Im Rahmen seiner Jahres-Pressekonferenz hat der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft GdW eine positive Jahresbilanz gezogen. Fast 15 Milliarden Euro haben die im GdW organisierten Unternehmen 2017 in die Bewirtschaftung und den Neubau von Wohnungen investiert. Doch während in Ballungsgebieten der Schuh drückt, kämpfen andere Regionen mit Abwanderung. Der GdW-Präsident forderte eine "neue deutsche Einheit" in Stadt und Land.

Diese Einheit sei nötig, um das Wohnen bundesweit zukunftsfähig zu machen und langfristig für gleichwertige Lebensbedingungen zu sorgen. Es brauche eine gemeinsame Strategie, die insbesondere die zukunftsfähigen Kommunen in den ländlichen Regionen stärke. In Kombination mit mehr Neubau ließe sich so der Druck auf den heiß gelaufenen Wohnungsmärkten der Ballungsregionen abbauen und die Abwanderung aus den Regionen entschleunigen, erklärte GdW-Präsident Axel Gedaschko.

"Wir brauchen auf den Wohnungsmärkten eine neue deutsche Einheit statt immer tieferer Gräben. Stadt und Land müssen endlich konsequent zusammen gedacht werden, denn die Probleme auf den Wohnungsmärkten können nicht in den Städten gelöst werden", Axel Gedaschko, GdW-Präsident

10-Punkte-Plan für Zukunft in Stadt und Land

Mit einem 10-Punkte-Plan will der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft die Einheit in die Tat umsetzen. Man orientiert sich an zwei verschiedenen Schwerpunkten.

Fokus Stadt

Der Neubau von Wohnungen steht im Mittelpunkt: Mehr, günstiger, schneller, sozialer und innovativer soll er werden. Dafür schlägt der Verband ein ganzes Bündel an Maßnahmen und Ideen vor. Er fordert unter anderem, die Vergabe von Grundstücken anzukurbeln und Hemmnisse für Dachaufstockungen zu beseitigen, die Baukostensenkungskommission fortzusetzen, ein Planungs- und Baubeschleunigungsgesetz zu verabschieden sowie die finanzielle Mitzuständigkeit des Bundes für den sozialen Wohnungsbau auch nach 2019 zu erhalten.

Fokus ländlicher Raum

Für den ländlichen Raum sieht der GdW Potenzial in einer neuen Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe. Damit sollten Regionen außerhalb der Wachstumszentren gestärkt sowie die regionale Wirtschaft und Daseinsvorsorge gefördert werden. Außerdem sollten Planungen besser verzahnt werden – auf EU-, Bundes-, Landes- und Kommunalebene. Besonderes Augenmerk legt der GdW-Plan auch auf die Erhaltung von Ortszentren und Reaktivierung von Gemeinden: Hier macht sich der Verband unter anderem für eine Ausrichtung der wohnungspolitischen Förderung auf Kauf, Sanierung, Bestandsumbau und Ergänzungs- sowie Ersatzneubau stark. Um darüber hinaus schrumpfende Regionen zu stärken, schlägt man die Schaffung von Förderstrukturen vor, die durch eine gesteigerte Attraktivität von ländlichen Räumen, nicht zuletzt durch eine moderne digitale Infrastruktur, den Zuwanderungsdruck auf die Metropolen abschwächen.

Investitionszahlen bleiben trotz Anstieg hinter den Erwartungen zurück
2017 stiegen die Gesamtinvestitionen der GdW-Unternehmen auf knapp 15 Milliarden Euro (Symbolfoto)

Seit 2014 sind die Investitionen bei den Unternehmen des GdW kontinuierlich gestiegen, von etwa 13,8 Milliarden Euro in 2016 zuletzt um mehr als eine Milliarde Euro auf rund 14,9 Milliarden Euro in 2017. Trotzdem bleiben die Zahlen hinter den Erwartungen zurück: Für 2017 habe man ursprünglich mit einem Anstieg von über 16 Prozent gerechnet, teilte der Verband mit. Rund 8,5 Milliarden Euro und damit knapp 57 Prozent der Gesamtinvestitionen flossen 2017 in Modernisierung, Instandsetzung und Instandhaltung. Für 2018 geht der GdW erneut von einem Anstieg der Gesamtinvestitionen aus, sofern von politischer Seite keine weiteren Regulierungen, zum Beispiel in Sachen Klimaschutz oder Mietrecht, kämen, die die Wirtschaftlichkeit von Maßnahmen beeinträchtigten.

"Wir rechnen damit, dass wir die 17-Milliarden-Euro-Marke deutlich überschreiten werden. Die Investitionen könnten bei rund 17,7 Mrd. Euro liegen", Axel Gedaschko, GdW-Präsident

Knapp 24.000 neue Wohnungen, Baugenehmigungen rückläufig

Im Jahr 2017 haben die GdW-Unternehmen nach eigenen Angaben rund 23.900 neue Wohnungen fertiggestellt und damit rund ein Fünftel mehr als im Vorjahr. Dieser Wert entspreche bundesweit rund 40 Prozent aller neuen Mietwohnungen. Für das Jahr 2018 ist der Neubau von rund 31.000 Wohnungen geplant.

Angesichts der Baugenehmigungszahlen, die 2017 um etwa 7 Prozent zurückgingen und Anfang 2018 erstmals wieder stiegen, gab sich Gedaschko im Hinblick auf die bundesweite Lage am Wohnungsmarkt jedoch wenig optimistisch: "Der Handlungsdruck steigt immer weiter, denn die notwendigen 400.000 Wohnungen, die pro Jahr in Deutschland gebaut werden müssten, wurden nie erreicht. Im vergangenen Jahr wurden über 100.000 Wohneinheiten zu wenig fertiggestellt und auch 2018 wird die Zielmarke wieder deutlich verfehlt werden", so der GdW-Chef. Auch der Bestand an Sozialwohnungen schrumpfe weiter, obwohl sich die Zahl der neu gebauten Sozialwohnungen nach Schätzungen des GdW im Vergleich zu 2015 fast verdoppelt habe.

"Wir brauchen am Wohnungsmarkt einen Mix aus Sozialwohnungen und bezahlbaren Wohnungen für die Mittelschicht", Axel Gedaschko, GdW-Präsident

Wohn- und Baukosten in Deutschland steigen

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Seit zehn Jahren seien die Baukosten deutlich stärker gestiegen als die Baupreise und die Baupreise stärker als die allgemeinen Lebenshaltungskosten, so der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft. Allein die Bauwerkskosten seien trotz vieler Bemühungen um Effizienzsteigerung in den Jahren 2000 bis 2017 um rund 55 Prozent in die Höhe gegangen. Ursachen sieht der Verband dafür unter anderem in der Kostensteigerung durch die restriktiver gewordenen Verordnungen zur Energieeinsparung (EnEV).

Als weiteres Problem identifiziert der Verband die Brutto-Bauzeit von der Projektierung bis zur Baufertigstellung, die sich besonders im Bereich des bezahlbaren Wohnungsneubaus, nicht zuletzt durch viel zu lange Genehmigungszeiten, deutlich verlängert habe.

Die größten Preiserhöhungen für Mieter seien in den letzten Jahren durch steigende Energiepreise, Stromkosten und Steuern entstanden, so Gedaschko. In den GdW-Unternehmen seien die Nettokaltmieten von 2016 auf 2017 um 13 Cent auf 5,64 Euro pro Quadratmeter gestiegen. Für die Mietwohnungen in Deutschland insgesamt ergebe sich unter Fortschreibung der Daten des Wohngeld und Mietenberichts 2016 der Bundesregierung mit den Steigerungsraten des Mietenindex für das Jahr 2017 eine durchschnittliche Nettokaltmiete von 5,81 Euro pro Quadratmeter.

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