12.11.2015 | Top-Thema Megatrend in der Immobilienbranche: Neue Arbeitswelten

Veränderte Arbeitsformen und ihre Anforderungen

Kapitel
Dieses Top-Thema ist der zweite Teil unserer vierteiligen Serie zu den großen Entwicklungen in der Immobilien- und Wohnungswirtschaft.
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Arbeitsprozesse der Zukunft werden flexibler und zunehmend standortunabhängig. Auf die neuen Anforderungen müssen sich die Immobilien- und Wohnungsunternehmen einstellen.

Microsoft baut im Münchner Norden seine neue Deutschlandzentrale. In der Parkstadt Schwabing entstehen auf 26.000 Quadratmetern Büros, die auf die neuen Arbeitswelten zugeschnitten sind. Die rund 1.900 Mitarbeiter werden dort keinen festen Arbeitsplatz mehr haben. Stattdessen gibt es Arbeitszonen: offene Bereiche für die Projekt- und Teamarbeit, "Meetingwelten" für den formellen und informellen Austausch, Rückzugsbereiche für Tätigkeiten, die Konzentration erfordern, und klassische Arbeitsplätze für administrative Aufgaben. Jeder Mitarbeiter kann den Arbeitsplatz wählen, den er gerade benötigt. Den Austausch über verschiedene Standorte und Arbeitsplätze hinweg ermöglichen moderne Konferenztechnik und Programme, die gemeinsames Arbeiten über das Internet erlauben.

Klassische Büroarbeit war gestern

Das Konzept sieht vor, dass die Mitarbeiter des Softwarekonzerns künftig mehrere Arbeitsplätze haben: In der Zentrale, auf Geschäftsreisen, beim Kunden vor Ort oder im Homeoffice. Ganz so, wie es die persönlichen oder beruflichen Umstände gerade erfordern. Auch in anderen Firmen verbringen die Mitarbeiter inzwischen einen Großteil ihrer Arbeitszeit außerhalb der Büroräume. Nach einer aktuellen Studie des IT-Branchenverbandes Bitkom zur Digitalisierung der Arbeitswelt glaubt mittlerweile ein Viertel der Unternehmen, dass klassische Büroarbeitsplätze mit Anwesenheitspflicht immer seltener werden.

Leben und arbeiten in der 25-Stunden-Gesellschaft

Unternehmen setzen stattdessen verstärkt darauf, Mitarbeitern einen Teil ihrer Arbeitszeit im Homeoffice zu ermöglichen, indem etwa Videokonferenzen genutzt und webbasierte Projekttools für die Zusammenarbeit in virtuellen Teams eingeführt werden. Das hat nicht nur Auswirkungen auf die Gestaltung zukünftiger Büros, sondern auch auf die Arbeit der Wohnungsunternehmen und die Planung der Quartiere. Mit diesen Veränderungen entwickelt sich eine Art 25-Stunden-Gesellschaft, wie der GdW in seiner Studie "Wohntrends 2030" feststellt. In dieser Gesellschaftsform ist es für Arbeitnehmer normal, ständig erreichbar und in Bewegung zu sein. Der Schlüssel dazu ist die zunehmende Standortunabhängigkeit von Arbeits- und Wertschöpfungsprozessen, die zukünftig verstärkt "mobil" ablaufen werden. Das führt dazu, dass die Grenze zwischen Arbeits- und Privatleben immer durchlässiger wird. Für die Wohnungswirtschaft hat dies zumindest zwei Konsequenzen: Wenn Mieter immer öfter von zu Hause aus arbeiten, verändern sich die Anforderungen an die Wohnungen und an das gesamte Quartier. Zusätzlich gehören die eigenen Mitarbeiter mehr und mehr dieser mobilen 25-Stunden-Gesellschaft an.

Das Quartier der Zukunft

Vor allem jüngere Menschen wollen keine starren 9-bis-17-Uhr-Arbeitszeiten mehr. Sie wollen Flexibilität. Arbeiten am Abend oder am Wochenende ist kein Problem mehr, wenn unter der Woche mehr Zeit für Freunde und Freizeitaktivitäten zur Verfügung steht. Denn das Zeitbudget in der 25-Stunden-Gesellschaft ist begrenzt. Umso wichtiger werden kurze Wege. Geeignete Lokalitäten für Sport- und Freizeitaktivitäten, Einkaufsmöglichkeiten, Spielplätze und Kindergärten sollten sich im direkten Wohnumfeld befinden. Ein Quartier der Zukunft muss helfen, dass die Mieter Beruf und Freizeit besser in Einklang bringen können. Ein eigener Fitnessraum oder ein Sportzentrum, das die Bewohner rund um die Uhr nutzen können, sind heute schon in einigen neu geplanten Anlagen standardmäßig vorhanden. Bei der Planung ist außerdem zu beachten, dass die Grundrisse gleichfalls flexibler werden. Wer ein zusätzliches Büro braucht, sollte das in der Wohnung einrichten können, ohne gleich umziehen zu müssen. Gleichzeitig muss die Wohnung für den Mieter aber ein gemütlicher und ruhiger Rückzugsort bleiben, damit er in der hektischen Welt zur Ruhe kommen kann.

Zeitgemäße Standortwahl

Wohnungsunternehmen werden bei der Standortwahl darauf achten müssen, dass sie näher an die Bürostandorte heranrücken oder selbst gewerbliche Räume sowie Co-Working-Büros mit einer guten Infrastruktur und Besprechungsräumen für die kurzfristige Miete zur Verfügung stellen. Solche wohnungsnahen Bürogemeinschaften könnten für Wohnungsgesellschaften ein Wettbewerbsvorteil werden. Auch die Infrastruktur muss den neuen Anforderungen gerecht werden. Das gilt etwa für die Anbindung an das Internet. Wer von zu Hause aus arbeitet, wird einen schnellen Internetzugang oder einen WLAN-Hotspot des Wohnungsunternehmens für selbstverständlich halten. Wesentlich ist aber auch die Verbesserung des sozialen Lebens innerhalb des Quartiers. Wer öfter zu Hause arbeitet, trifft öfter auf seine Nachbarn und auf Mitarbeiter der Hausverwaltung. Der Kontakt der Mieter untereinander muss daher stärker gefördert werden – es sollte also zusätzlicher Raum für Begegnungen und Gespräche geschaffen werden.

Dieses Top-Thema ist der zweite Teil unserer vierteiligen Serie zu den großen Entwicklungen in der Immobilien- und Wohnungswirtschaft. Im nächsten Teil beleuchten und bewerten wir die Neuerungen in Folge der Digitalisierung.

Weitere Serienteile:

Megatrend Demografischer Wandel

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Schlagworte zum Thema:  New Work, Standort, Planung, Wissensmanagement, Wohnungsbau

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