Nullenergie-Mehrfamilienhäuser: Prototypen für Europa geplant

Die Initiative Energiesprong will Prototypen für Nullenergie-Mehrfamilienhäuser in Nordwesteuropa entwickeln. Dazu haben sich Teams aus vier Ländern zusammen getan. Hierzulande wird das Projekt von der Deutschen Energieagentur (Dena) koordiniert. Auch Wohnungsunternehmen sind beteiligt.

Die Energiesprong-Marktentwicklungsteams aus Deutschland, Großbritannien, Frankreich und den Niederlanden wollen gemeinsam mit einigen Wohnungsunternehmen insgesamt 415 Wohnungen seriell sanieren. Mit dabei sind die Arsago Gründstücks- und Beteiligungsgesellschaft, die Baugenossenschaft Oberricklingen, VBW Bauen und Wohnen, der Wohnungskonzern Vonovia und die Wohnungsgenossenschaft am Vorgebirgspark. Weitere Marktentwicklungsteams sind derzeit auch in Kanada und den USA aktiv.

Sanierungsquote in Europa mit Aufholpotenzial

Alleine in Großbritannien, Frankreich, Deutschland und den Niederlanden gibt es laut Dena rund 43 Millionen Wohnungen, die in den kommenden 30 Jahren saniert werden müssen, um die EU-Klimaziele für 2050 zu erreichen. Die aktuelle Sanierungsquote in den Ländern genüge jedoch bei Weitem nicht.

"Wenn wir die Klimaziele erreichen wollen, müssen wir den Sanierungsprozess neu denken und bei garantierter, gleichbleibend hoher Qualität deutlich schneller und günstiger werden." Uwe Bigalke, Leiter des Energiesprong-Teams bei der Dena

Finanziert wird das Projekt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWi) und unterstützt vom GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen. Die Umsetzung der Prototypen wird über das  EU-Förderprogramm Interreg NWE "mustbe0" gefördert.

Serielles Sanieren mit vollständig integrierten Energiesystemen

Energiesprong ist nach eigenen Angaben ein neuartiges Sanierungskonzept, das für hohen Wohnkomfort, kurze Sanierungszeiten und ein innovatives Finanzierungsmodell steht. Es wurde in den Niederlanden entwickelt und dort bereits in mehr als 4.500 Gebäuden umgesetzt.

Ein wesentlicher Bestandteil der Energiesprong-Lösung sind industriell vorgefertigte, maßgeschneiderte Elemente für Fassaden und Dächer mit vollständig integrierten Energiesystemen. So soll laut Dena die Dauer der Sanierungsarbeiten von mehreren Monaten auf wenige Wochen reduziert werden. Mit steigenden Stückzahlen könnten die Kosten enorm gesenkt werden.

"In den kommenden dreieinhalb Jahren werden wir ... anhand der Prototypen eine breitenmarktfähige Net-Zero-Sanierungslösung entwickeln, die sich auf zahlreiche Mehrfamilienhäuser in Nordwesteuropa übertragen lässt." Uwe Bigalke, Leiter des Energiesprong-Teams bei der Dena

Mit dem Net-Zero-Standard soll jedes Haus pro Jahr so viel Energie produzieren, wie es für Heizung, Warmwasser und Haushaltsgeräte braucht. Geld, das für Energiekosten und Instandhaltung ausgegeben worden wäre, soll in die Refinanzierung der Sanierung fließen. Die Lebenshaltungskosten für die Bewohner sollen den Initiatoren zufolge nicht steigen.


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