20.09.2013 | Top-Thema Jubiläum: 65 Jahre DW Die Wohnungswirtschaft

Zur Geschichte der DW: Vom Mitteilungsblatt zur anerkannten Zeitschrift

Kapitel
Das erste Heft aus dem Jahr 1948
Bild: Haufe Online Redaktion

Die DW feiert ihr 65-jähriges Jubiläum. Ich gratuliere dazu und versuche mit diesem Artikel den Charakter und die Entwicklung der Zeitschrift zu schildern, soweit ich selbst beteiligt, betroffen und verantwortlich war.

Um es vorweg zu sagen: Die Zeitschrift ist heute eine wichtige und unverzichtbare Plattform der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft für Informationen und Meinungen aus und über unsere Branche. Das jedoch war nicht immer so.

Inhalt, Aufmachung und Format
Als ich 1986 Vorsitzender des Vorstandes des Gesamtverbandes gemeinnütziger Wohnungsunternehmen wurde, gab es eine nach Inhalt, Aufmachung und Format eher bescheidene Zeitschrift, ein Mitteilungsblatt der gemeinnützigen Wohnungswirtschaft. Der damalige Chefredakteur Herr Bauer war zu Hälfte mein Pressesprecher und zur anderen Hälfte Chefredakteur. Bezahlt wurde er vom Gesamtverband, der zugleich Herausgeber der Zeitschrift war, und gedruckt wurde sie im Hammonia-Verlag in Hamburg; ein Verlag im Eigentum der Regionalverbände und des Gesamtverbandes gemeinnütziger Wohnungsunternehmen. Nach 1945, also nach dem Ende des 2. Weltkrieges, wurde der Verlag durch die britische Besatzungsmacht in Hamburg lizensiert und zugelassen.

Finanzierung
Aus dem Haushalt des Gesamtverbandes gemeinnütziger Wohnungsunternehmen wurde die Zeitschrift – neben der Tatsache, dass wir den Chefredakteur bezahlten – mit regelmäßigen Zuschüssen subventioniert. Sie hatte den Charakter eines Mitteilungsblattes mit Informationen aus und über die gemeinnützige Wohnungswirtschaft. Meinungsvielfalt und kontroverse Standpunkte waren weder prägend noch die Regel. Im Gegenteil: Am Anfang meiner Tätigkeit, also in den Jahren 1986/87, wurden in den Gremiensitzungen die Inhalte einzelner Artikel kritisch diskutiert und für die Zukunft Änderungen verlangt. Gemessen an den Grundsätzen eines freiheitlichen Journalismus war ein solches Verhalten gegenüber dem Chefredakteur, und so stand er im Impressum, nichts anderes als Zensur. Diese Tendenz war zwar nicht mehrheitlich, aber vorhanden. Was wir jedoch bereits seinerzeit dringend brauchten – und das wurde bei solchen Debatten offenkundig –, war eine Zeitschrift geprägt von Meinungsvielfalt und kritisch-konstruktiven Beiträgen. Dazu bedurfte es einer grundsätzlich geänderten Struktur. Folglich wurde am Ende einer langen Debatte beschlossen, dass Herausgeber dieser Zeitschrift nicht mehr der Gesamtverband gemeinnütziger Wohnungsunternehmen sein solle, sondern der Hammonia-Verlag. Ihm wurde die Zeitschrift übertragen, allerdings mit einer vertraglichen Klausel, die dem Gesamtverband Eingriffs- und Rückholrechte einräumte, falls die Entwicklung der Zeitschrift aus Sicht des Gesamtverbandes gefährdet sein würde.

Journalistische Entfaltung
Darüber hinaus wurde der Chefredakteur ebenfalls dem Hammonia-Verlag zugeordnet und er wurde erstmals journalistisch unabhängiger und in seiner Rolle und Funktion gestärkt. Von der Aufgabe des Pressesprechers des Gesamtverbandes wurde er in der Folgezeit befreit. Ergänzend wurde beim Hammonia-Verlag der Zeitschrift ein Redaktionsbeirat zugeordnet, bestehend aus Persönlichkeiten der Verbände und Unternehmen, die den Chefredakteur begleiten und beraten sollten.
Für die Position des Chefredakteurs bzw. der Chefredakteurin gibt es im Zusammenhang mit der DW eine Besonderheit. Er bzw. sie muss Blattmacher/-in, Schreiber/-in und Rechercheur/-in in einer Person sein. Ein solches Anforderungsprofil ist bei Journalisten nicht häufig anzutreffen. Entweder sie sind Blattmacher oder sie sind gute Journalisten, die schreiben und recherchieren können. Hinzu kam, dass im Laufe der Jahre die Subventionen für die DW aus dem Haushalt des Gesamtverbandes ersatzlos gestrichen wurden und die Zeitschrift sich selbst durch Verkauf und Anzeigen finanzieren musste.

Format und Charakter
Dieser radikale Strukturwandel ist überzeugend und nachhaltig gelungen und er war nur möglich, weil die jeweils verantwortlichen Chefredakteure und Chefredakteurinnen sowie ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen viel Kraft und Energie, Fähigkeiten und Ideen entwickelt und eingesetzt haben. Stellvertretend gilt mein persönlicher Dank, Respekt und Anerkennung für die herausragende journalistische Leistung für die Vergangenheit Herrn Neuhöfer und für die Gegenwart Frau Silberberg. Beide haben zu ihrer Zeit und in ihrer Art der Zeitschrift Format und Charakter gegeben.
Die DW ist heute schon längst kein Mitteilungsblatt mehr, sondern eine journalistisch anspruchsvolle Zeitschrift, die zu den wichtigsten Publikationen unserer Branche gehört. Sie wird geschätzt und geachtet und wer auf dem Laufenden sein will, muss sie lesen. Sie ist gut gemacht, immer am Puls der Zeit mit aktuellen Themen und zur Meinungsbildung und als Informationsplattform unserer Branche nicht mehr wegzudenken.
Nochmals herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum!

Jürgen Steinert, Senator a.D. und ehemaliger Präsident des GdW, Berlin

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