Erste Eckpunkte waren bereits vor eineinhalb Jahren formuliert, jetzt wurde in Hamburg der Masterplan für den neuen Stadtteil Oberbillwerder vorgestellt. Insgesamt sollen 7.000 Wohnungen in fünf unterschiedlichen Quartieren entstehen, wie die Projektentwicklerin IBA Hamburg GmbH mitteilt. Der Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) mahnt an, in Billwerder bezahlbaren Wohnraum und ein passendes Verkehrskonzept für das Zone-30-Viertel zu schaffen.

Mit 124 Hektar Fläche ist Oberbillwerder Hamburgs zweitgrößtes Stadtentwicklungsprojekt und der 105. Stadtteil der Hansestadt. Rund 30 Prozent der Wohnungen sind für den Verkauf vorgesehen, ein Drittel soll öffentlich gefördert und ein Drittel freifinanziert werden.

"Hamburg tut gut daran, Wohnraum zu schaffen. Entscheidend wird allerdings sein, dass der übergroße Teil der rund 7.000 neuen Wohnungen in Oberbillwerder für Haushalte mit mittlerem und niedrigem Einkommen bezahlbar ist." VNW-Direktor Andreas Breitner

Der Masterplan: ein Gemeinschaftsprojekt

Die IBA hat den Masterplan in Absprache mit der Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen und dem Bezirksamt Bergedorf sowie mit Experten, Stadt- und Landschaftsplanern, Architekten, Politik und lokalen Akteuren gemeinsam entwickelt.

Die Planungen für das rund 120 Hektar große Gebiet hatten bereits im Juli 2017 begonnen: Mehr als 400 Beiträge von Hamburger Bürgern, dazu Gutachten und Erkenntnisse aus einer Ideenwerkstatt flossen in das Aufgabenpapier ein, auf dessen Grundlage internationale Planungsbüros im Frühjahr 2018 einen städtebaulich-freiraumplanerischen Entwurf für den neuen Stadtteil erarbeitet haben. Der Realisierungsprozess könnte bis zu 15 Jahre dauern. 

Überall Tempo 30, keine Parkplätze und keine Tiefgaragen

Das zentrale Bahnquartier soll das Zentrum mit einem Platz und einer Rambla bilden. Im Blauen Quartier soll dem Konzept zufolge das Leben am Wasser im Mittelpunkt stehen. Kleine Kanäle und Gräben sollen das Quartier durchziehen. Der Abschluss nach Norden zu den Äckern soll vom am dünnsten bebauten Viertel, dem Agri Quartier, gebildet werden, in dem es auch Platz für Gärten geben soll. In östlicher Richtung sollen das Grüne Quartier und das Park Quartier liegen, die Bildungs- und Begegnungszentren sowie Sportanlagen beheimaten sollen.

Blick in das Grüne Quartier, das in Oberbillwerder entstehen soll

Neben einem Entwässerungskonzept soll eine neue Art der Mobilität das Viertel prägen. So soll überall Tempo 30 gelten und es keine Parkplätze im öffentlichen Raum geben, dafür aber 3.500 Parkhausplätze. Über so genannte Mobility Hubs sollen die Bewohner die letzten Meter nach Hause mit alternativen Verkehrsmitteln zurücklegen.

"Damit die künftigen Bewohnerinnen und Bewohner von Oberbillwerder diese neue Art der Mobilität annehmen, ist ein umfassendes Verkehrskonzept notwendig – und zwar bevor die Bauarbeiten beginnen", ergänzt Breitner.

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