17.11.2015 | Top-Thema Exklusive Umfrage: Die Nachwuchssorgen sind real

Nachwuchskräftemangel in der Immobilienbranche: Umfrageergebnisse

Kapitel
Der Stand zu Ausbildung und Fachkräftemangel: Die Ergebnisse unserer Studie im Überblick.
Bild: Haufe Online Redaktion

Fast alle Unternehmen in der Immobilienbranche klagen über Nachwuchskräftemangel: Bei einer exklusiven Umfrage des Beratungsunternehmens Consulting Cum Laude in Kooperation mit dem Fachmagazin „Immobilienwirtschaft“ sagten 93 Prozent der befragten Firmen, dass es bei ihnen offene Stellen für den Nachwuchs gibt. Gleichzeitig agieren die Unternehmen beim Recruiting jedoch extrem konservativ: Lediglich neun Prozent nutzen soziale Medien – und holen die jungen Menschen damit dort ab, wo sie unterwegs sind.

An der Umfrage beteiligten sich 165 Immobilienunternehmen. Im Mittelpunkt der 15 Fragen standen die Themenkomplexe
Nachwuchskräftemangel in der Immobilienwirtschaft, besonders betroffene Branchensegmente und Regionen, Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel und Erfahrungen mit jungen Berufseinsteigern.

Nachwuchskräftemangel und Erfahrungen mit jungen Berufseinsteigern - der Status quo

Damit wollten Consulting Cum Laude, die Beratungstochter der International Campus AG und Spezialist für Employer Branding und Talent Recruiting, und das Fachmagazin „Immobilienwirtschaft“ herausfinden, ob das Nachwuchsproblem in der Branche tatsächlich existiert – oder ob nur viel darüber geredet wird. Das Ergebnis fällt überraschend eindeutig aus. Nach Einschätzung der befragten Unternehmen hat die deutsche Immobilienbranche inzwischen ein großes Problem mit dem Nachwuchs. Nur 15 Prozent sagen, dass es keinen Nachwuchskräftemangel in der Branche gibt – während 85 Prozent ganz oder teilweise der Aussage zustimmen, dass es in der deutschen Immobilienwirtschaft einen Nachwuchskräftemangel gibt. 48 Prozent der Umfrageteilnehmer hatten sogar bereits deutliche Probleme, im eigenen Betrieb Nachwuchsstellen zu besetzen, 26 Prozent hatten „teilweise“ Schwierigkeiten, geeignete Bewerberinnen und Bewerber für offene Stellen zu finden.

Gut für die Bewerber, schlecht für das Unternehmen

„Die Ergebnisse der Umfrage zeigen ganz klar in eine Richtung“, sagt Roman Diehl, Vorstand Marketing und Vertrieb der International Campus AG sowie Geschäftsführer von Consulting Cum Laude: „Es gibt in der deutschen Immobilienwirtschaft schon jetzt ein großes Nachwuchsproblem. Fast die Hälfte aller Unternehmen der Branche hatte bereits Schwierigkeiten, Einstiegs- und Nachwuchsstellen passend zu besetzen. Für den Unternehmensfortbestand und -erfolg sind damit relevante Aspekte wie etwa Innovationsfähigkeit und Unternehmenswachstum absehbar in Gefahr. “Insgesamt 93 Prozent und damit fast alle Befragten haben aktuell offene Stellen für den Nachwuchs. Analog zur kleinteiligen Branchenstruktur der Immobilienwirtschaft gibt es beim Großteil der Unternehmen maximal zehn offene Positionen für Einsteiger und Nachwuchskräfte zu besetzen: 77 Prozent haben bis zu fünf Stellen frei, 16 Prozent der Unternehmen haben fünf bis zehn Nachwuchspositionen offen. Gerade bei so wenigen zu besetzenden Stellen ist die Qualität der Bewerbungen oder die Qualifikation der Bewerberinnen und Bewerber jedoch erfolgsentscheidend für das Unternehmen. Negative Folgen durch die offenen Stellen sind für die Firmen bereits sichtbar und spürbar: 20 Prozent der Befragten sehen das Unternehmenswachstum in Gefahr, 18 Prozent eine Überalterung der Belegschaft und 15 Prozent eine geringere Innovationskraft. In der Summe sind die Auswirkungen heute zwar noch nicht dramatisch für die Betriebe – dennoch besteht immer dringenderer Handlungsbedarf.

Wo drückt der Schuh genau?

Innerhalb der Branche haben die größten Probleme, Nachwuchspositionen zu besetzen, Projektentwickler (14 Prozent aller Befragten), Property Manager (sowohl technisch als auch kaufmännisch je zwölf Prozent) sowie Asset Manager (zehn Prozent). Bei Positionen in den Bereichen Investment, Marketing, Vermietung, Service, Finanzen, IT und Personal gibt es hingegen deutlich weniger Probleme, ausreichend geeignete Bewerberinnen und Bewerber zu finden. Entsprechend unterschiedlich fällt auch die Einschätzung der befragten Firmen aus. Besonders Makler und im Bereich Büroimmobilien tätige Unternehmen schätzen die Situation als kritisch ein und sehen sehr häufig einen Nachwuchskräftemangel. Bei Maklerunternehmen sagen dies 86 Prozent, von den befragten Büroimmobilienunternehmen sind es 83 Prozent. Bei den Wohnimmobilienunternehmen beantworten indes nur 48 Prozent die Frage mit Ja, bei den Projektentwicklern sind es 42 Prozent.

Regionale Unterschiede im bundesweiten Vergleich

Eine Rolle spielt auch der Unternehmenssitz: Es gibt große regionale Unterschiede auf dem immobilienwirtschaftlichen Arbeitsmarkt in Deutschland. 45 beziehungsweise 36 Prozent der befragten bundesweit aktiven Unternehmen sagen, es gebe ganz oder teilweise einen Nachwuchskräftemangel in der deutschen Immobilienwirtschaft. Unternehmen aus Baden-Württemberg schätzen die Situation deutlich schlechter ein: Hier beantworten 73 Prozent der befragten Firmen die Frage mit Ja, bei Betrieben aus Nordrhein-Westfalen sind es 50 Prozent. Hingegen sagen nur 29 Prozent der befragten Unternehmen aus Bayern, dass die Branche ein Nachwuchsproblem hat. Auch die Firmen in Sachsen und Berlin sind vergleichsweise optimistisch: Hier liegen die Zahlen bei 33 und 36 Prozent.

Weitere Studienergebnisse:

Recruiting: Soziale Netzwerke werden kaum genutzt

Die zentralen Ergebnisse im Überblick:

Infografik: Nachwuchskräftemangel in der deutschen Immobilienwirtschaft

Mehr Hintergrundinformationen zu den aktuellen Entwicklungen in der Banche:

Megatrends in der Immobilienwirtschaft: Der demografische Wandel

Megatrends in der Immobilienwirtschaft: Neue Arbeitswelten

Hinweis:

Dieser Artikel ist ein Auszug aus der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Immobilienwirtschaft" (11/15). Hier finden Sie weitergehende Informationen zum Fachkräftemangel sowie Lösungsansätze für die Nachwuchsproblematik in der Branche.

Schlagworte zum Thema:  Immobilienbranche, Ausbildung, Betriebliche Ausbildung, Fachkräftemangel, Studie

Aktuell

Meistgelesen