Immobiliengruppe Rhein-Neckar und MVV gründen Joint Venture

Intelligente Stromzähler werden sukzessive Pflicht. Mit Einführung der Smart Meter wird es nur noch eine Infrastruktur für Fernablesung geben. Dies gewährleisten so genannte Gateways, die etwa die Qivalo GmbH der Wohnungswirtschaft zur Verfügung stellt. Das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende ist dafür verantwortlich, dass die Ablesetechnik digitaler wird. Langfristig können auch Verwalter und Vermieter mit dem Messen Geld verdienen.

Das Gesetz erlaubt es Verwaltern und Wohnungsunternehmen, künftig das Messen von Strom-, Heizungs- und Wasserzählern nicht mehr von Versorgern oder Messdienstleistern tätigen zu lassen, sondern es selbst zu übernehmen. Zunächst werden intelligente Stromzähler nur für Vielverbraucher (Industrie, Gewerbe) Pflicht, später werden auch Verbraucher zum Einbau verpflichtet, die 6.000 kWh pro Jahr verbrauchen. Für den typischen Mieterhaushalt gibt es noch keinen definierten Zeitplan. Wann Smart Meter sinnvoll sind, erklärt unser Experte Viktor Weber in der Serie Real Estate Innovation Glossar.

Immobiliengruppe Rhein-Neckar wendet Qivalo-Technik an

Qivalo bündelt den Messstellenbetrieb und Submeter (Heizung, Warmwasser). Man wird dort außerdem die Messstelle für Allgemeinstrom und Gasanbieter mit anbieten. Der Anspruch ist, dass die Daten jeweils am 1. Januar bereitgestellt werden. Der Vertrieb der Geräte soll ab der Sommerpause erfolgen.

Die an Qivalo beteiligte Immobiliengruppe Rhein-Neckar (IRGN), die vor kurzem mit dem Mannheimer Energieunternehmen MVV ein Joint Venture gegründet hat, wird die Produkte und Geschäftsprozesse von Qivalo im Laufe des Jahres 2017 in den IGRN-Immobilienbeständen anwenden und selbst abrechnen. Im Herbst 2017 startet der Vertrieb der Produkte und Dienstleistungen.

Cloudbasierte Software bietet offene Schnittstellen zu ERP-Systemen

"Wir werden die neuesten technischen und Software-Entwicklungen in der Mess- und Abrechnungswelt kombinieren und neue Wege beschreiten", sagt Hans-Lothar Schäfer, Geschäftsführer von Qivalo, der bis August 2015 CEO beim Energiedienstleister Techem war.

Basierend auf standardisierten Funkprotokollen, Gateways für alle Zählermedien und einer systemoffenen IT aus der Cloud soll ein modulares Angebot aufgebaut werden. "Im Gegensatz zum traditionellen Messdienstmodell übernimmt dann der Kunde die Hoheit über die Daten und seine Prozesse und kann eine optimale Einbindung in seine Geschäftsabläufe erreichen", so Schäfer weiter. "Wir schaffen offene Messdienstlösungen".

Auf der Grundlage des ERP-Systems Haufe-FIO axera bringen die Softwarehäuser Haufe und FIO Systems die cloudbasierte Abrechnungsplattform in die Kooperation ein.

Der Abrechnungsservice ist jedoch nicht Haufe-FIO axera vorbehalten, sondern kann perspektivisch auch an ERP-Lösungen anderer Hersteller angebunden werden.

Strom-, Heiz- und Wasserzähler: Das Nebeneinander hört auf

Mit Einführung der Smart Meter wird das Nebeneinander von Strom-, Heiz- und Wasserzählern jedenfalls vorbei sein. Bei den Gateways steht OMS im Mittelpunkt, eine Messdienstlösung, die offen ist für alle ERP-Systeme. Dabei handelt es sich um eine einheitliche Funkschnittstelle für Messgeräte, die Qivalo-Leiter Schäfer zufolge das Zeug dazu hat, Trend zu werden.

Im Gegensatz dazu steht die heutige Infrastruktur aus Strom-, Wasser- und Wärmezählern, die nur der jeweilige Anbieter der Funksysteme ablesen kann. Die entsprechende OMS-Technik kauft der Messdienstleister Qivalo ein und stellt sie seinen Kunden zur Verfügung.

Komplexe Technik erfordert Management von Daten

Wichtig wird das Management der Verschlüsselungssysteme für die Daten, über die Datensicherheit gewährleistet werden soll: Jedem Endgerät ist eine separate Verschlüsselung erlaubt. Die Kunden werden in der Lage sein, selbst abzulesen und selbst zu entschlüsseln.

Die Cloud-Technologie ermöglicht eine prozessübergreifende Automatisierung. Die Abrechnung bezeichnet Schäfer als Abfallprodukt der Vorprozesse. Mit der neuen Technik sollen auch Effizienzanalysen und die Identifikation von wartungsbedürftigen Geräten möglich sein. Blockheizkraftwerke und Mieterstrommodelle werden dazu führen, dass Verbrauchsanalysen sinnvoll sind, insbesondere für gewerblich genutzte Immobilien, bei denen Effizienz ein Wertfaktor ist.

Ab 2021 könnten Vermieter Gateway-Betreiber sein

Im Jahr 2021 könnte der Vermieter nach den Vorschriften des Gesetzes zur Digitalisierung der Energiewende in die Funktion des Gateway-Betreibers gehen, sofern mindestens zwei Medien gebündelt werden (etwa Wärme und Strom) und sofern man bestimmte Kosten nicht überschreitet. Bis dahin entscheidet der Anschlussnutzer (in der Regel Mieter oder Wohnungseigentümer), ob er auf einen Smart Meter geht oder nicht.

Die Gefahr für Vermieter und Verwalter ist, so Schäfer, folgende: Es könnte ein Wildwuchs von Smart Metern und Gateways entstehen, wenn den Mietern oder Wohnungseigentümern keine Alternativen angeboten werden. Vermieter und Verwalter sollten deshalb möglichst bald versuchen, die Bündelung durchzusetzen, und dafür sorgen, dass es ein zukunftssicheres Gateway im Haus gibt.

Qivalo bietet zwar Installation und Managen der Endgeräte (etwa die Messgeräte oder Stromzähler) an, und zwar per In- oder Outsourcing. Es soll den Kunden aber auch möglich sein, die Endgeräte zu installieren sowie das Smart-Meter-Gateway selbst. Zurzeit werden alle Gateways BSI-(Bundesamt für Sicherheit in der IT) zertifiziert. Die Anforderungen an die Datensicherheit sind sehr hoch.

Lesen Sie hier, wie Verträge gestaltet sein sollten und welche datenschutzrechtlichen Vorgaben es bei Einbindung von Drittdienstleistern gibt.

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