22.08.2014 | Top-Thema Wohnungswirtschaftliche Urteile: Mietrecht September 2014

BGB §§ 550, 566 Schriftform und Bezeichnung der Vermieterin als "Grundstücksgemeinschaft"

Kapitel
Bild: Haufe Online Redaktion

OLG Düsseldorf, Urteil vom 21.11.2013, 10 U 49/13

Ein Mietvertrag genügt der Schriftform auch dann, wenn die Bezeichnung der Vermieterin lautet "Grundstücksgemeinschaft …"

Sachverhalt
Die Parteien streiten um den Zeitpunkt der Beendigung – und damit auch um die Form(un)wirksamkeit – eines Mietvertrages von 2005 über ein Gewerbeobjekt. Der Mietvertrag samt Nachtrag 1 wurde von der Rechtsvorgängerin der Beklagten 2005 mit der Klägerin geschlossen. Am 16.5.2012 kündigte die Beklagte den Mietvertrag zum 12.5.2013, die Klägerin widersprach und übte (erneut) ihr vertraglich eingeräumtes Optionsrecht aus.

Begründung

Das Mietverhältnis der Parteien ist nicht durch das (Kündigungs-) Schreiben der Beklagten vom 16.5.2012 beendet worden, sondern aufgrund der Optionsausübung der Klägerin vom 21.5.2012 bis zum 12.5.2016 verlängert worden, denn der Mietvertrag der Parteien wahrt die Schriftform des § 550 Satz 1 BGB und die Beklagte war deshalb nicht nach § 550 S. 2, §§ 578, 566 BGB berechtigt, den Mietvertrag vom 14./17.1.2005 wegen Schriftformmangels ordentlich zu kündigen.

Die Regelung des § 550 BGB dient in erster Linie dem Schutz des Immobilienerwerbers, der in die Lage versetzt werden soll, sich anhand des schriftlichen Mietvertrages über den Umfang und den Inhalt eines nach § 566 BGB auf ihn übergehenden Mietverhältnisses zu unterrichten; darüber hinaus hat die Bestimmung aber auch Klarstellungs-, Beweis- und Warnfunktionen im Verhältnis der Mietparteien untereinander und soll insbesondere auch die Beweisbarkeit langfristiger Abreden sicherstellen. Daher gehören zu den in die Vertragsurkunde aufzunehmenden Vereinbarungen nicht nur alle Essentialia wie Parteien des Mietvertrages, Mietgegenstand, Miethöhe und Dauer des Vertrages, sondern auch alle weiteren Abreden, die nach dem Willen der Vertragsparteien von wesentlicher Bedeutung sind (BGH NJW 2007, 3202). Es genügt der Vertrag vom 14./17.1.2005 diesen Anforderungen. Insbesondere sieht der Senat die Schriftform in Bezug auf die Bezeichnung der Vermieterin als "Grundstücksgemeinschaft ..." im Eingang des Mietvertrags als erfüllt an, weil auch formbedürftige Vertragsklauseln der Auslegung durch Rückgriff auf ggf. außerhalb der Urkunde liegende Umstände zugänglich und deshalb formwirksam sind, wenn der Inhalt der Urkunde auf diese Weise zumindest eindeutig bestimmbar ist. So liegt der Fall hier. Der Mietvertrag vom Januar 2005 weist als Vermieter(in) die "Grundstücksgemeinschaft ..." aus. Aus § 1 des MV ergibt sich, dass dieser Vermieter der Eigentümer des Grundstücks … ist, in dem die von der Rechtsvorgängerin der Beklagten vermieteten Räume belegen sind. Damit muss es sich bei der "Grundstücksgemeinschaft" um die Gesellschaft bzw. die Personen handeln, die im Zeitpunkt des Vertragsschlusses als Eigentümer(in) im Grundbuch eingetragen war(en), und damit waren der oder die Vermieter(in) eindeutig bestimmbar. Ein potenzieller Erwerber des Grundstücks konnte den Vermieter bei Veräußerung ohne Weiteres ermitteln und so Klarheit darüber gewinnen, wer Vertragspartner des Mietvertrages ist und ob er (Erwerber) in einen unbefristeten oder befristeten Mietvertrag eintritt.

Ein Schriftformmangel liegt weiterhin auch nicht deshalb vor, weil der Mietvertrag von Jan. 2005 auf Vermieterseite lediglich durch O. K. und ohne Vertreterzusatz unterzeichnet worden ist. Ist im Falle der Personenmehrheit auf einer Seite der Vertrag nicht von allen Vermietern oder Mietern unterzeichnet, muss zu der/den vorhandenen Unterschrift/en deutlich zum Ausdruck gebracht werden, ob die Unterschrift auch in Vertretung von selbst nicht unterzeichnenden Vertragsparteien geleistet wurde, damit hinreichend bestimmbar wird, ob der Vertrag zugleich für die Personenmehrheit unterzeichnet wurde oder ob es noch weiterer Unterschriften bedarf (BGHZ 125, 175, 178 ff. = NJW 1994, 1649, 1650 f.). Ist die Tatsache der Vertretung (allein) durch die unterzeichnende Person allerdings aufgrund anderer – auch außervertraglicher – Umstände wiederum hinreichend bestimmbar, ist ein besonderer Vertretungszusatz nicht erforderlich (BGH NJW 2013, 1082). Wenn der Vermieter (oder auch der Mieter) bei Abschluss des Vertrages vertreten wurde, genügt es deshalb, dass für den durch § 550 BGB vorrangig geschützten Erwerber die Tatsache der Vertretung aus der Vertragsurkunde ersichtlich wird; bei Unklarheiten wäre es dann zumutbar, sich ggf. bei den Vertragsparteien zu erkundigen. Wenn es indes hier im Eingang des Mietvertrages heißt, dass der Mietvertrag auf Vermieterseite von der „Grundstücksgemeinschaft … vertreten durch Herrn O. K. …” geschlossen ist, schließt schon diese Formulierung jeden Zweifel daran aus, dass bei Vertragsschluss Herr O. K. als Vertreter der Vermieterseite aufgetreten ist (ob er dazu auch berechtigt war, ist keine Frage der Formwirksamkeit gem. § 550 BGB). Eines weiteren Vertretungszusatzes bei der Unterschrift des O. K. am Ende der Seite(n) bedurfte es zur Wahrung der Schriftform des Vertrages daher nicht mehr. Im Übrigen wäre ein etwaiger Formmangel durch die formgerechte Nachtragsvereinbarung vom 30.5.2006, die einen ausdrücklichen Vertreterzusatz auch bei der Unterschrift von Vermieterseite enthält, geheilt worden.
Aus alledem folgt, dass die am 16.5.2012 von der Beklagten ausgesprochene "Kündigung" durch die nachfolgende Optionsausübung seitens der Klägerin wirkungslos geworden ist, denn „wenn der Vermieter die Verlängerung nicht will und deshalb kündigt, kommt das Optionsrecht [des Mieters] zur Geltung” (BGH NJW-RR 2006, 337). Die Optionsklausel des hier in Rede stehenden Mietvertrages entspricht den Anforderungen der Rechtsprechung.

Bedeutung für die Praxis

Der Schriftformzwang des § 550 BGB dient in erster Linie dem Schutz des Immobilienerwerbers, der in die Lage versetzt werden soll, sich anhand des schriftlichen Mietvertrages über den Umfang und den Inhalt eines nach § 566 BGB auf ihn übergehenden Mietverhältnisses zu unterrichten. Die Schriftform in Bezug auf die Bezeichnung der Vermieterin als "Grundstücksgemeinschaft …" im Eingang des Mietvertrags ist erfüllt, weil auch formbedürftige Vertragsklauseln der Auslegung durch Rückgriff auf ggf. außerhalb der Urkunde liegende Umstände zugänglich und deshalb formwirksam sind, wenn der Inhalt der Urkunde auf diese Weise zumindest eindeutig bestimmbar ist. Damit muss es sich bei der „Grundstücksgemeinschaft” um die Gesellschaft bzw. die Personen handeln, die im Zeitpunkt des Vertragsschlusses als Eigentümer(in) im Grundbuch eingetragen war(en), und damit waren der oder die Vermieter(in) eindeutig bestimmbar. Ein Schriftformmangel liegt weiterhin auch nicht deshalb vor, weil der Mietvertrag auf Vermieterseite lediglich durch O. K. und ohne Vertreterzusatz unterzeichnet worden ist. Wenn es im Eingang des Mietvertrages heißt, dass der Mietvertrag auf Vermieterseite von der "Grundstücksgemeinschaft … vertreten durch Herrn O. K. …" geschlossen ist, schließt schon diese Formulierung jeden Zweifel daran aus, dass bei Vertragsschluss Herr O. K. als Vertreter der Vermieterseite aufgetreten ist (ob er dazu auch berechtigt war, ist keine Frage der Formwirksamkeit gem. § 550 BGB). Eines weiteren Vertretungszusatzes bei der Unterschrift des O. K. am Ende der Seite(n) bedurfte es zur Wahrung der Schriftform des Vertrages daher nicht mehr.

RA Heiko Ormanschick, Hamburg

Schlagworte zum Thema:  Wohnungswirtschaft, Wohnungswirtschaftliches Urteil

Aktuell

Meistgelesen