Innovation für die Immobilienbranche: Digitale Vermietung

Innovation tut jeder Branche gut – was sich diesbezüglich in der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft tut, ist Thema unserer neuen Serie. Im ersten Teil geht es um wohnungshelden.de und die Digitalisierung des Vermietungsgeschäfts. Und darum, dass Innovation manchmal erst im zweiten Anlauf klappt.

Die Gründer von wohnungshelden.de ritten auf der ganz frühen Welle der PropTech-Bewegung – und stürzten ab. Ihre Erfahrungen nutzten sie zu einer Änderung des Geschäftsmodells und bieten Wohnungsunternehmen nun die Komplettdigitalisierung ihres Vermietungsgeschäfts vom gesamten Prozess rund um einen Mieterwechsel bis hin zu Einzellösungen für spezifische Problemstellungen an.

Gewofag und GWG München nutzen Software zur Mieterauswahl

So haben die Gründer Martin Staudacher und Daniel Vallés Valls etwa für die Münchner Wohnungsunternehmen Gewofag und GWG München die Software so angepasst, dass eine Bezugsberechtigung automatisiert geprüft und Mietinteressenten per Losverfahren ausgewählt werden.

Genau in diesem Schwerpunkt sieht Staudacher das Alleinstellungmerkmals seines Startups. "Die Interessenten und potenziellen Mieter werden optimal in die Prozesse eingebunden und haben eine vollständige Transparenz über die Vergabe", sagt er.

Die konkreten Anwendungen reichen vom Interessentenmanagement über die Organisation der Selbstauskunft bis hin zur transparenten Abbildung des Gesamtprozesses, womit Staudacher zufolge Markt- und Prozessdaten erhoben, analysiert und für spätere Transaktionen genutzt werden können.

Konkurrenzkampf mit etablierten Portalen hat sich nicht gerechnet

Bei der Entwicklung des Portfolios half den Gründern die Erfahrung aus der Anfangszeit von wohnungshelden.de.

Blauäugig sei es gewesen, sich auf einen Konkurrenzkampf mit etablierten Portalen einzulassen, sagt Staudacher rückblickend über die Anfangszeit als Proptech-Unternehmen. Wohnungshelden.de wollte die Angebote exklusiv, die Anbieter taten sich jedoch schwer damit, den bewährten Portalen den Rücken zu kehren. Außerdem habe man die Herausforderung unterschätzt, Angebot- und Nachfrageseite gleichzeitig zu bedienen und ein nachhaltig stabiles Portfolio aufzubauen, so der Gründer selbstkritisch.

Daniel Vallés Valls (links) und Martin Staudacher
Daniel Vallés Valls (l.) und Martin Staudacher haben wohnungshelden.de Anfang 2016 gemeinsam gegründet

Über Accelerator-Programme zum B2B-Geschäftsmodell 

Sein Partner und er zogen die Reißleine, ließen das Produkt ruhen und begannen, an anderen Anwendungen zu tüfteln – bis ein Unternehmen, mit dem wohnungshelden.de schon vorher in Kontakt war, auf der Suche nach Unterstützung anklopfte: Das B2B-Geschäftsmodell war geboren, das Staudacher und Vallés Valls mit inzwischen 15 Mitarbeitern fortwährend optimieren.

Die Teilnahme an Acceleratorenprogrammen und die strategische Unterstützung durch erfahrene "Business Angels" haben das Fundament zusätzlich gefestigt. Mit der Buwog-Gruppe gibt es mittlerweile einen zweiten Großkunden, weitere private und kommunale Wohnungsunternehmen nehmen ebenfalls die Dienstleistungen des Münchner Startups in Anspruch.

Psychologie der Märkte und verflogene PropTech-Euphorie

"Wir haben bei der Ausrichtung unseres Unternehmens viel zugehört und die Erkenntnisse aus den Gesprächen in digitale Prozesse gegossen", sagt Staudacher. Ein wichtiger Punkt sei dabei, die Psychologie der unterschiedlichen Märkte zu verstehen und in den Produkten zu berücksichtigen – der Mietmarkt in Jena tickt nun einmal anders als der in München, ein Wohnungsunternehmen in Pirmasens hegt andere Bedürfnisse als eines in Berlin-Prenzlauer Berg. Folglich biete es sich an, übergreifende Themen wie etwa das Leerstandsmanagement mit unterschiedlichen Schwerpunkten digital anzugehen.

Staudacher ist inzwischen froh, dass die PropTech-Euphorie der ersten Phase in der Branche verflogen ist. "Das Überangebot war zeitweise ein Problem der Branche", sagt er rückblickend. "Kein Unternehmen wollte auf den falschen Anbieter setzen." Nun kristallisierten sich die heraus, deren Geschäftsmodell auf stabilen Füßen steht. Dass es zwischendurch auch einmal zum Straucheln kam, stört dabei keinen. "Das interessiert unsere Geschäftspartner nicht", sagt Staudacher, "sie sehen eher das Durchhaltevermögen und unsere Erfahrungen".


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Schlagworte zum Thema:  Startup, Wohnungswirtschaft, PropTech, Innovation