Etwa 2.000 Wohnungsgenossenschaften in Deutschland bieten 2,2 Millionen Wohnungen für mehr als fünf Millionen Menschen an. Zum 200-jährigen Bestehen stellt die Deutsche Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft im Rahmen ihrer Themenwoche "Wohnen" Wohnbaugenossenschaften ins Rampenlicht. Vorgestellt werden der "Lübecker Bauverein", eine der größten Genossenschaften in Schleswig-Holstein, sowie der "Spar- und Bauverein Dortmund".

Wohnraum ist knapp und teuer – gerade in Ballungsräumen. Wohnungsbaugenossenschaften sind hier ein Regulativ. Indem die Mitglieder einen Genossenschaftsanteil erwerben, werden sie zu Miteigentümern und haben ein Mitbestimmungsrecht bei der Gestaltung der Wohneinheiten. Außerdem haben Genossenschaftsmitglieder ein lebenslanges Wohnrecht zu vergleichsweise günstigen Preisen, schreibt die Raiffeisen-Gesellschaft.

"Genossenschaften sind die gelebte Mietpreisbremse", sagt auch Stefan Probst, Vorstand des im Jahr 1892 gegründeten Lübecker Bauvereins.

Lübecker Bauverein

Die Genossenschaft mit rund 5.600 eigenen Wohnungen und 350 verwalteten Objekten im Auftrag Dritter sieht sich als wichtigen Player auf dem Lübecker Wohnungsmarkt – und als Alternative zur privaten Vermietung. Und damit kann der Vorstand der Genossenschaft offenbar auch weiterhin optimistisch in die Zukunft blicken.

Der Lübecker Bauverein stellt 49 Prozent Anteil der öffentlich geförderten Wohnungen in der Hansestadt und verzeichnete Ende 2017 einem Bericht der Lübecker Nachrichten zufolge die bisher beste Bilanzsumme der Firmengeschichte mit 322,6 Millionen Euro, nach 320,4 Millionen Euro im Jahr zuvor. Der öffentlich geförderte Wohnraum bleibe auch weiterhin ein Schwerpunkt, sagte Probst der Zeitung. Das Neubauprogramm umfasse 250 Wohnungen.

Die Durchschnittsmiete für eine Wohnung beträgt laut Probst rund sechs Euro pro Quadratmeter, für die neuen Wohnungen sei die Miete etwas höher. Die Wohnungsbestände liegen in der Kernregion Lübeck, Ostholstein sowie Nordwestmecklenburg.

Dortmunder "Spar- und Bauverein"

Auch der Spar- und Bauverein Dortmund ist so aktiv wie noch nie in der 125-jährigen Geschichte. 54,2 Millionen Euro will die Genossenschaft –  mit rund 11.600 Wohnungen viertgrößter Vermieter der Stadt – in diesem Jahr investieren. Das schreiben die "Ruhrnachrichten". Knapp 15,5 Millionen Euro werden dem Bericht zufolge in die Instandhaltung gesteckt, knapp 16,32 Millionen Euro in die Modernisierung.

Auch Neubauprojekte seien geplant: Die Ausgaben sollen im Jahr 2019 auf die Rekordsumme von knapp 25,3 Millionen Euro steigen.

Mehr zur Bedeutung der Wohnbaugenossenschaften, die Porträts und ein Interview mit Genossenschaftler und Dokumentator finden Sie bei der Initiative "Raiffeisen-Jahr 2018"

Deutsche Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft

Die Deutsche Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Gesellschaft wurde 2012 gegründet und geht neben der früheren WGZ BANK (heute: DZ BANK AG) auf die Initiative der Westerwald Bank, der Verbandsgemeinde Flammersfeld und der Heimatfreunde im Hammer Land e. V. zurück.

Laut Satzung widmet sich die Gesellschaft der "Pflege und Würdigung des Lebenswerkes von Friedrich Wilhelm Raiffeisen und seines in Schriften und Reden überkommenen geistigen Erbes", der "Förderung des darauf beruhenden Genossenschaftsgedankens in Deutschland" sowie der Auseinandersetzung mit dem Genossenschaftswesen.

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Schlagworte zum Thema:  Wohnungsbau, Genossenschaft