Kiel gründet städtische Wohnungsgesellschaft Kiwog

20 Jahre nach dem Verkauf der kommunalen KWG mit rund 10.000 Wohnungen hat Kiel die städtische Wohnungsgesellschaft Kiwog gegründet, wie eine Sprecherin bestätigte. Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) sieht das grundsätzlich positiv, äußerte aber auch Sorgen.

Es ist ein Jahr her, da hatte in der Kieler Ratsversammlung eine große Mehrheit von SPD, Grünen und FDP eine Verwaltungsvorlage die Gründung einer neuen städtischen Wohnungsgesellschaft beschlossen. Die CDU votierte dagegen.

Am Donnerstag Abend hat sich die Ratsversammlung endgültig für die Gründung der Kiwog auf Grundlage der Verwaltungsvorlage zur Abstimmung über die Gründung der kommunalen Kiwog entschieden, wie die Sprecherin auf Nachfrage bestätigte. Die Ratsversammlung stimmte mehrheitlich zu. Die CDU stimmt dagegen, die Linken enthielten sich.

"Der im Rückblick historische Fehler – der Verkauf der damaligen Wohnungsgesellschaft – ist damit behoben." Ulf Kämpfer (SPD), Oberbürgermeister von Kiel

Rechtsform der neuen städtischen Wohnungsgesellschaft ist eine GmbH und Co. KG. Von der Stadt gibt es eine Million Euro Gründungskapital, das als Bareinlage innerhalb der ersten zehn Jahre auf zehn Millionen Euro aufgestockt werden soll, heißt es in der Verwaltungsvorlage. Eventuell auftretende Fehlbeträge in der Wirtschaftsplanung der Kiwog wird ebenfalls die Stadt übernehmen.

Was bedeutet die Gründung der Kiwog für die Wohnungswirtschaft?

Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) äußerte sich zur Gründung der Kiwog grundsätzlich positiv: Die Zusammenarbeit mit den kommunalen Wohnungsunternehmen aus Schleswig-Holstein sei gut, erklärte VNW-Direktor Andreas Breitner. Der "Masterplan Wohnen" sehe vor, dass Kiel "nur gemeinsam" gebaut werden könne.

"So sind die zehn in Kiel aktiven VNW-Unternehmen in den vergangenen Jahren nicht untätig gewesen. Sie errichteten in der Landeshauptstadt rund 1.200 bezahlbare Wohnungen." VNW-Direktor Andreas Breitner

Breitner äußerte jetzt die Sorge, dass die Gründung der Kiwog es den VNW-Unternehmen erschweren könnte, weiterhin bezahlbare Wohnungen zu bauen, weil der Aufbau der Kiwog wichtige Ressourcen der Stadt binde, die an anderer Stelle fehlten und zu längeren Bearbeitungszeiten führen könnten.

Der Verbandschef fordert, dass die Verwaltung der Landeshauptstadt den VNW-Wohnungsunternehmen weiterhin einen einfachen Zugang zu Baugrundstücken und Baurecht gewährleistet, um für den eigenen Bestand zu bauen. Zudem müssten Verwaltung und Politik sich stärker positionieren und besser vermitteln, wenn Anwohner sich gegen Bauvorhaben etwa bei der Nachverdichtung wenden, so Breitner abschließend.

240 Neubauwohnungen für Kiwog-Bestand sind in Planung

Die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt Kiel hat angekündigt, alle städtischen Grundstücke mit reiner Wohnbebauung (26 Standorte mit 439 Wohneinheiten) sowie Grundstücke, auf denen reine Wohnbebauung vorgesehen ist, an die Kiwog zu übertragen.

Den weiteren Grundstock für den Bestand der städtischen Tochtergesellschaft sollen zunächst 240 neue Wohnungen sein, davon rund 100 öffentlich-geförderte, die ab Ende 2019 im Rahmen des Projekts "Marthas Insel" in der Nähe des Hauptbahnhofs entstehen sollen. Damit die Kiwog wirtschaftlich arbeitsfähig ist, sind für ihren Bestand kurz- bis mittelfristig mindestens 1.000 Wohnungen nötig. Langfristig sollen es der Stadt zufolge 4.000 Wohnungen werden.

Eine Öffnungsklausel soll es später ermöglichen, weitere Grundstücke zu kaufen, zu entwickeln und unter anderem für den geförderten Wohnungsbau zur Verfügung zu stellen.

Kiel will wieder mehr Einfluss auf den Wohnungsmarkt nehmen

Der finanzielle städtische Aufwand sei unter Berücksichtigung der dadurch geschaffenen Werte in der Kiwog als 100-prozentige Tochter der Stadt sowie möglicher Einsparungen bei bislang entstehenden Kosten vertretbar. Über die städtische Wohnungsgesellschaft Kiwog will Kiel wieder mehr Einfluss auf den Wohnungsmarkt und die bauliche Entwicklung der Stadt nehmen.

"Wir haben damit wieder ein Steuerungsinstrument in städtischer Hand. Wir freuen uns sehr über diesen Erfolg." Gerwin Stöcken (SPD), Sozialdezernent Kiel

Eine rasche Wende am Wohnungsmarkt erwartet die Stadt zwar nicht, die Kiwog soll aber mittelfristig dabei helfen, bezahlbaren Wohnraum für untere und mittlere Einkommensschichten zu schaffen. Nach Angaben der Stadt fehlen jährlich etwa 1.000 Wohnungen.

Erklärte Zwecke der Kiwog nach Angaben der Landeshauptstadt Kiel:

  • Schaffung bezahlbaren Wohnraums für Personengruppen ohne oder mit nur geringem Einkommen in allen Stadtteilen;
  • Versorgung besonderer Bedarfsgruppen mit Wohnraum (zum Beispiel Obdach- und Wohnungslose);
  • Förderung besonderer Wohnformen wie Wohnprojekte und Wohngemeinschaften;
  • Ankauf und Aufwertung von sogenannten Schrottimmobilien;
  • Erhalt und Aufwertung der bereits im kommunalen Besitz befindlichen Wohneinheiten;
  • Schaffung einer Möglichkeit, in Zukunft auch Grundstücke zu erwerben, zu entwickeln und dem Wohnungsmarkt wieder zur Verfügung zu stellen.


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