Jahresrückblick 2016 für Immobilien- und Wohnungswirtschaft

Auch das Jahr 2016 hielt für die Immobilien- und Wohnungswirtschaft wieder eine Reihe von relevanten Entwicklungen bereit. Politische Entscheidungen, neue Trends, interessante Studienergebnisse – die Haufe Online Redaktion präsentiert in diesem Jahresrückblick ausgewählte Meldungen des Jahres 2016.

Januar

Das Jahr 2016 begann mit News zum Dauerbrenner-Thema Mietpreisbremse: In Brandenburg trat zum 1.1.2016 die Mietpreisbremse in Kraft. In 31 Städten und Gemeinden in Brandenburg darf die Miete bei einer Neuvermietung nur noch maximal zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. Die Regelung gilt befristet bis Ende 2020.

In Bayern wurde die Mietpreisbremse zum Jahreswechsel in 16 Gemeinden abgeschafft, während sie in neun Gemeinden neu eingeführt wurde.

Die EnEV 2014 sorgte ebenfalls für Veränderungen, die ab Januar 2016 in Kraft traten: So gilt ab 2016 ein gegenüber dem bisherigen Wert um 25 Prozent verschärfter Höchstwert für den Jahres-Primärenergiebedarf von Gebäuden. Bei der Wärmedämmung der Gebäudehülle wurden die Anforderungen zum 1.1.2016 gegenüber den bisher geltenden Werten um etwa 20 Prozent verschärft.

Eine Verfassungsbeschwerde, mit der sich ein Mieter gegen den Einbau von Funk-Rauchwarnmeldern in seiner Wohnung wehren wollte, wurde vom Bundesverfassungsgericht nicht zur Entscheidung angenommen.

Die Deutsche Wohnen wehrte sich gegen die Übernahme durch den Konkurrenten Vonovia. Ende Januar verlängerte Vonovia die Annahmefrist und senkte die Mindestannahmeschwelle.

Februar

Einem Entwurf des Bundeskabinetts zufolge sollte der Neubau von Mietwohnungen über eine befristete Sonderabschreibung gefördert werden. Das Vorhaben scheiterte aber an Differenzen zwischen Union und SPD.

Der Bundesgerichtshof (BGH) lockerte die Anforderungen an Betriebskostenabrechnungen: Vermieter, die Kosten auf mehrere Gebäude verteilen oder um nicht umlagefähige Anteile bereinigen, müssen nicht mehr aufschlüsseln, wie sie die Kosten ermittelt haben, die sie in der jeweiligen Abrechnungseinheit letztlich umlegen. Damit hat der BGH seine bisherige Rechtsprechung aufgegeben, wonach die Angabe lediglich "bereinigter" Gesamtkosten zur Folge hatte, dass die Abrechnung aus formellen Gründen unwirksam war.

Howoge Treskow Höfe Bauherrenpreis

Die Arbeitsgruppe "Kooperation" des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V., des Bundes Deutscher Architekten und des Deutschen Städtetages hat erneut den Deutschen Bauherrenpreis Neubau verliehen. Die ausgezeichneten Projekte (unter anderem das Projekt "Treskow-Höfe" der Howoge, siehe oben) sollen zeigen, wie durch innovativen Wohnungsbau ein Mehrwert für das Wohnquartier erzielt werden kann.

Die Aktionäre der Deutsche Wohnen lehnten das Vonovia-Übernahmeangebot mehrheitlich ab.

März

Das Modell der Wohnungsgenossenschaften ist aufgrund der gerade in Ballungsgebieten herrschenden Knappheit an bezahlbarem Wohnraum wieder beliebter geworden. Die Zahl der Genossenschaftsgründungen stieg, eine "Renaissance der Genossenschaften" zeichnete sich ab.

Der BBU Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V. zeichnete auf den 21. BBU-Tagen in Bad Saarow vorbildliche Nachbarschaftsprojekte von Wohnungsgenossenschaften und -gesellschaften mit dem BBU-Zukunftsaward 2016 aus.

Das Bundeskabinett hat den Bericht zum "Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen" und zur Wohnungsbau-Offensive beschlossen. Das 10-Punkte-Programm soll zur Schaffung von jährlich 350.000 neuen Wohnungen beitragen und sieht unter anderem die Bereitstellung von Bauland, steuerliche Anreize, eine Vereinfachung von Bauvorschriften sowie Mittel für den sozialen Wohnungsbau vor.

Vom 15. bis 18. März 2016 fand unter dem Motto "Housing the World" die Mipim 2016 statt. Dabei wurden auch die Mipim Awards verliehen. Zu den Finalisten zählten auch vier deutsche Projekte.

Das Bundeskabinett hat beschlossen, die Förderung des sozialen Wohnungsbaus zwischen 2017 und 2019 noch einmal um 500 Millionen Euro pro Jahr zu erhöhen. Außerdem fließen jährlich weitere 500 Millionen Euro in ein Wohnungsbauprogramm zugunsten sozialer Brennpunkte. Zudem werden für den Bereich "Soziale Stadt" 300 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich bereitgestellt.

April

Viele Wohnungsunternehmen sind in der Flüchtlingsunterbringung aktiv. Die Flüchtlinge sind zum Teil muslimischen Glaubens. Wie können Vermieter Badezimmer für praktizierende Muslime gestalten, damit diese ihre religiösen Pflichten erfüllen können, ohne dass DIN-Normen verletzt werden?

Eine Studie prognostizierte, dass die Bauindustrie bis 2020 jährlich um durchschnittlich 1,5 Prozent wachsen werde. Dies sei unter anderem auf die Zuwanderung zurückzuführen.

Die Bundesregierung hat ein Maßnahmenpaket zur Integration verabschiedet, das auch ein Wohnortzuweisungsgesetz für anerkannte Asylsuchende beinhaltet. Der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. begrüßte dies.

Mai

Hamburg hat das Bündnis für Wohnen neu aufgelegt. Dadurch sollen jährlich 10.000 Baugenehmigungen gesichert werden.

Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zeigt: Die Mehrheit der Deutschen wohnt zur Miete. Nur 45 Prozent der Bevölkerung besitzen Wohneigentum.

Da in jedem Bundesland andere Regeln und Fristen zum Thema Rauchwarnmelder gelten, haben wir in einem Überblick die Regelungen in den einzelnen Bundesländern aufgelistet.

Zum Thema Zweckentfremdungsverbote haben wir eine Umfrage durchgeführt – Ergebnis: Die Mehrheit unserer Leser meint, dass der Markt auf andere Weise reguliert werden müsse.

Juni

Der Brexit stellte auch die Immobilienbranche vor Herausforderungen. Darüber, welche Auswirkungen der Brexit langfristig gesehen auf die Branche haben könnte, gab es unterschiedliche Auffassungen.

Nachdem mehrere Studien zu der Schlussfolgerung gekommen waren, dass die Mietpreisbremse nicht die gewünschte Wirkung habe, warnte Verbraucherschutzminister Heiko Maas davor, die Mietpreisbremse frühzeitig für wirkungslos zu erklären. Er erwog eine Verschärfung der Mietpreisbremse. Immobilienverbände forderten dagegen die Abschaffung der Regelung.

Unter dem Motto "Wohnungsunternehmen in Zeiten dynamischer Veränderung" hat die Fachzeitschrift DW Die Wohnungswirtschaft am Galaabend des Aareon Kongresses drei Wohnungsunternehmen mit dem DW-Zukunftspreis der Immobilienwirtschaft ausgezeichnet.

Das Fachmagazin Immobilienwirtschaft hat auf dem Tag der Immobilienwirtschaft des Zentralen Immobilienausschusses (ZIA) die "Köpfe der Immobilienwirtschaft" ausgezeichnet.

Vom 15. bis 17.6.2016 fand in Münster der Haufe Kongress für die Wohnungswirtschaft statt.

Juli

Das im Februar vom Bundeskabinett beschlossene Vorhaben, den Wohnungsbau durch eine Sonderabschreibung zu fördern, scheitert, da in der Anhörung des Finanzausschusses zahlreiche Bedenken geäußert werden. Befürchtet wurden unter anderem "Mitnahmeeffekte" bei Investoren im höherpreisigen Wohnungsbau.

Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilte, wurde von Januar bis Mai 2016 der Bau von 148.400 Wohnungen genehmigt. Das sind 30,6 Prozent mehr als im vergleichbaren Zeitraum 2015.

August

Bundesbauministerin Dr. Barbara Hendricks erwog eine Änderung des Grundgesetzes, um es der Bundesregierung zu ermöglichen, "wirksam dort helfen zu können, wo die Wohnungsnot am größten ist".

Wie der GdW im August bekannt gab, verzeichneten seine rund 3.000 Mitgliedsunternehmen im Jahr 2015 erneut einen Rückgang bei den Mietschulden. Bundesweit sind die Mietschulden um 3,9 Prozent auf 387 Millionen Euro gesunken. Im Vergleich zum Jahr 2003 (757 Millionen Euro) ist dies ein Rückgang um rund 49 Prozent.

Ein Modellversuch, in dem baugleiche Häuser in unterschiedlichen Energiestandards miteinander verglichen wurden, zeigte: Passivhäuser benötigen zwar weniger Heizenergie, aber mehr Allgemeinstrom als baugleiche Häuser im EnEV-2009-Standard.

September

Vonovia gab bekannt, den österreichischen Konkurrenten Conwert kaufen zu wollen, und bot rund 2,9 Milliarden Euro.

Die niedersächsische Nord/LB übernahm die Bremer Landesbank (BLB) vollständig.

Einem im September veröffentlichten Bericht zufolge wurden die Gelder, die der Bund den Ländern zur Förderung des sozialen Wohnungsbaus zahlt, in der Vergangenheit nicht immer richtig genutzt. In Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und dem Saarland seien etwa zehn Jahre lang keine Sozialwohnungen gebaut worden.

Der GdW legte einen Masterplan zur geplanten Baugesetzbuch-Novelle vor – mit dem erklärten Ziel, die Innenentwicklung zu stärken, mit Augenmaß eine Stadt-Umland-Nutzung zu ermöglichen und das Baurecht von unnötigen bürokratischen Anforderungen zu befreien.

Oktober

Auf der Expo Real 2016 in München drehten sich die Diskussionen neben dem Thema Brexit auch um die anhaltende Niedrigzinsphase, die angespannten Wohnungsmärkte in Ballungszentren, die neuen Strategien der Stadtentwicklung und die Herausforderungen der Digitalisierung.

Die Haufe Gruppe und die FIO Systems AG starteten eine Kooperation und bieten künftig unter der neuen Marke Haufe-FIO axera eine webbasierte ERP-Lösung für Wohnungsunternehmen und Immobilienverwaltungen.

November

Das Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen scheiterte: Die großen Verbände der deutschen Immobilienwirtschaft sahen vorerst keine Grundlage mehr für die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit der Regierung im Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen, da der Klimaschutzplan 2050 eine zusätzliche Belastung für den Gebäudesektor bedeute.

Werkstatt Businesslunch

Anfang November hat die Fachzeitschrift DW Die Wohnungswirtschaft die zweite Werkstatt zum Thema "Kostengünstiger Neubau – Systembauweise und serielles Bauen" veranstaltet. Über 40 Teilnehmer aus Wohnungswirtschaft, Verbänden sowie Industrie und Dienstleistung nutzten die Gelegenheit, sich auszutauschen (siehe obiges Foto).

Die EU-Kommission hat Deutschland wegen der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) verklagt. Die Behörde sieht in den deutschen Vorgaben einen Verstoß gegen die EU-Dienstleistungsrichtlinie. Problematisch seien die Mindesthonorare, da sie verhindern würden, dass bestimmte Preise für Dienstleistungen unterboten werden können.

Die Regierung in Sachsen hat beschlossen, bis zum Jahr 2019 140 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen, um etwa 3.500 Sozialwohnungen zu bezuschussen.

Dezember

Der GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. hat gemeinsam mit Unternehmen und Institutionen aus Wohnungswirtschaft, Industrie und Forschung die neue bundesweite "Allianz für einen klimaneutralen Gebäudebestand" gegründet. Die Allianz erhebt unter anderem in einer Pilotstudie in über 500 Mehrfamilienhäusern Daten zu den Einspareffekten verschiedener Technologien.

Ab 1.12.2016 gilt in Niedersachsen in 19 Städten und Gemeinden die Mietpreisbremse. Außerdem wird dort die Kappungsgrenze gesenkt und die Kündigungssperrfrist nach einer Wohnungsumwandlung verlängert.

In Nordrhein-Westfalen endet zum Jahreswechsel die Übergangsfrist: Spätestens Ende 2016 müssen Bestandswohnungen mit Rauchwarnmeldern ausgestattet sein. Auch im Saarland endet die Übergangsfrist für die Ausstattung mit Rauchwarnmeldern.

Das Bundesbauministerium wird den Investitionspakt "Soziale Integration im Quartier" von 2017 bis 2020 mit 200 Millionen Euro jährlich fördern.

Die Mehrheit der Conwert-Aktionäre nimmt das Vonovia-Angebot an. Vonovia hält jetzt 71,54 Prozent an Conwert.

Mit dem Bilanzrichtlinie-Umsetzungsgesetz (BilRUG) haben sich umfangreiche Änderungen für den handelsrechtlichen Einzel- und Konzernabschluss ergeben. Experten aus der Wohnungswirtschaft haben zusammengetragen, was Wohnungsunternehmen jetzt zum Thema BilRUG wissen sollten.​​​​​​​


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Schlagworte zum Thema:  Immobilienwirtschaft, Wohnungswirtschaft