Preis Soziale Stadt und Nachbarschaftspreis 2019 verliehen

Das Projekt "Gegen den Strom – Soziale Stadt Wulsdorf" des kommunalen Wohnungsunternehmens Stäwog Bremerhaven hat den Preis Soziale Stadt 2019 gewonnen. Der Deutsche Nachbarschaftspreis geht nach Rathenow in Brandenburg. Die Sieger der beiden Wettbewerbe wurden am 24. Oktober in Berlin geehrt.

Mehr als 180 Projekte hatten sich für den Preis Soziale Stadt in der mittlerweile zehnten Ausgabe beworben. Unter 30 Finalisten überzeugte letztlich die Stäwog Städtische Wohnungsgesellschaft Bremerhaven (Bremen) mit dem langfristig (1999 bis 2019) angelegten Projekt "Gegen den Strom – Soziale Stadt Wulsdorf" Die Auszeichnung war erstmals mit einem Preisgeld von 10.000 Euro dotiert.

"Der Preisträger zeigt eindrücklich, wofür das Städtebauförderungsprogramm Soziale Stadt steht. Aus einem schwierigen Stadtteil ist ... eine lebenswerte und moderne Gartenstadt entstanden, ... . Den langen Atem, den alle Beteiligten gezeigt haben, gilt es zu würdigen und anzuerkennen." Marco Wanderwitz (CDU), parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister des Innern, für Bau und Heimat, anlässlich der Preisverleihung.

Ende der 1990er Jahre stand die Siedlung Wulsdorf-Ringstraße vor dem Abgrund. Das Quartier war zum sozialen Brennpunkt verkommen, Arbeitslosen- und Sozialhilfequoten lagen um ein vielfaches höher als im restlichen Stadtgebiet Bremerhavens. Gemeinsam mit Bewohnern und Kooperationspartnern startete die Stäwog im Jahr 1999 den Umbau. Statt des vielfach geforderten kompletten Abrisses wurde der teilweise Rückbau, Neubau und eine Weiterentwicklung der Gebäude beschlossen – die Bausubstanz und die vorhandenen sozialen Strukturen sollten geschont und bewahrt werden.

Begründung der Jury

Mit dem Gewinnerprojekt zeige die Stäwog anschaulich, wie sich ein Stadtteil mit umfassender und langfristiger Planung über viele Jahre sozial weiterentwickeln könne. Die deutlich höhere Qualität von Architektur und Wohnumfeld stifte im positiven Sinne Identität. Das Quartier sei vom sozialen Brennpunkt zum Stolz der Bewohner geworden und "strahle positiv in die Umgebung aus", so die Begründung der Jury unter dem Vorsitz von Dr. Frank Jost (vhw Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung). Wulsdorf biete heute eine ganz andere Lebensqualität, als noch vor 20 Jahren. Es werde zudem deutlich, dass erfolgreiche Stadtentwicklung nur in Zusammenarbeit mit den Akteuren vor Ort, den Kommunen und unter Beteiligung der Mieterschaft gelinge.

Bis zum 29. Juli konnten sich Projekte für den Preis Soziale Stadt bewerben. 30 Projekte schafften es in die "engere Wahl", aus der das Projekt "Gegen den Strom – Soziale Stadt Wulsdorf" als Sieger hervor ging.

Deutscher Nachbarschaftspreis für "Die Stinknormalen Superhelden"

Der Deutsche Nachbarschaftspreis 2019 wurde auf Bundes- und auf Landesebene vergeben. Das Preisgeld lag bei insgesamt 50.000 Euro. Pro Bundesland wurde eine Initiative für besondere nachbarschaftliches Engagement ausgewählt. Nominiert waren insgesamt 106 Projekte. Aus den 16 Landessiegern 2019 (Preisgeld von je 2.000 Euro) wurden drei Bundessieger und ein Publikumspreisträger (Preisgeld von 5.000 Euro) rekrutiert.

1. Bundessieger (Preisgeld 10.000 Euro) ist das Projekt "Die Stinknormalen Superhelden", Landessieger in Brandenburg: Es handelt sich um einen Freundeskreis junger Menschen in Rathenow, die sich für Nachhaltigkeit und nachbarschaftliche Miteinander einsetzen, nahezu ohne institutionelle und finanzielle Förderungen. 2. Bundessieger (Preisgeld 7.000 Euro) ist das Projekt "Mehrgenerationendorf Bietzerberg", Landessieger im Saarland. Und der 3. Bundessieger (Preisgeld 5.000 Euro) kommt aus Berlin: Das Projekt "Shalom Rollberg" setzt sich für gelebte Vielfalt, Freundschaft und Respekt im Kiez ein.

Außerdem war ein Publikumspreis ausgelobt. Den hat der "Nachbarschaftsverein Goase" aus Leipzig gewonnen: In einem 95 Jahre alten Haus und dem 3.600 Quadratmeter großen Garten wurde ein kultureller Begegnungsort für die Nachbarschaft geschaffen. "Der Nachbarschaftsverein ist beispielhaft für alternative Formen des Zusammenlebens und sensibilisiert durch seine Projekte für ein ressourcenschonendes Leben", sagte Christine Enenkel von der DAK Landesvertretung Sachsen, Mitglied der Landesjury Sachsen. 

Gemeinsamer Wettbewerb 2019: Netzwerk soll vergrößert werden

Der Preis Soziale Stadt und der Deutsche Nachbarschaftspreis wurden in diesem Jahr erstmals gemeinsam ausgelobt und ausgezeichnet. Beide Preise fördern Projekte und Initiativen, die sich für gesellschaftlichen Zusammenhalt und ein soziales Miteinander im städtischen wie im ländlichen Raum einsetzen. Durch die Kooperation soll den gemeinsamen Zielsetzungen und Ausrichtungen der beiden Wettbewerbe Rechnung getragen werden. Zudem soll das Netzwerk aller Akteure in der Quartiersentwicklung und im nachbarschaftlichen Engagement größer werden.

Der Preis Soziale Stadt ist eine Gemeinschaftsinitiative des AWO Arbeiterwohlfahrt Bundesverband, des Deutschen Städtetages, des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, des Deutschen Mieterbundes und des vhw Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung. Er wird durch das Bundesinnenministerium unterstützt. Zusätzlich gab es 2019 eine finanzielle Unterstützung vom kommunalen Berliner Wohnungsunternehmen Degewo.

Der Deutsche Nachbarschaftspreis wird von der nebenan.de Stiftung vergeben und von einem Partnernetzwerk aus Wirtschaft und Gesellschaft unterstützt.


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