17.11.2015 | Top-Thema Exklusive Umfrage: Die Nachwuchssorgen sind real

Recruiting: Soziale Netzwerke werden kaum genutzt

Kapitel
Welche Eigenschaften zeichnen die Fachkräfte von morgen aus und wie versuchen Immobilienunternehmen sie zu erreichen - Antworten gibt die Bilderserie.
Bild: Haufe Online Redaktion

Was sind die Hintergründe des Nachwuchskräftemangels? Warum werden offene Stellen in der Immobilienbranche nicht besetzt? Mit großem Abstand der Hauptgrund bei den Befragten sind fehlende Qualifikation der Bewerber (28 Prozent) und zu wenige oder sogar gar keine Interessenten (18 Prozent). Gehaltsvorstellungen der Bewerberinnen und Bewerber sind ebenfalls Grund für nicht besetzte Stellen (zehn Prozent). Insgesamt bedeutet dies, dass fast jedes dritte Unternehmen Bewerbungen nicht ausreichend qualifizierter Bewerber bekommt und fast jedes fünfte Unternehmen generell nicht genug Bewerbungen erhält.

Es gibt also deutliche Defizite im Bereich der Arbeitgeberattraktivität und ein Optimierungspotenzial bei der Unternehmenspositionierung. Interessant: Nur sechs Prozent der befragten Unternehmen sehen das Branchenimage und sogar nur ein Prozent das Unternehmensimage als Grund für eine Nicht-Besetzung von offenen Stellen.

Nachwuchskräftemangel als Folge mangelnder Ausbildungsattraktivität?

„Sehr häufig fehlt ein kritischer Blick auf das eigene Unternehmen, auf die eigene Unternehmenskultur und auch die Bereitschaft, den nötigen Wandel einzuleiten“, sagt Roman Diehl. Diese sehr wenig kritische Selbsteinschätzung dürfte sich in Zukunft als zunehmend problematisch erweisen. Denn Themen wie Unternehmenskultur – etwa bei den Arbeitszeiten oder der „Work-Life-Balance“ – werden zunehmend entscheidend und sprechen für oder gegen eine Bewerbung bei einem bestimmten Unternehmen. Auch der Standortfaktor ist für die so genannte „Generation Y“ der heute 17- bis 32-Jährigen sehr wichtig. Vor allem attraktive Unternehmen an unattraktiven Standorten bekommen mehr und mehr Probleme, qualifizierte Bewerber anzusprechen und für sich zu gewinnen. Um ihre Attraktivität als Arbeitgeber zu erhöhen, setzen die Unternehmen der Immobilienbranche jedoch auf eher konservative Aspekte: Fort- und Weiterbildungen (16 Prozent), flexiblere Arbeitsorganisation (15 Prozent) und bessere Vergütung (zehn Prozent) stehen hoch im Kurs, moderne Büroflächen (neun Prozent) werden als geeigneter angesehen als Employer Branding (vier Prozent), Marketing/Sponsoring (vier Prozent) und Social/Digital Marketing (fünf Prozent). „In Sachen HR-Marketing und Employer Branding hat die Immobilienbranche die Steinzeit noch nicht verlassen“, sagt Roman Diehl. Doch „Business as usual“ funktioniere nicht mehr, wenn es insgesamt immer weniger Berufseinsteiger gibt und der Nachwuchs die Wahl hat.

Soziale Netzwerke werden kaum genutzt

Dass sich die Immobilienbranche kaum auf die junge Generation einstellt, zeigt sich auch bei der Frage, wie und wo sich die Unternehmen nach Nachwuchskräften umschauen. 28 Prozent der Betriebe suchen zwar auf Onlineplattformen. Die sozialen Netzwerke jedoch, wo sich die „Digital Natives“ tummeln, nutzen nur neun Prozent der Firmen. Zudem sind ihre eigenen Websites häufig veraltet. Damit werden große Chancen vertan, hier gibt es deutliches Optimierungspotenzial. 21 Prozent der Unternehmen suchen zudem über die eigenen Mitarbeiter nach Nachwuchskräften, 17 Prozent über die Printmedien, neun Prozent auf Messen und zehn Prozent über Headhunter.

"Bei HR-Marketing und Employer
Branding hat die Immobilienbranche
die Steinzeit noch
nicht verlassen. ‚Business as
usual‘ klappt nicht mehr, wenn
es insgesamt immer weniger
Berufseinsteiger gibt und
Kandidaten die Wahl haben."
Roman Diehl,
Vorstand International Campus AG

Generell zeigt die Umfrage, dass Immobilienunternehmen ihr HR-Marketing und auch die anschließenden Recruiting- und Auswahlprozesse deutlich professionalisieren sollten, um die für den Unternehmenserfolg notwendige Bewerberqualität sicherzustellen. Insgesamt wird das Thema Stellenbesetzung in der Branche jedoch ernst genommen. Bei 41 Prozent der befragten Unternehmen sind neue Mitarbeiter Chefsache. Die Chancen, im eigenen Unternehmen Karriere zu machen, schätzen die Befragten als gut ein: 63 Prozent der befragten Unternehmen sehen die Zukunfts- und Karrierechancen von Nachwuchskräften positiv, 33 Prozent schätzen sie als neutral ein, nur vier Prozent als negativ. „Unternehmen müssen glaubwürdig beweisen, warum es sich lohnt, für sie zu arbeiten“, sagt Roman Diehl: „Eine innovative, emotionale und inspirierende Ansprache der Teile der Generation Y, die zum Unternehmen und den offenen Positionen passen, und eine aktive Positionierung als attraktiver Arbeitgeber werden zu Fragen der eigenen Zukunftsfähigkeit.“

Wenig flexibel und kaum belastbar

Anspruchsvoll und selbstbewusst, dabei sympathisch und interessiert, aber wenig flexibel, strukturiert und belastbar: Das ist das Bild, das die befragten Unternehmen von der jungen Generation haben. Im Detail finden 87 Prozent die heute 17- bis 32-Jährigen „anspruchsvoll“, 84 Prozent halten sie für „selbstbewusst“, 73 Prozent für „sympathisch“ und 71 Prozent für „interessiert“. Als „flexibel“ schätzen jedoch nur 25 Prozent der Unternehmen die Nachwuchskräfte ein, 27 Prozent halten sie für „strukturiert“, 30 Prozent für „belastbar“ und 33 Prozent für „anpassungsfähig“. Diese Wahrnehmung der Berufseinsteiger und Nachwuchskräfte hat Auswirkungen auf das Führungsverhalten im Betrieb. Eine differenzierte Betrachtung hilft: Unternehmen sollten den für die Branche „passenden Teil“ der Generation Y identifizieren und ansprechen. Denn generell schlechte Erfahrungen haben nur die wenigsten gemacht: Lediglich fünf Prozent der Befragten geben negative Erlebnisse an, 44 Prozent haben positive, 51 Prozent „gemischte“ Erfahrungen gemacht. Junge Menschen und die Immobilienbranche können also durchaus auch in der heutigen Zeit zusammenfinden – dabei werden Recruitung und Auswahlprozesse für die „richtigen“ Bewerber jedoch immer wichtiger.

Weitere Studienergebnisse:

Nachwuchskräftemangel in der Immobilienbranche: Umfrageergebnisse

Die zentralen Ergebnisse im Überblick:

Infografik: Nachwuchskräftemangel in der deutschen Immobilienwirtschaft

Mehr Hintergrundinformationen zu den aktuellen Entwicklungen in der Banche:

Megatrends in der Immobilienwirtschaft: Der demografische Wandel

Megatrends in der Immobilienwirtschaft: Neue Arbeitswelten

Hinweis:

Dieser Artikel ist ein Auszug aus der aktuellen Ausgabe des Fachmagazins "Immobilienwirtschaft" (11/15). Hier finden Sie weitergehende Informationen zum Fachkräftemangel sowie Lösungsansätze für die Nachwuchsproblematik in der Branche.

Hier geht's zur Bilderserie "Nachwuchskräftemangel - Grafiken"

Schlagworte zum Thema:  Immobilienbranche, Ausbildung, Betriebliche Ausbildung, Fachkräftemangel, Studie

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