Kollaboration mit Startups: Partnerschaft statt Profit

Bei der Expo Real in München werden die Sieger des Accelerators hubitation der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt vorgestellt. Wenn etablierte Immobilien-"Tanker" auf smarte Starter-"Schnellboote" treffen, ist Fairness oberstes Gebot für eine erfolgreiche Zusammenarbeit.

Noch vor einem Jahr zeichnete Jörn Stobbe, Geschäftsführer der Union Investment, anlässlich der Präsentation der "Proptech Studie" ein düsteres Bild von der Fähigkeit der Wohnungswirtschaft, neue Ideen zu integrieren: "Regulierung, IT-Sicherheit und Dokumentationspflichten kombiniert mit einer Vielzahl festgelegter Prozesse wirken auf Startups wie ein Hindernisparcours, der Partnerschaften mit etablierten Immobilienunternehmen den Weg versperrt."

Kollision statt Kooperation?

Weit gefehlt: Dass eine Arbeit mit Startups auf Augenhöhe überaus erfolgreich sein kann – und das auch in einer von Traditionen geprägten Wohnungswirtschaft – beweist die Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt seit zwei Jahren mit ihrem erfolgreichen und prämierten Accelerator hubitation. Dr. Thomas Hain, Leitender Geschäftsführer der aktuell größten hessischen Wohnungsgesellschaft, umreißt die Philosophie:

"Wenn Innovation auf Erfahrung trifft, nennen wir das 'hubitation'." Dr. Thomas Hain, Leitender Geschäftsführer der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt

Dr. Simone Planinsek, Head of hubitation, ergänzt: "Wir investieren in Startups und deren Ideen und geben das, woran es heute meist mangelt: Zeit." Ziel der Gründerplattform sei es, innovative Konzepte und Produkte rund um die Themen Wohnen der Zukunft, digitale Arbeitswelten, nachhaltige Energie- und Mobilitätskonzepte, Stadtumbau und Quartiersentwicklung, Sanierung, demografischer Wandel und ähnliche Bereiche aufzuspüren und zur Marktreife zu führen.

Pilotprojekte als Grundlage

Für den diesjährigen Wettbewerb bewarben sich 60 Startups – doppelt so viele wie im vergangenen Jahr. Im Laufe des hubitation contest bekommen die vielversprechendsten Innovatoren im Rahmen der hubitation startup week einen erfahrenen Mentor aus der Unternehmensgruppe an die Seite gestellt, der mit den Beteiligten auf Basis der tatsächlichen Bedürfnisse der Wohnungswirtschaft ein praktikables und marktfähiges Pilotprojekt entwickelt.

Zudem coachen erfahrene Businesspaten die Teilnehmer und schulen ihre Rhetorik- und Präsentations-Skills. In den Finals wählt eine hochkarätig besetzte Jury den oder die Sieger aus. Hier geht es dann zunächst darum, wer die Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte | Wohnstadt auf die Expo Real begleiten darf. Noch wichtiger aber: Den Startups mit den überzeugendsten Präsentationen winkt ein reales Pilotprojekt mit einem der zehn größten Unternehmen der Branche.

Fairness als Basis der Kooperation

Oberstes Gebot, so die Erfahrung von Planinsek nach zwei Jahren Arbeit mit den Startups: Fairness.

"Wir begegnen den Proptechs von Anfang an auf Augenhöhe." Dr. Simone Planinsek, Head of hubitation

Die Arbeit mit den Gründern laufe grundsätzlich auf Basis von Pilotprojekten. Bei der Realisierung setzen die Gründer die einzelnen Schritte der Kooperation in Angebote um. Auf dieser Basis erteilt die Unternehmensgruppe ganz konventionell Aufträge, die dann verwirklicht werden. Das Verfahren umschifft alle rechtlichen Klippen, die Zusammenarbeit erfolgt auf fairer Grundlage.

Dr. Hain begründet die Vorgehensweise: "Uns geht es darum, neue Wege zu gehen und neue Ideen umzusetzen – nicht um Übernahmen oder um Profitsteigerung durch Unternehmenskäufe." Das partnerschaftliche Konzept kommt gut an, unter anderem wurde hubitation mit dem DW-Zukunftspreis der Wohnungswirtschaft ausgezeichnet. Noch wichtiger aber: Startups empfinden das praxisnahe Vorgehen und die Arbeit mit den erfahrenen Mentoren schon während des Contests als optimale Form einer modernen Kooperation.

Augmented Reality gewinnt

Der Startup-Wettbewerb in diesem Jahr hat hubitation endgültig zu einer festen Größe in der Szene gemacht. Einer der beiden Gewinner, der Frankfurter Thinktank Sphira, hat eine Software geschrieben, mit der Experten ihr Wissen direkt am Objekt teilen können – in Sekunden. Auch der zweite Sieger, das Wiener Kreativlabel Frameless, beschäftigt sich mit Augmented Reality. Mit Hilfe seines Tools können 360-Grad-Ansichten von Räumen in Sekundenschnelle erstellt und einfach bearbeitet werden. Der Vorteil für Immobiliengesellschaften unterschiedlichster Couleur liegt auf der Hand: Potenzielle Mieter oder Käufer bekommen ein weit aussagekräftigeres Bild von der Wohnung.

Die beiden Gewinner fahren nun zunächst mit der Unternehmensgruppe zur internationalen Immobilienmesse Expo Real 2019 in München, um ihre Ansätze dort einem breiten Publikum vorzustellen. Danach geht es an die Ausarbeitung der konkreten Pilotprojekte. Von der bisherigen Zusammenarbeit zwischen einer Wohnungsgesellschaft mit fast 100-jähriger Geschichte und verschiedenen Startups haben beide Seiten profitiert.

"Die Unternehmensgruppe begibt sich auf der Suche nach innovativen Ideen mitten in das kreative Startup-Ökosystem mit seinem Unternehmergeist und den neuen und Kommunikationswelten." Christine Braun, Head of Innovation im hubitation-Team

Genau dort müsse ein Accelerator sie aber auch abholen. Die Gründer profitieren unmittelbar von der Erfahrung des Big Players und gewinnen wertvolle Einsichten in die Bedürfnisse der Branche – ihre Ideen erreichen damit weitaus schneller ein konkretes, vermarktbares Stadium. Im Gegenzug profitiert die Wohnungsgesellschaft vom frischen Wind, den neuen Arbeitsmethoden und nicht zuletzt von den Innovationen der Gründer.

hubitation vergrößert seine Basis

Die Expo Real ist auch der Rahmen, in dem sich der Accelerator neu aufstellt. Dr. Planinsek erklärt die Genese: "Wir hatten eine Vielzahl von Anfragen aus der Wohnungswirtschaft erhalten, die sich gerne bei hubitation mit einbringen wollen. Ergo erweitern wir unsere Plattform".

Konkret: Gesellschaften, die die Werte der Unternehmensgruppe teilen, können als so genannte "associates" dem Accelerator beitreten und so von dessen Entwicklungen unmittelbar profitieren. Die Partner dürfen auf die Datenbank von hubitation zugreifen und eigene Pilotprojekte mit den dort gelisteten Start-ups initiieren. Darüber hinaus wird es Workshops geben, in denen junge Kreative an aktuellen Aufgabenstellungen der jeweiligen Gesellschaft arbeiten.

"Wir öffnen hubitation bewusst für andere Player. Es geht um die Zukunftsfähigkeit unserer Branche, es geht um Klimaschutz, bezahlbaren Wohnraum für alle Schichten, soziale Teilhabe, funktionierende Nachbarschaften und andere brennende Felder. Je breiter die Basis derjenigen, die daran arbeiten, desto besser für die ganze Wohnungswirtschaft", erklärt Dr. Hain abschließend.

Der Artikel wurde von Heike D. Schmitt, hd...s Agentur für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, verfasst.

Veranstaltungstipps zum Thema:

Strategische Investititonen: Kollaboration zwischen Corporates und Startups

8. Oktober 2019

13:30 - 14:00 Uhr

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Teilnehmer: Michael von Roeder, Sensorberg GmbH, Alexander Reichhuber, Bauwens digital, Manuel Käsbauer, Patrizia AG, Augsburg, Sascha Donner, Evana AG

Die Zusammenarbeit von Start-ups mit traditionellen Unternehmen

8. Oktober 2019

14:00 - 14:50 Uhr

Halle A3, Stand 214

Moderator: Faisal Butt, Pi Labs

Teilnehmer: Thijs van der Burgt, Office App, Daniel Kraft, Stronghold Invest AB, Cem Savas, Plentific, Gregory Pitl, Patrizia AG

Startup und Unternehmen der Bau- und Immobilienwirtschaft

8. Oktober 2019

15:00 - 15:50 Uhr

Halle A3, Stand 214

Moderator: Manuel Goetzendoerfer, Unternehmertum Projekt GmbH / BE5

Teilnehmer: Patrick Christ, Capmo GmbH, Martin Staudacher, Wohnungshelden GmbH, Dennis Heffter, Adler Wohnen Service GmbH, Markus Richthammer, Max Bögl

Schlagworte zum Thema:  Expo Real, Startup