18.02.2014 | Nachbericht Energiekonferenz 2014

Ist die Energiewende auch ein Qualifizierungsproblem?

(v.l.) Grinewitschus, Neuhaus, Schäfer, Rips, Deppe, Rychter, Brems, Leuchtmann
Bild: Sven Neidig

Mitte Februar 2014 fand in der Essener Philharmonie die Energiekonferenz des EBZ (Europäisches Bildungszentrum der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft) in Zusammenarbeit mit dem VdW Rheinland statt.

Im Vorfeld der Veranstaltung hatte das EBZ eine Umfrage unter den Konferenzteilnehmern durchgeführt. Mit klaren Ergebnissen: So bezeichnen gut 90 Prozent der Befragten den Ausbau erneuerbarer Energien für unverzichtbar, sogar über 90 Prozent der Teilnehmer an der Befragung wollen, dass erneuerbare Energien besser in das Handlungskonzept von Quartieren eingebunden werden. Auch dass der lokale Verbrauch der im Quartier erzeugten Energie wichtig für die Wirtschaftlichkeit der Umsetzung ist wird von über 80 Prozent der Befragten angegeben.

Ein zweiter zentraler Punkt: Über 80 Prozent der Befragten glauben nicht, dass in den nächsten zehn Jahren ein nennenswerter Teil der Bestandswohnungen auf Niedrigenergiestandard gebracht werden wird. Prof. Dr. Viktor Grinewitschus, Professor des Techem-Lehrstuhls für Energiemanagement an der EBZ Business School, sagt dazu: „Die Modernisierung vieler Wohnungen nach solchen strikten Standards ist für die Unternehmen schlicht nicht wirtschaftlich. Viel sinnvoller und wirtschaftlicher ist eine Kombination von Maßnahmen aus Dämmung, Anlagenoptimierung und intelligenter Regelungstechnik in den Wohnungen. Für einen Erfolg der Energiewende ist jedoch insbesondere die flächendeckende Sanierung der bereits gebauten Wohnungen entscheidend.“ Alexander Rychter sagt: „Gesetzliche Rahmenbedingungen, die eher auf eine Modernisierung der bestehenden Bausubstanz in der Breite abzielen, hätten einen viel größeren Effekt als eine Gesetzeskulisse, die nur Leuchtturmprojekte zulässt.“

„Ist die Energiewende auch ein Qualifizierungsproblem?“ Diese Frage stellte der EBZ-Vorstandsvorsitzende Klaus Leuchtmann. „Die Technologie wird immer komplexer und erreicht nur noch die höchsten Wirkungsgrade, wenn verschiedene Lösungen besonders geschickt miteinander verzahnt werden“, so Leuchtmann mit Hinweis auf einige auf der Energiekonferenz gewonnene Erkenntnisse. „Das bedeutet offenbar, dass die klügste Technologie nur dann wirken kann, wenn der Nutzer auch mit ihr umzugehen weiß. Wir werden prüfen, ob wir den Wohnungsunternehmen entsprechende Schulungsmaßnahmen für ihre Teams anbieten können.“

Dass sie gewillt sind, so viel wie möglich für die zukunftsfähige Ausrichtung ihrer Bestände zu tun, zeigten die Wohnungsunternehmen in Essen nicht allein durch rege Teilnahme an der Energiekonferenz 2014: Lebhafte Diskussionen und ein vielfältiger Austausch zwischen Technikanbietern und Wohnungswirtschaft prägte die Veranstaltung. Besprochen wurden kluge technische Lösungen – insbesondere abseits der simplen Dämmung von Fassaden – und der praxisgerechte Umgang mit den oft als zu streng empfundenen rechtlichen Vorgaben.

Schlagworte zum Thema:  Wohnungswirtschaft, Veranstaltung

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