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Ein Klassiker der Nachbarschaftshilfe: Blumen gießen, wenn der Nachbar im Urlaub ist Bild: nebenan.de

Viele Mieter kennen ihre Nachbarn kaum. Das möchten Wohnungsunternehmen ändern, liegt doch eine gute Nachbarschaft nicht zuletzt im Interesse der Vermieter. Dabei helfen können digitale Nachbarschaftsplattformen wie nebenan.de und Nextdoor. Doch noch steckt die Zusammenarbeit zwischen solchen Plattformen und der Wohnungswirtschaft in den Kinderschuhen.

Vor etwa fünf Jahren hörte Christian Vollmann erstmals von einem Netzwerk in den USA, das Nachbarn über das Internet miteinander in Kontakt brachte. Gleichzeitig stellte er fest, dass er nach seinem Umzug kaum jemanden in seiner neuen Nachbarschaft in Berlin-Mitte kannte. Um das zu ändern, tat er das, was in früheren Zeiten so ungewöhnlich nicht war: Er klingelte an den Türen seiner Nachbarn und stellte sich vor. Gleichzeitig erzählte er von seinem Plan, ein digitales Nachbarschaftsnetzwerk aufzubauen, und bat seine Nachbarn um ihre E-Mail-Adresse – mit beachtlichem Erfolg: 19 von 20 Nachbarn gaben sie ihm.

Was damals so bescheiden begann, ist jetzt die größte digitale Nachbarschaftsplattform Deutschlands. Sie heißt nebenan.de, und der Start-up-Gründer Vollmann ist ihr Geschäftsführer. Weitere Plattformen sind seither dazugekommen – teils mit bundesweitem Anspruch, teils mit regionalem Fokus. Gemeinsam ist ihnen, dass sie die Möglichkeiten des Internets nutzen wollen, um das Nachbarschaftsgefühl zu stärken, Menschen miteinander in Kontakt zu bringen und sie zu gemeinsamen Aktivitäten zu motivieren.

"Erfolgreich sind wir, wenn sich die Menschen im wirklichen Leben treffen", Juliane Leupold, Senior Manager Communications von Nextdoor

Zweikampf auf dem deutschen Markt

Das US-amerikanische Unternehmen Nextdoor ist erst seit 2017 auf dem deutschen Markt aktiv, hat aber laut Juliane Leupold hierzulande bereits 1.500 sogenannte Nachbarschaften gegründet, wobei eine Nachbarschaft etwa 1.500 Haushalte umfasst. Wie viele davon sich bei Nextdoor als Nutzer angemeldet haben, gibt das Unternehmen nicht preis. Etwas transparenter ist Konkurrent nebenan.de: Demnach haben sich unter seinem Dach gut 6.000 Nachbarschaften versammelt, von denen allerdings noch nicht alle die Schwelle von hundert Nutzern erreicht haben, die laut Geschäftsführer Vollmann die "kritische Masse" darstellt. Trotzdem resultiert daraus nach Unternehmensangaben die beeindruckende Zahl von bundesweit rund 700.000 Nutzern.

Um die beiden Plattformen nutzen zu können, müssen sich Interessenten mit ihrem wirklichen Namen anmelden und einen Nachweis erbringen, dass sie tatsächlich in der jeweiligen Nachbarschaft wohnen. "Das ist der große Unterschied zu Facebook", sagt Christian Vollmann. "Bei uns gibt es keine Filterblase, und man spricht über Alters- und politische Grenzen hinaus miteinander." Und was beschäftigt die Nutzer? Sie fragen beispielsweise, ob ein Nachbar eine Bohrmaschine ausleihen kann, forschen nach dem Verbleib eines verschollenen Pakets und bitten um Tipps für einen guten Zahnarzt oder ein empfehlenswertes Restaurant.

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Kommunikation über Apps und Digitale Bretter

Schlagworte zum Thema:  Nachbarschaft, Online-Plattform, Vernetzung, Kommunikation, Wohnungswirtschaft

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