München sucht europaweit Ideen für neues Stadtviertel

München plant einen neuen Stadtteil im Nordosten der Stadt und hat dazu nun einen europaweiten Ideenwettbewerb auf den Weg gebracht. Das rund 600 Hektar große Gebiet solle Wohnraum für 10.000 bis 30.000 Einwohner sowie Arbeitsplätze bieten, heißt es in dem Beschluss, den der Münchner Stadtrat mehrheitlich gefasst hat.

Angesichts der extrem hohen Mieten in München und der Wohnungsknappheit will die Stadt im Nordosten bezahlbaren Wohnraum schaffen. Bis zu 41 Prozent ihres Einkommens gaben die Bewohner der Stadt 2017 für das Wohnen aus, im Schnitt waren es 30,5 Prozent. In dem geplanten neuen Stadtviertel sollen möglichst wenig Autos fahren, stattdessen sollen die Bewohner auf gut ausgebauten Wegen radeln. Schützenswerte Grünflächen sollen nach dem Willen der Stadträte ebenso erhalten bleiben wie die vorhandene Galopprennbahn.

"Ein lebendiges Stadtquartier, keine Schlafstadt" solle entstehen, sagte Herbert Danner von der Stadtratsfraktion "Die Grünen - Rosa Liste". Der Baubeginn ist nicht vor 2030 vorgesehen. Um in München Wohnraum zu schaffen, ist die Stadtverwaltung derzeit an vielen Fronten aktiv, auch innovative Konzepte sind dabei, etwa ein Rabatt beim Grundstücksverkauf für Genossenschaften.

Gegen die Planungen gibt es Kritik

Doch nicht alle Bürger stehen den Planungen für das neue Stadtviertel, das die Größe einer Kleinstadt hat, positiv gegenüber - und die Debatte heizt sich immer weiter auf. Kritik kommt etwa von der Initiative Heimatboden. Das Gebiet umfasse Ackerland heimischer Gartenbaubetriebe und Landwirte, die die Stadt München regelmäßig mit regionalen Lebensmitteln belieferten, schreibt das Bündnis auf seiner Internetseite. Die Mitglieder befürchten, dass für die Entwicklung des Viertels Grundstückspreise eingefroren und Eigentümer enteignet werden könnten. Eine zunächst angedachte städtebauliche Entwicklungsmaßnahme (SEM) ist allerdings inzwischen wieder vom Tisch. Darauf haben sich CSU und SPD im vergangenen Sommer geeignet.

Planungen laufen schon länger

Die Idee für das neue Stadtquartier im Münchner Nordosten gibt es schon länger. Im Frühjahr 2017 lagen bereits Planungsvarianten auf dem Tisch, die über fünf Wochen mit der Öffentlichkeit diskutiert wurden. Etwa 2.000 Anmerkungen hat das Referat für Stadtplanung und Bauordnung im Rahmen der Variantendiskussion von den Bürgern erhalten.

Ein Ergebnis dieser Diskussion war – sowohl auf Seiten der Öffentlichkeit als auch bei der Politik – der Wunsch, den Ideenfächer weiter zu öffnen und über einen städtebaulichen und landschaftsplanerischen Ideenwettbewerb weitere Entwicklungsperspektiven für den Münchner Nordosten zu erhalten. Dementsprechend hat das Referat für Stadtplanung und Bauordnung einen Beschluss in die Vollversammlung eingebracht, mit dem der Auftrag und die finanzielle Ausstattung für die Vorbereitung des Wettbewerbsverfahrens beschlossen wurden.

Wettbewerb soll neue Impulse und Ideen liefern

Der große Vorteil des städtebaulichen und landschaftsplanerischen Wettbewerbs liegt nach Meinung der Stadt München darin, dass er neue Impulse und Ideen dazu liefern wird, wie der Stadtteil im Münchner Nordosten aussehen kann und welche Qualitäten durch ein gelungenes Zusammenspiel von neu und alt entstehen werden. Das Wettbewerbsverfahren biete die Möglichkeit, städtebauliche Potenziale aufzuzeigen, wie sie zum Beispiel in der Neuformulierung des Stadtrands, im Ineinandergreifen von Stadt und Landschaft und im "Vis-à-vis" zu Nachbargemeinden und der Region liegen, heißt es in einer Mitteilung der Stadt München.

Weiterer Beteiligungsprozess geplant

Mit dem jetzigen Beschluss des Münchner Stadtrats soll Mitte März 2019 auch eine intensive Bürgerbeteiligung starten, die auf den Ergebnissen der bisherigen Öffentlichkeitsphase aufbauen wird. Bürgerinnen und Bürger haben nach Auskunft der Stadt München im Rahmen von drei Veranstaltungen die Möglichkeit mitzuwirken. Die Grundeigentümer will die Landeshauptstadt München auch noch einmal einladen.

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