07.08.2014 | Top-Thema Digital Real Estate: Mobil, Cloud und Datensicherheit

Die Wohnungswirtschaft wird digital

Kapitel
Autor: Markus Reithwiesner
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Zeichen stehen auf Veränderung. So hat Microsoft, einst die Supermacht bei Betriebssystemen, jüngst eingeräumt, gerade noch 14 Prozent Marktanteil an den aktuell verkauften Computern zu haben – ob Smartphone, Tablet, PC, Notebook oder Spielkonsole.

In vielen Bereichen hat der mobile Zugriff auf Daten denjenigen vom klassischen PC überholt und Social Media hat, wenn man den Zahlen von Facebook und WhatsApp glauben kann, selbst Google hinter sich gelassen.  

Doch was bedeutet dies alles für die Wohnungswirtschaft? Neue Chancen, aber auch gleichzeitig Herausforderungen.

Die Kommunikation mit Mietern und Partnern wird digital und im Wesentlichen mobil werden. Damit ist es zu vertretbaren Kosten möglich, individualisiert mit dem Kunden zu kommunizieren – aber solche Systeme müssen eingeführt und betreut werden. Smarte, mit dem Internet verbundene Devices in den Wohnungen werden Wartung und Abrechnungen erleichtern, der Mieter wird aber möglicherweise dann auch Abrechnungen in nahezu Echtzeit fordern und sich per App oder Messaging Service rund um die Uhr melden, wenn etwas ansteht. Beschaffungsprozesse werden sicher ins Internet verlagert und in einigen Bereichen automatisiert werden. Und unzufriedene Mieter, die es ja auch mal geben soll, werden sich in Foren und anderen Social Media Bereichen ganz anders als heute und immer vor den Augen der Öffentlichkeit deutlich artikulieren. Ein Umstand, dem man professionell und nach den Spielregeln des Webs begegnen muss, um nicht das eigene Unternehmen oder gar Mitarbeiter im Zentrum eines Shitstorms zu finden.

Datensicherheit – ein wichtiges Thema für die Wohnungswirtschaft

Neben den Chancen der neuen Welt bedarf es auch eines bewussten Umgangs mit den Risiken. Ob die NSA sich nun wirklich für die Zählerstände der Wohnungen interessiert, sei mal dahingestellt. Aber der Mieter vertraut der Wohnungswirtschaft sensible persönliche Daten an, die eben auch für ganz gewöhnliche kriminelle Hacker interessant sind. Neben der sorgfältigen Auswahl des Partners spielt eine mindestens ebenso große Rolle, wie intern mit den Themen umgegangen wird. Ein verlorenes und nicht perfekt geschütztes Smartphone mit Daten oder Zugangsmöglichkeit, Computer mit unzureichenden oder am Arbeitsplatz notierten Passwörtern oder das Anklicken eines falschen, weil Schadsoftware enthaltenden Dateianhanges sind hier deutlich konkretere Gefahren als der Big Brother aus USA. Und neben dem Sicherheitsmanagement, das von festgelegten und implementierten Prozessen wie dem regelmäßigen Wechsel von Passwörtern ebenso ausgeht wie von dokumentierten Verfahren, wenn einmal etwas schief geht (Incident Management), müssen alle Unternehmen auch dem Bundesdatenschutzgesetz Genüge tun. Die schöne neue Welt ist für viele Unternehmen, auch wenn es nicht so wahrgenommen wird, eher eine organisatorische als eine technische Herausforderung. Nebenbei erwähnt, dürfte jedes vernünftig geführte Rechenzentrum in der Cloud mindestens ebenso sicher sein wie ein aufwändig gepflegter, aber lokal installierter Server.

Steigende Ansprüche

Für die Zukunft ist zu erwarten, dass sowohl die Ansprüche von Mietern bezüglich digitaler Angebote zunehmen, als auch die Anforderungen rechtlicher und technischer Art steigen werden. Dies betrifft auch die Anbieter von Branchenlösungen.  So konnte vor 10 Jahren ein Softwarehersteller mit einem Umsatzvolumen von 10 bis 15 Millionen Euro eine hervorragende Lösung erstellen, heute liegt die kritische Unternehmensgröße eher bei 50 bis 60 Millionen Euro. Die Komplexität und Vielfältigkeit, eine moderne Cloud-Lösung anbieten zu können, ist ungleich höher als die einer lokal installierten Lösung. Man denke nur an die Schnittstellen für mobile Zugriffe, das Hosting, Sicherheitsmanagement und die gestiegenen Anforderungen an offene Architekturen, die die Integration von Services und Angeboten Dritter überhaupt erst möglich machen.

Alle Veränderungen brauchen Zeit, aber die aktuelle Dynamik sollte nicht unterschätzt werden. Wichtig ist, dass die Veränderungen gut geplant werden und die Potenziale nutzen, die die neue Technik bringt. So ergibt es überhaupt keinen Sinn, bestehende Lösungen 1:1 in die Cloud zu portieren, vielmehr muss die Chance ergriffen werden, damit auch neue, innovative und wertschöpfende Services einzuführen. Dies wird in den nächsten Jahren von den führenden Anbietern erfolgen, auch wenn viele Wohnungsunternehmen aufgrund ihrer Kundenstruktur nicht zu den Innovatoren auf diesem Gebiete gehören und gehören müssen.

Prognose

Trotzdem wird die nächste Generation einer Lösung für die Wohnungswirtschaft, die spätestens in fünf oder zehn Jahren bei den meisten heutigen Unternehmen fällig sein wird, wohl nicht mehr eine lokale Lösung sein, sondern in der Cloud sitzen, Connected Services haben, Schnittstellen für Mieterservices beinhalten und alles mobil als App bereitstellen.

Autor: Markus Reithwiesner, Geschäftsführer Haufe-Lexware GmbH & Co. KG, Freiburg

Schlagworte zum Thema:  Wohnungswirtschaft, Software, Immobilien-Software, Software-Anbieter, Immobilienwirtschaft

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