| Energieversorgung

Innovatives Mieterstromprojekt in Hannover realisiert

Photovoltaikmodule auf dem Ostdach des vollsanierten historischen Gebäudes
Bild: RBP-Energielösungen

In einem Sanierungs- und Bauprojekt in Hannover-Garbsen wurde ein beispielgebendes Energiekonzept realisiert. Projektentwickler Rainer Burmester und Investor Harmut Büsche wollen zeigen, wie es im Wohnungsbau möglich ist, Konzepte unter Nutzung der erneuerbaren Energien umzusetzen, die sowohl nachhaltig als auch wirtschaftlich sind.

Die Vision der Beteiligten ist es, der Wohnungswirtschaft Ideen aufzuzeigen, wie die zirka 40 Millionen Mieter in Deutschland langfristig gesehen an der Energiewende beteiligt werden können. Im ersten Bauabschnitt wurde die Vollsanierung eines historischen Gebäudes auf den KfW-70-Standard vorgenommen. In dem Gebäude befinden sich vier Wohneinheiten mit insgesamt zirka 400 Quadratmetern Wohnfläche. Die ersten Wohnungen wurden bereits bezogen. Im zweiten Bauabschnitt sollen ab 2017 vier bis sechs Reihenhäuser mit zirka 600 Quadratmetern Wohnfläche entstehen und an das vorhandene Energieversorgungssystem angeschlossen werden. Diese Reihenhäuser benötigen daher keine eigenen Heizungsräume.

Der Bauherr ist nicht nur der Eigentümer und Vermieter der Wohneinheiten, sondern auch der Energieerzeuger und -versorger seiner eigenen Mieter. Hierzu hat er eigens eine Energieversorgungsgesellschaft gegründet.

Energiekonzept

Eine Photovoltaikanlage nimmt die Rolle des Generators ein und liefert somit die Energiebasis. Ein installiertes E3DC-Farming-System dient der Abdeckung des Nachtstrombedarfes. Die Wärmeerzeugung findet über eine lastgesteuerte Wärmepumpenkaskade und Ausnutzung der Außenluft statt. Abgerundet wird die Wärmeerzeugung durch ein entsprechend dimensioniertes Pufferspeichersystem.

Zur Optimierung des ohnehin hohen Eigenverbrauches ist ein Energiemanagementsystem im Einsatz, das die Einzelkomponenten zu einem intelligent handelnden Gesamtsystem zusammenschließt und bei Energieüberschüssen automatisch Verbraucher schaltet. Um saisonale Ertragslücken abzudecken, soll "Grünstrom" beim örtlichen Stadtwerk zugekauft werden. Somit wird die Energieversorgung CO2-neutral gewährleistet. Auf einen Gasanschluss wurde verzichtet.

Um den gesetzlichen Forderungen (BGB, EEG, Energierecht und Mietrecht) zu entsprechen, mussten passende Vertragswerke erarbeitet werden. Um verbrauchsabhängige Nachweise erbringen zu können, wurde ein Datenmodell mit dem entsprechenden Messkonzept von Sun Energy Europe entwickelt, das die Abnahmen von Strom, Wärme, Warm- und Kaltwasser in Echtzeit misst. Abgerundet wird dieses Konzept durch einen Abrechnungsservice, der nicht nur die monatlichen bzw. jährlichen Abrechnungen für den Energieversorger (Vermieter) übernimmt, sondern auch die aktuellen Verbrauchszahlen (Umsatz) pro Mietereinheit im Internet bereitstellt. Der prognostizierte Eigenverbrauch liegt bei zirka 75 Prozent für Strom und 100 Prozent für Wärme.

Für die Mieter wurde ein Anreizsystem zur Abnahme der lokal erzeugten Energie geschaffen, sodass der Strompreis aktuell zwei Cent unter dem Referenzpreis (Ökostrom) der Stadtwerke liegt. In Bezug auf die Wärmeversorgung wird für das erste Jahr testweise eine "Flatrate" ausprobiert. Hier ist der durchschnittliche Verbrauch im Mietpreis enthalten.

Perspektive

Als Weiterentwicklungsperspektiven des Projekts sehen die Beteiligten die Einbindung einer Kleinwindkraftanlage, die Erweiterung durch eine Ladestation mit Elektroautos für die Bewohner, die Einbindung der E-Cars in die Haustechnik sowie die Ergänzung um einen thermischen Speicher als Langfristspeicher zum Ausgleich saisonaler Ertragsschwankungen. Nach Abschluss der ersten Heizperiode wird die Fachzeitschrift DW Die Wohnungswirtschaft ausführlich über die Erfahrungen mit dem Projekt berichten.

Schlagworte zum Thema:  Wohnungswirtschaft

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