Innovation für die Immobilienbranche: Gebäudematerialpass

Die Building Material Scout GmbH bietet als Plattformmodell die Möglichkeit, Bauprodukte und -prozesse zu dokumentieren und zu bewerten. Das Startup zielt auf die optimierte Kommunikation und Transparenz zwischen den relevanten Akteuren der Bau- und Immobilienbranche ab.

Building Material Scout richtet sich an drei Zielgruppen: Baubeteiligte erhalten die Möglichkeit, ihre Produkte zu präsentieren. Architekten und Planer können daraus die für ihr Projekt geeigneten Baustoffe und Materialien finden und zusammenstellen. Bauherren schließlich ist die Plattform ein hilfreiches Mittel, Prozesse transparent und niedrigschwellig zu dokumentieren - etwa wenn es darum geht, welcher Stoff wann verbaut wurde. Am Ende entsteht so eine Art Gebäudematerialpass, der darlegt, welche Produkte eingesetzt wurden.

Innovationsserie Building Material Scout Grafik
Building Material Scout bündelt Informationen zu Baumaterialien und Bauprozessen und sorgt damit für Transparenz für alle beteiligten Akteure aus der Immobilienbranche

„Im Betrieb wissen wir heute oft gar nicht, was eigentlich alles eingebaut ist“, beschreibt Peter Mösle, Partner und Geschäftsführer der Drees & Sommer SE und zugleich einer von zwei Geschäftsführern der Building Material Scout GmbH, die Ausgangssituation. „Auf den Datenblättern fehlen wichtige Informationen.“ Building Material Scout bringe erstmals alle am Bau Beteiligten zusammen. Die fortschreitende Digitalisierung erleichtere das Vorgehen dabei ungemein. „Austausch via Email und Fax erfasst nie alle Beteiligten gleichzeitig und auf Augenhöhe und führt zu Schnittstellenverlusten in der Kommunikation und beim Inhalt“, so Mösle. Diese Lücke habe man bei Drees & Sommer gesehen und über Verbesserungen nachgedacht.

Corporate Production für mehr Flexibilität

Der auf ökologisches Bauen spezialisierte Partner Hoinka hatte bereits eine ähnliche Plattform betrieben. Die Ausgründung mit gleichzeitigem Zusammenschluss als Corporate Production ermögliche größere Flexibilität in einem innovativen Umfeld, sagt Mösle.

„Wir haben uns Freiraum außerhalb der Kernprozesse geschaffen.“ Peter Mösle, Partner und Geschäftsführer von Drees & Sommer und Geschäftsführer der Building Material Scout GmbH

Gleichzeitig könne das kleine Entwicklerteam durch die Anbindung an Drees & Sommer Abläufe unkompliziert testen. Eine derzeit erprobte Marktversion soll noch im September an den Start gehen, eine Pilotversion ist Mösle zufolge auf positive Resonanz bei Architekten und Baufirmen gestoßen. Die Finanzierung des im vergangenen Jahr gestarteten Unternehmens sei zunächst für drei Jahre gesichert.

Für die Unternehmen hinter dem Startup liegen die Vorteile des Schritts auf der Hand – zum einen treiben sie die Lernkurve in Sachen Digitalisierung in einer Branche voran, die nicht unbedingt zu den Vorreitern beim Nutzen von Daten zur Prozessoptimierung zählt. Zum anderen erschließen sie sich neue Kundengruppen über den bisherigen Ansprechpartner Nummer eins hinaus, den Bauherrn.

Planungssicherheit auch für die Wohnungswirtschaft

Auch Wohnungsunternehmen als Bauherren können freilich von der Plattform profitieren - durch die Transparenz und Dokumentation erhalten sie Planungssicherheit und eine bessere Kontrolle über den Mitteleinsatz; auch wird die Auswahl nachhaltiger und ökologisch wertvoller Baustoffe einfacher, was sich in Zeiten erhöhter energetischer Anforderungen an Gebäude auszahlen dürfte. Die Nachweise ermöglichen zudem eine Vergleichbarkeit zwischen Produkten, Bauprozessen und Standards und schaffen Synergieeffekte bei späteren Neubauvorhaben. Gerade mit Blick auf die angestrebte Standardisierung bei größeren Vorhaben könnte sich das auszahlen.
 

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