21.03.2013 | Top-Thema Neubau

Wohnen am Riedberg: Jazz-Klassiker als Namenspaten

Kapitel
Blick vom halböffentlichen Platz auf zwei der vier Wohngebäude in "so what", in Anlehnung an den Jazz Klassiker von Miles-Davis
Bild: Heidelberg Cement AG/Steffen Fuchs

Schon von Weitem sichtbar ziehen sich am östlichen Bonifatiuspark zwei lang gestreckte Wohnanlagen entlang – in leichter, lichtvoller, fast transparent wirkender Bauweise: „take 5” und „so what” – entworfen von der renommierten Architektengruppe Atelier 5 aus Bern (Schweiz).

Während noch vor einigen Jahren das Leben auf dem Lande eine gesuchte Wohnform war, entscheiden sich heute immer mehr Menschen für ein Wohnen in der Stadt. Diesen Wandel erkannte das Hanauer Wohnungsbauunternehmen Bien Ries und erwarb 2005 am Riedberg – im Norden Frankfurts zwischen Kalbach und Niederursel – mehrere Baufelder mit einer bebaubaren Fläche von insgesamt rund 50.000 Quadratmeter für den Bau mehrerer Wohnquartiere mit hochwertigen Eigentumswohnungen. Vorstand Wolfgang Ries: „Die Abwanderung aus den ländlichen Gebieten in die Städte war absehbar. Das Jahr 2008 markiert dabei einen Wendepunkt. Erstmals leben mehr Menschen weltweit in der Stadt als auf dem Land. Bessere Karrierechancen und Freizeitangebote wie auch Einkaufsmöglichkeiten sind nur drei ausschlaggebende Argumente, um der Provinz den Rücken zu kehren. Darum konzentrieren wir uns mit unseren Wohnkonzepten auf den städtischen Raum. Hier investieren wir zukunftsorientiert.“

Ein neuer Stadtteil entsteht
Am Riedberg waren die städtebaulichen Perspektiven gut: Von hier aus reicht der Blick auf die grünen Hügel des nahen Taunus und auf die imposante Frankfurter Skyline.
„Die ersten Umfragen zum Baugebiet waren allerdings nicht positiv”, erinnert sich Ries. „Wie bei allen Bauvorhaben haben wir vorab eine interne Grundstücksbewertung und Marktuntersuchung vorgenommen. Wir haben feststellen müssen, dass kaum jemand Riedberg kannte. Es bestand also schon ein Risiko beim Kauf. Aber wir waren von Anfang an von diesem Standort überzeugt und haben Recht behalten. Riedberg hat sich als ein hochwertiger Stadtteil etabliert und entwickelt sich rasch weiter“, erörtert Ries. „Einkaufsmöglichkeiten, Schulen und Universität sind in unmittelbarer Nähe und kurze Wege zur Frankfurter City machen das Leben einfach und komfortabel.“


Ansatz der Namensgebung
Die Architektengruppe Atelier 5 ist bei einem städtebaulichen Wettbewerb für drei Wohnquartiere als Sieger hervorgegangen. Danach hat das Büro auch den Wettbewerb für den Neubau eines katholischen Kirchenzentrums für sich entschieden. Den Auftakt der Bebauung machte das Wohnquartier „Take 5“. Im Anschluss folgte „so what“.
Der Impuls zu „Take 5“ kam von dem bekannten Dave-Brubeck-Jazztitel. „So what“ fand seine Inspiration in dem gleichnamigen Miles-Davis-Klassiker: Eine gelungene Marketingstrategie. Die Projektnamen haben sich schnell als eigenständige Marken innerhalb des Hanauer Wohnungsbauunternehmens als Philosophie etabliert.
Es wurde deutlich: Hier passiert etwas. Etwas, das mehr ist als der Bau von Eigentumswohnungen. Nicht der auf Effekte ausgerichtete, kurzlebige Trend, sondern eine Architektur von klarer Sprache und individueller Ausstrahlung. Eine Architektur, die auf Beständigkeit, Sicherheit und Wohlbefinden ausgerichtet ist.

Wohnkonzepte
Jedes Grundstück wird auf seine spezifischen Besonderheiten untersucht und führt dann über viele Diskussionen im Team zu einem Planungsergebnis. So ist es auch bei „so what” und „Take 5” geschehen. Zurzeit bilden sie ein Ensemble von zwei Wohnquartieren. Die dritte Bauetappe ist in Planung. Letztendlich wird sich die Bebauung als eine städtebauliche Einheit präsentieren.
Einen Glücksfall nennt Ries die Arbeit mit dem Atelier 5. „Atelier 5 kämpft um Architektur. Eine Architektur, die frei ist von modischen Strömungen. Sie besteht aus einer ausgewogenen Mischung von Rückzugsmöglichkeiten, sozialem Wohnen und Leben sowie Privatsphäre und Kommunikation. Es steht immer der Mensch mit seinen Wohnbedürfnissen im Vordergrund. Aus diesem Grund sprechen wir auch nicht von Bauprojekten, sondern von Wohnkonzepten.“

Architektonischer Ansatz
Die Wohnquartiere am Riedberg sind individuell geplante Gebäude und kein Massenprodukt aus der Fabrik. Wesentlicher Bestandteil der Konzepte ist die Massivbauweise. Ein Qualitätsmerkmal der Gebäude ist der Schallschutz. Um den hohen Anspruch des Wohnungsbauunternehmens zu erfüllen, stellt die Heidelberger Kalksandstein GmbH (Durmersheim) speziell für das Hanauer Wohnungsbauunternehmen Kalksandsteine mit einer speziellen Rohdichte her.
„Take 5“ wie auch „so what“ bestehen jeweils aus vier Einzelgebäuden mit einer Vielzahl von Wohnungszuschnitten – vom Einpersonenhaushalt bis zu extravaganten, großzügig geschnittenen Penthouse-Maisonettewohnungen. Durch geschicktes Versetzen der Wohnungen innerhalb der Geschosse ergeben sich geschützte Räume, Terrassen und Balkone, die Privatsphäre, Rückzugsmöglichkeiten und Sichtschutz bieten. Wesentlicher Bestandteil der Wohnquartiere sind die in der Mitte der Anlage platzierten halböffentlichen und überschaubaren Innenhöfe – die Dorfplätze. Von diesen „Kommunikationszentren“ mit Spielplätzen und Begegungsflächen werden die einzelnen Gebäude erschlossen.
Gleichzeitig sind die Höfe als Ausgangs- und Treffpunkt konzipiert. „Sie erlauben eine Durchwegung der einzelnen Quartiere durch die Innenhöfe, die die Kommunikation der Bewohner untereinander weiter fördert”, so Architekt Heinz Müller, Atelier 5.

Bauweise und Konstruktion
Beide Anlagen sind mit 52 („so what)” und 55 („Take 5”) Wohneinheiten ungefähr gleich groß. Die Wohnungsgrößen liegen zwischen ca. 84 m2 bis 173 m2. Die Gebäude sind KfW-Energieeffizienzhäuser 55. Um den Energiestandard zu erreichen, ist auf den 15 und 20 cm dicken Kalksandstein-Wänden außen ein weiß gestrichenes Wärmedämmverbundsystem aufgebracht (PS-Hartschaum WLG 035, Stärke bis zu 30 cm). Sie erreichen U-Werte bis 0,112 W/m2K. Weitere Wärmeschutzmaßnahmen sind die kontrollierte Wohnraumlüftung, KS-ISO-Kimmsteine sowie Kunststofffenster und Fenstertüren mit 3-fach Isolier-Verglasung (U-Wert Fenster 1,1 W/m2K).

Bernd Niebuhr, Fachjournalist, Hannover

Schlagworte zum Thema:  Neubau, Ersatzneubau

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