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Im Neubauprojekt Schwabinger Tor in München können Mieter mittels einer eigens entwickelten App mit dem Vermieter kommunizieren Bild: Jost Hurler Gruppe

Nachbarschaftsplattformen sollen Informationen bündeln und Menschen miteinander vernetzen. Um dieses Ziel zu erreichen, setzen manche Projektentwickler allerdings nicht auf die großen Plattformen, sondern auf eigens für ihre Bedürfnisse entwickelte Instrumente.

Die Jost Hurler Gruppe beispielsweise hat sich für ihr gemischt genutztes neues Quartier Schwabinger Tor in München-Schwabing vom Start-up Casavi eine App bauen lassen.

"Mit dieser Schwabinger-Tor-App wollen wir den Gedanken einer guten Nachbarschaft in die digitale Welt verlängern und damit das Miteinander von Menschen unterschiedlicher sozialer Hintergründe und Lebensstile in unserem Quartier fördern", Dr. Wolfgang Müller, Geschäftsführer der Jost Hurler Gruppe

Über die App können Bewohner Dinge teilen, Hilfe beim Einkaufen anbieten oder einen Nachbarn bitten, während des Urlaubs die Blumen zu gießen.

Auf ein anderes Mittel, um den Austausch unter den Bewohnern zu fördern, setzt die Wohnungsgenossenschaft Kleefeld-Buchholz in Hannover. Sie begann 2015 damit, in ihren Häusern das vom Unternehmen mieterinfo.tv entwickelte Digitale Brett anzubringen. Dabei handelt es sich um einen im Eingangsbereich des Hauses angebrachten Bildschirm, mit dem die Genossenschaft und ihre Kunden miteinander kommunizieren können. Darüber hinaus existiert seit Mai 2017 auch das Modul "Von Mieter zu Mieter", mit dem sich die Bewohner untereinander austauschen können.

"Seither wurden durchschnittlich etwa zehn Nachrichten pro Monat veröffentlicht. Dabei geht es zum Beispiel um die Aufforderung an die Nachbarn, Ordnung zu halten und Türen zu schließen", Christian Petersohn, Vorstandsvorsitzender der Kleefeld-Buchholz


Völlig unkontrolliert ist die Kommunikation indes nicht. "Wenn ein Mieter eine Nachricht am Digitalen Brett eingibt, erscheint diese bei uns im System", erläutert Petersohn. "Wir prüfen dann die Nachricht und geben sie, wenn nichts dagegenspricht, innerhalb eines Tages frei." Als Zwischenfazit hält Petersohn fest, "dass die Bildschirme einen wichtigen Beitrag zu einer guten Nachbarschaft leisten."

Wie die Plattformen Geld verdienen 

Die großen Nachbarschaftsplattformen zeigen sich zuversichtlich, weiter zu wachsen – obwohl bisher weder Nextdoor noch nebenan.de in Deutschland Geld verdient haben. Beide Angebote sind für die Nutzer kostenlos, und Werbung kann bisher nicht gebucht werden. Das allerdings dürfte sich künftig ändern. In den USA arbeitet Nextdoor bereits jetzt mit Sponsored Posts, also mit Anzeigen von lokalen Gewerbetreibenden.

Den Vorteil, dass Werbekunden auf den Nachbarschaftsplattformen eine geographisch genau definierte Zielgruppe erreichen, will sich auch nebenan.de zunutze machen. Gründer Christian Vollmann denkt zum Beispiel an ein neues Restaurant, das den Nachbarn ein Eröffnungsangebot macht, oder an einen Friseursalon, der einen kurzfristig frei gewordenen Termin anbietet. Darüber hinaus kann er sich vorstellen, dass Nutzer, die keine Werbung empfangen wollen, für eine solche Premiummitgliedschaft zur Kasse gebeten werden.

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Schlagworte zum Thema:  Nachbarschaft, Online-Plattform, Kommunikation, Vernetzung, Wohnungswirtschaft

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