29.11.2016 | HBCD-haltige Dämmstoffe

Wohnungswirtschaft befürchtet Verzögerungen und Mehrkosten bei Sanierungen

Wohnungswirtschaftliche Verbände befürchten, dass die HBCD-Regelung Sanierungsmaßnahmen verteuert (Symbolfoto)
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Dämmstoffe aus Polystyrol, die das Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan (HBCD) enthalten, müssen seit 1.10.2016 als gefährlich eingestuft werden. Wohnungswirtschaftliche Verbände befürchten, dass es dadurch zu Verzögerungen und Mehrkosten bei Sanierungen kommt.

Die aktuelle Abfallverzeichnis-Verordnung (AVV) schreibt vor, dass Polystyrol mit mehr als 0,1 Prozent Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan (HBCD) als gefährlicher Abfall einzustufen ist. Nach Angaben des GdW Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. nehmen viele Entsorgungsunternehmen dieses Material nicht an, da ihnen die Genehmigungen dafür fehlen oder sie nicht über die technischen Vorrausetzungen verfügen.

GdW: erhebliche Kostensteigerungen zu erwarten

"Unsere Unternehmen brauchen dringend praktische Lösungen zur rechtssicheren Entsorgung dieser Abfälle", forderte GdW-Präsident Axel Gedaschko. Es könne nicht sein, dass die Politik neue Regelungen beschließe und die Unternehmer dann mit den negativen Auswirkungen alleine lasse. Erhebliche Kostensteigerungen seien nämlich nicht nur durch höhere Annahmekosten bei den Verbrennungsanlagen zu erwarten. Es kämen darüber hinaus Transportkosten hinzu, weil nur einzelne Verbrennungsanlagen über eine entsprechende Anlagengenehmigung verfügen. Zusätzlich dürfe nicht jedes Transportunternehmen gefährlichen Abfall transportieren. Auch die Bereitstellung separater Entsorgungscontainer auf der Baustelle, sowie die Dokumentation des Umgangs mit gefährlichen Abfällen würden erhöhte Kosten verursachen.

BFW-Umfrage: Kostensteigerungen teils über 50 Prozent

Der BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen e.V. hat eine Umfrage unter seinen Mitgliedsunternehmen zu den Auswirkungen der Verordnung durchgeführt. Rund 60 Prozent der befragten Mitgliedsunternehmen gaben an, die neue Entsorgungsregelung wirke sich auf geplante Sanierungsmaßnahmen aus. Die Hälfte der befragten Unternehmen hat festgestellt, dass sich dadurch die Kosten für Sanierungen generell erhöht haben. Knapp 60 Prozent gaben an, dass sich die Entsorgungskosten von HBCD-haltigen Dämmstoffen zwischen 10 und 30 Prozent verteuert haben, 16 Prozent stellen Kostensteigerungen von über 50 Prozent fest.
38 Prozent der befragten Unternehmen geben an, dass Entsorgungsbetriebe derzeit generell keine HBCD-haltigen Dämmstoffe annehmen. In diesem Fall bleiben die Unternehmen auf den Dämmabfällen sitzen und müssen die Stoffe in Containern oder anderweitig zwischenlagern. Rund ein Drittel der BFW-Unternehmen geht sogar noch weiter und gibt an, dass Sanierungen derzeit nicht durchgeführt werden können bzw. auf unbestimmte Zeit zurückgestellt werden müssen.

VdW Rheinland Westfalen: kritische Überprüfung notwendig

Der Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Rheinland Westfalen e.V. (VdW Rheinland Westfalen) rief das Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen und das Ministerium für Umwelt, Energie, Ernährung und Forsten Rheinland-Pfalz auf, die Folgen der neuen Regelung kritisch zu überprüfen. Es sei dringend notwendig, dass beide Landesministerien zeitnah Anstrengungen dafür unternähmen, dass die notwendigen Genehmigungen für die Entsorger erteilt werden. "Die Wohnungsunternehmen und -genossenschaften tun viel für bezahlbares, energieeffizientes und demografiegerechtes Wohnen", sagte Verbandsdirektor Alexander Rychter. "Mehr erreichen können sie, wenn sie nicht durch neue Kostentreiber belastet werden."

Erlass in Hessen sorgt für Entspannung

In Hessen hat das Umweltministerium in einem Erlass festgelegt, dass HBCD-haltige Dämmplatten abweichend vom Grundsatz des Kreislaufwirtschaftsgesetzes bis auf weiteres nicht an der Baustelle getrennt werden müssen. Darüber hinaus handelt es sich, wenn im Baumischabfall nicht mehr als 0,5 Kubikmeter HBCD-haltige Dämmplatten pro Tonne Gesamtgewicht enthalten sind, nicht um gefährlichen Abfall. Dieser kann dann wie bisher in Hausmüllverbrennungsanlagen verbrannt werden. "Damit wird sich der Entsorgungsengpass in Bezug auf Polystyrol deutlich entspannen. Nun gilt es, gemeinsam mit Aufbereitungs- und Verbrennungsanlagen eine Lösung für die Entsorgung von Monochargen zu finden", sagte Umweltministerin Priska Hinz.

Haus & Grund fordert bundeseinheitliche Regelung

"Die Länder sollten jetzt schnell eine pragmatische Lösung finden, damit Polystyroldämmstoffe wieder problemlos entsorgt werden können", forderte Haus & Grund-Präsident Kai Warnecke. Er appellierte an die Umweltminister des Bundes und der Länder, die Entsorgung des HBCD-haltigen Styropors zusammen mit normalem Bauschutt wieder zu ermöglichen. Einige Länder, wie zum Beispiel Sachsen und Sachsen-Anhalt, wollen diesen Weg gehen. "Diesem Beispiel sollten die Länder gemeinsam folgen, um in Deutschland keinen Entsorgungs-Flickenteppich entstehen zu lassen", forderte Warnecke.

Schlagworte zum Thema:  Wohnungswirtschaft, Sanierung

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