Innovation für die Immobilienbranche: Digitale Grundrisse

Eine Software erfasst auf Basis von Künstlicher Intelligenz (KI) Grundrisse digital und ermöglicht in einem zweiten Schritt Visualisierungen. Das exakte und automatisierte Vorgehen bietet sich sowohl für die Systematisierung des Bestands als auch für Neubauprojekte an.

Ein auf Künstlicher Intelligenz basierender Algorithmus erfasst anhand von Scans der Wohnungsgrundrisse deren architektonische Informationen – eine Innovation, die in Richtung Building Information Modeling (BIM) weist, nur eben auf Wohnungsebene. Spezialisiert darauf hat sich unter anderem das Startup Convaron.

"Unsere Bilderkennungs-Algorithmen lesen 2D-Grundrisse aus mit exakter Erfassung etwa von Türen, Fenstern und Raumzuschnitten", erklärt Julia Backhaus, Chief Operating Officer (COO) des Software-Unternehmens. Dabei lerne das System an der Schnittstelle zur dritten Dimension. "Dank der Künstlichen Intelligenz wird quasi vorhergesagt, was Betrachter später sehen." Je mehr Grundrisse ein solches System speichere, umso mehr lerne es für jeden kommenden Fall. Bisher werden solche *spx-Dateien häufig händisch erstellt, mit den zu erwartenden Ungenauigkeiten.

Julia Backhaus
Julia Backhaus, COO bei Convaron

Automatisierung und Genauigkeit als Vorteile

Der innovative Charakter des Ansatzes liegt zum einen in der Automatisierung, zum anderen in der weiteren Visualisierung: Eine Software, die dem Gaming-Bereich entlehnt ist, ermöglicht virtuelle Besichtigungen eines Objekts. Ein entsprechendes Plug-In füllt den Grundriss mit Leben. An der konkreten Ausgestaltung solcher Visualisierungen arbeite man derzeit, sagt Backhaus. Bisher stünden beispielsweise nur zwei Arten von Bodenbelägen zur Auswahl, die Wände seien grundsätzlich weiß. Das 3D-Objekt lässt sich über ein Virtual-Reality-Gerät oder in einem 360-Grad-Video virtuell anschauen. Für Konzerne liegt der Vorteil des automatisierten Vorgehens dabei in der Genauigkeit und der Schnelligkeit – prinzipiell ist ein Video innerhalb einer Stunde fertig.

Die Anwendung eignet sich zunächst für den Bestand, um eben einen Überblick und eine Vergleichbarkeit von Kerndaten zu erlangen, auf deren Grundlage Prozesse wie Sanierungen oder Umbauten gesteuert werden können. Asset- oder Facilitymanager, deren Portfolio Möblierungen erfasst, können so verlässlich Einbaumöbel planen und beauftragen. Miet- und Kaufinteressenten wiederum profitieren von der Möglichkeit, Objekte vor einer Begehung in realitätsgleicher 3D-Visualierung besichtigen zu können – auch wenn es hier noch Luft für ein Feinzeichnen gibt.

Planung von Neubauprojekten

Als eines der ersten Großunternehmen lässt die Deutsche Wohnen ihren Bestand seit einiger Zeit derart erfassen. Mehr als 60.000 Grundrisse seien seit Beginn der Kooperation mit dem Startup so systematisiert worden, sagt ein Unternehmenssprecher. "Mit Convaron haben wir einen Kooperationspartner, der unsere Effektivität im Vertrieb und Marketing erheblich steigern kann."

Interessant kann das Geschäftsprinzip indes auch für Neubauprojekte werden: Millimetergenaue Pläne gelten hier als Basis für jegliche Zeit- und damit verbundene Kostenkalkulationen; außerdem wird der Datenbestand gleichzeitig und transparent von allen Beteiligten buchstäblich mit aufgebaut.


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Schlagworte zum Thema:  Wohnungswirtschaft, Innovation, Startup