrei ist, ermöglicht es vor allem auch älteren Mietern, so lange wie möglich im gewohnten Umfeld zu bleiben."

Neue Aufgaben mit Erfolg gesucht

Was bleibt, ist die Frage, wie die Strategie mit den Bausteinen Neubau, Modernisierung und Ausweitung des Service bei stabilen Mieten betriebswirtschaftlich umgesetzt wird. Auch diese Frage ist die Kreiswohnbau langfristig angegangen. Knackstedt: "Wir haben uns angesehen, in welchen Bereichen wir über Know-how verfügen, mit dem wir in der Region Geld verdienen können." Mit dieser Strategie, beispielsweise die Berufsschule zu planen und zu bauen oder auch Gewerbebauten zu errichten und zu betreiben, "ist es uns gelungen, wirtschaftlich weiter erfolgreich zu bleiben". Darüber hinaus sei man ganz bewusst dazu übergegangen, eigene Objekte genau zu prüfen, teilweise zu verkaufen oder sich auch von Immobilien und Grundstücken zu trennen.

Bei der weiteren Entwicklung kann sich das Unternehmen der Unterstützung durch die Politik sicher sein. Knackstedt: "Anders als bei vielen anderen kommunalen Unternehmen müssen wir seit zwei Jahren keine Überschüsse mehr an die kommunale Hand abführen." Das ist aus seiner Sicht ein deutliches Signal, dass die Politik im neuen Landkreis Göttingen erkannt hat, dass "Wohnungspolitik ein wichtiger Bestandteil von regionaler Strukturstabilisierung und -förderung ist". Früher wurden bis zu 20 Prozent Dividende abgeführt.  Zudem seien Gespräche, dass neue Wohnbauprojekte auch kommunal gefördert werden, auf einem guten Weg. Knackstedt: "Der Wert, den ein gut funktionierendes Wohnungsunternehmen für eine Region hat, wird gesehen und geschätzt."

Das Ziel sei, weiter zu investieren und vor allem im Speckgürtel von Göttingen interessante Wohnungen neu zu errichten. Aktuell entstünden Mehrgenerationenhäuser mit 52 Einheiten in zwei Bauabschnitten und "wir wissen, dass wir wie in den vergangenen Jahren bei Fertigstellung alle Wohnungen vermietet haben werden". Knackstedt: "Wir wollen weiter wachsen und noch stärker werden."

Osterode: Neuer Großkreis soll Strukturen sichern

Seit 1968 – bis auf einen kleinen Anstieg in der Zeit nach der Wende in der DDR – ist die Bevölkerungsentwicklung in Kreis Osterode stark rückläufig. Am südwestlichen Harzrand leben heute etwa 73.000 Einwohner – knapp 20 Prozent weniger als vor 50 Jahren. Die Politik hat auf diese langfritige Entwicklung reagiert und die Verwaltungsstrukturen angepasst. Seit dem 1.1.2016 ist der Landkreis Osterode am Harz Geschichte. Durch einen Zusammenschluss mit dem damaligen Landkreis Göttingen ist ein neuer Landkreis Göttingen mit etwa 320.000 Einwohnern entstanden.

Dieser Beitrag ist zuerst erschienen in der DW Die Wohnungswirtschaft 07/18.

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