Innovation für die Immobilienbranche: Passantenzählung

Das Kölner Startup hystreet.com ermöglicht mit Zählungen per Lasertechnologie valide Aussagen zu Passanten- und Besucherströmen. Auch für Wohnungsunternehmen könnten Methode und Ergebnisse interessant werden.  

Je höher die Passantenfrequenz, desto höher das Umsatzpotenzial in den Einkaufsstraßen der Städte. Die Zahlen sind für Städte, Einzelhändler und Immobilienbesitzer interessant. Das Problem ist die Methodik: Passantenzählungen stützten sich bislang vorwiegend auf analoge Verfahren wie Handzählungen, Stichproben oder Zufallsverfahren. Diese Datenbasis ist alles andere als belastbar.

Eine Umstellung von analog zu digital bot sich regelrecht an, mit dem Ziel, die Prozesse effizienter, genauer und damit auch aussagekräftiger zu machen. Die Lösung: Lasertechnologie.

Eine Technologie mit Nutzen auch für die Wohnungswirtschaft

"Wifi oder Kamerasysteme, woran wir zuerst dachten, zählen nicht verlässlich genug", sagt Nico Schröder, Immobilienexperte bei dem auf Geschäftshäuser spezialisierten Investor Aachener Grundvermögen. Doch auch diese Systeme erwiesen sich als zu ungenau beim Erfassen von Personen. Also hat Schröder im April 2018 zusammen mit seinem Kollegen Julian Aengenvoort das Startup hystreet.com gegründet.

Schließlich kam das Geschäftsführer-Team auf die Idee, Passanten mittels Laserscanner zu zählen. Der Vorteil der Methode liegt neben der Genauigkeit (99 Prozent laut Gründer) darin, dass sie datenschutzrechtlich unbedenklich ist. Personenbezogene Daten werden mit dieser Technik nicht erhoben.

Auch die Wohnungswirtschaft könnte von der Methode profitieren, meint Schröder – beispielsweise, wenn es um Investitionen in das Umfeld von Wohngebäuden und ins Quartier geht, für die eine Nutzung von Wegen und Eingängen (mit)entscheidend ist.

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Liefern exakte Passantenfrequenzen per Laserscanner: Die hystreet.com-Geschäftsführer Nico Schröder (links) und Julian Aengenvoort

Wie funktioniert die Lasermessung?

Der Laser legt eine gedachte Linie über die Straße und erfasst so jeden, der diese Linie überschreitet, Tag und Nacht. Kaum so groß wie ein kleiner Schuhkarton ist das Gerät, das etwa an einer Dachkante oder Hausfassade installiert werden kann – 32 Meter Breite können so abgedeckt werden. Ist eine Straße breiter, kann ein zweiter Laserkasten auf der gegenüberliegenden Straßenseite helfen. Die fest installierten Laserscanner messen laut hystreet.com rund um die Uhr und das ganze Jahr hindurch.

Was gemessen wird, fließt an ein Backend-Gerät im Unternehmen und wird dort aufgezeichnet. Dass das Gerät über Strom läuft, "ist die eigentliche Herausforderung“, sagt Schröder, weil ein Anschluss benötigt werde. Hier müssten bisweilen (noch) private Anbieter aushelfen. Die Stromkosten belaufen sich demnach jährlich auf etwa 45 Euro.

Open-Data-Ansatz für mehr Transparenz

Mittlerweile hat hystreet.com nach eigenen Angaben Laser an mehr als 100 Standorten bundesweit aufgestellt. Die Daten werden kostenfrei zur Verfügung gestellt und können auf der Internetseite des Startups eingesehen werden. Auch mobil können nach Angaben des Unternehmens alle Daten abgerufen und ausgewertet werden.

Mit dem Open-Data-Ansatz wollten die Gründer vor allem die Transparenz fördern, aber sie haben auch herausgefunden, dass das System wissenschaftliche Verwendung finden könnte: Wer die Laser-Aufzeichnungen verfolgt, weiß unter anderem auch, wie unmittelbar sich Hitze, Regen oder Verkaufsaktionen auf das Konsumverhalten von Menschen auswirken können.

Standortanalyse oder Daten für Mietverträge: Geschäftsmodell mit Entwicklungspotenzial

Genutzt wird das System derzeit von Einzelpersonen, die vor dem Shopping prüfen wollen, wie voll es in der Fußgängerzone gerade ist, bis hin zu Auftraggebern, die sich Stadtmarketing-Impulse versprechen, Gewerbemietverträge auf Basis der Daten neu aushandeln wollen oder über eine Standortverlagerung nachdenken.

Sei es bislang wichtiger gewesen, an Standorten zu wachsen, so Schröder, suche man nun nach einem Geschäftsmodell, mit dem die Dienstleistungen noch breiter aufgestellt werden können. Auch ein Energiekonzern habe bereits Interesse bekundet, so die hystreet.com-Gründer.

Hystreet.com ist eine Tochter der AC+X Strategic Investments GmbH, die von der Aachener Grundvermögen gegründet wurde, um digitale Anwendungen zu unterstützen. Geschäftsführer von AC+X ist ebenfalls Schröder.


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Schlagworte zum Thema:  Wohnungswirtschaft, Innovation, Startup