Mobilität: Innovative Lösungen im Quartier Franklin Mannheim

Durch die Kombination von Wohnen und innovativen Mobilitätslösungen werden den Einwohnern des Quartiers Franklin in Mannheim integrierte Lösungen geboten, die nachhaltig, wirtschaftlich und auf den Megatrend "neue Mobilität" ausgerichtet sind.

Mobilität und Wohnen anders zu denken war das Ziel, das sich die städtische MWS Projektentwicklungsgesellschaft (MWSP) bei der Entwicklung der Konversionsfläche im neuen Franklin Quartier in Mannheim vorgenommen hatte. Das Modell "Mobilität Franklin" ist eine Kooperation von MWSP, der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft, der Verkehrsbetriebe Rhein-Neckar-Verkehr (RNV) und der Mobilitätsmanagementgesellschaft Blue Village Franklin mobil GmbH, die eigens gegründet wurde.

Durch die Umwandlung der ehemaligen Kasernen- und Wohnanlage der US-Armee soll auf dem rund 200 Hektar großen Areal bis zum Jahr 2025 ein Stadtteil für rund 9.000 Einwohner entstehen.

Flottenkonzept stammt vom Mobilitätsdienstleister Solar-Parker

Das Mobilitätskonzept basiert auf einem barrierefreien ÖPNV sowie einem städtebaulichen Konzept der Gleichberechtigung aller Verkehrsteilnehmer. Die Stellplatzaussetzung gemäß § 37 der Landesbauordnung Baden-Württemberg hat die MWSP erreicht: Der Projektentwickler übernimmt anteilig Baulasten der Investoren, konzeptioniert und koordiniert einen mehrstufigen Evaluierungsprozess und verpflichtet sich gegenüber der Baurechtsbehörde, das benötigte Delta an Stellplätzen – bis zur baurechtlich vorgegebenen Grenze – herzustellen. Die MWSP hat das Startup-Unternehmen Solar-Parker Deutschland, das auf Mobilitätsdienstleistungen für Kommunen und Immobilienwirtschaft spezialisiert ist, damit beauftragt, ein Betriebskonzept für eine elektrobetriebene Fahrzeugflotte zu erstellen.

Die Blue Village Franklin mobil GmbH ist eine Kooperation aus dem Mannheimer Energieunternehmen MVV und der Stiftung Seven Senses, der Muttergesellschaft von Solar-Parker Deutschland.

Mobilitätsangebote: Von E-Fahrzeugen bis App

Die primäre Aufgabe von Blue Village Franklin mobil ist es, die Mobilitätsangebote zu betreiben und weiterzuentwickeln. So sollen Alternativen zum privaten Pkw angeboten werden. Hierzu zählen:

  • der Aufbau und Betrieb einer E-Fahrzeugflotte (Pkw & Roller) inklusive Sonderfahrzeugen (Transport von Rollstuhlfahrern, Verbrenner-Pkw für Langstrecken, Umzugstransporter),
  • die immobilienwirtschaftliche Beratung hinsichtlich der Integration von Mobilitäts- und Dienstleistungsangeboten,
  • die Bündelung von Mobilitätsangeboten lokaler Partner (RNV, VRNextbike, Stadtmobil, MVV Energie),
  • der Aufbau einer App mit einem digitalen Informations-, Kommunikations- und Buchungsangebot,
  • ein Nachbarschaftsportal und
  • der Betrieb einer Mobilitätszentrale.

In einer Mobilitätszentrale im Quartier sollen die Bewohner Lastenräder und Carsharing-Fahrzeuge leihen und Strom tanken können. Auch Werkstatt- und Büroräume mit verschiedenen Dienstleistungen, wie etwa einem Paketannahmebereich, sind geplant.

Der dritte wichtige Kooperationspartner ist schließlich die Immobilienwirtschaft. Aktuell sind der Projektentwickler RVI GmbH, die Evohaus GmbH, Sahle Wohnen, die Familienheim Rhein-Neckar und das kommunale Wohnungsunternehmen GBG Mannheim als Mobilitätspartner gedacht.

Sharingsysteme und Mobilität Quartier Franklin Mannheim
Eine auf Sharingsysteme und integrierte Lösungen setzende Mobilität macht Spaß und hilft der Umwelt.

Mobilitätsmanagement: (Anschub-)Finanzierungen aus der Immobilienwirtschaft

Die immobilienwirtschaftlichen Partner beteiligen sich an der (Anschub-)Finanzierung der Informations- und Serviceangebote der Mobilitätsmanagementgesellschaft Blue Village Franklin mobil sowie am Aufbau der batterieelektrifizierten Fahrzeugflotte. Die Investoren können ihren Kunden vergünstigten Zugang zu unterschiedlichen Serviceangeboten ermöglichen. Investoren, denen die Baubehörde eine Stellplatzaussetzung genehmigt, leisten eine Anschubfinanzierung der E-Fahrzeugflotte. Diese Investitionen fungieren als ein strategisches Element für die frühzeitige Integration von Mobilitätsalternativen in die Vermarktung der ersten 5.000 Wohnungen. Die Interessenten der Wohnungen können die Angebote in ihre Standortentscheidung aktiv einbeziehen.

Die Refinanzierung der Mobilitätsmanagementgesellschaft erfolgt über die Erwirtschaftung von Nutzungsentgelten der Wohnungen, die die Mobilitätsdienstleistungen in Anspruch nehmen. Hierfür werden in Zusammenarbeit mit der Immobilienwirtschaft und als Bestandteil des Mobilitätsmarketings Mobilitätsangebote und Tarifpakete geschnürt. Die Franklin-Flat, die 16 Stunden Elektroauto oder E-Roller, vergünstigten ÖPNV und weitere Services beinhaltet, kostet derzeit 39 Euro monatlich. Weitere Leistungen können dazugebucht werden.

Digitale Vernetzung der Nachbarschaft

Die Mobilitätsmanagementgesellschaft hat mittlerweile E-Carpool-Fahrzeuge für das Quartier Franklin angeschafft. Zudem hat der Energiedienstleister MVV zehn E-Roller für das Sharing-System des Quartiers finanziert. Über die Franklin-Mobil-App können online nicht nur hauseigene Mobilitätsangebote gebucht werden, sondern auch die digitale Vernetzung der Nachbarschaft ist möglich: Mitfahrgelegenheiten, Bewohner-Community und Helping-Hand-Angebote unterstützen die Nachbarschaftsbildung mit digitaler Kommunikation.

Aus immobilienwirtschaftlicher Sicht ist das Franklin-Modell aufgrund mehrerer Dimensionen interessant. Die Optimierung des Stellplatzangebotes steigert die Erlöse. Zudem lassen sich schon frühzeitig Ladeinfrastrukturen planen und in ein Raumkonzept einarbeiten. Gleichzeitig erfolgt durch die in den Vertriebsprozess integrierten Mobilitätsangebote ein zusätzliches Vertriebsargument, eine längerfristige Kundenbindung durch mehr nachhaltige Mobilitäts- und Quartiersservices und damit eine bessere Unternehmenspositionierung am Markt. Für die Bewohner des Quartiers Franklin führen die Reduzierung von Emission sowie ein bezahlbares und vielfältiges Mobilitätsangebot zu einer Steigerung der Lebensqualität.

Die Autoren:

Christian Franke, Oliver Leicht, Dr. Lea Schmitt (v.l.n.r.)
Christian Franke, Prokurist GBG – Mannheimer Wohnungsbaugesellschaft mbH; Oliver Licht; Geschäftsführer Blue Franklin Village mobil GmbH; Dr. Lea Schmitt; Referentin für Strategie und Beteiligung MWS Projektentwicklungsgesellschaft mbH (v.l.n.r)

Der vollständige Artikel erschien im Magazin DW Die Wohnungswirtschaft, Ausgabe 05/2019.


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