23.12.2014 | Top-Thema Flüchtlingsheime: Kreativität contra Container

Zuwanderung: Wohnmodelle in Dortmund und Berlin

Kapitel
Die Gewobag ließ ein von Roma bewohntes Haus künstlerisch gestalten
Bild: Fellechner/GEWOBAG

Es gibt einige erfolgversprechende Vorhaben zur Wohnungsbeschaffung in Deutschland.

Schon 2011 begann die Stadt Dortmund mit der Entwicklung einer Strategie, die zur Gründung einer „Koordinierungsgruppe EU-Armutszuwanderung“ führte. Diese Strategie beinhaltet unter anderem, Lösungen für Problemimmobilien zu suchen.

Eine solche Lösung fand sich beispielsweise für das heruntergekommene, überbelegte Wohnhaus in der Brunnenstraße 51 in der Nordstadt, das in seinem heutigen sanierten Zustand nicht mehr an seine Vergangenheit als Schandfleck erinnert.


Erfolgreiche Kooperation

Möglich machte dieses Erfolgsmodell, das mit dem Preis „Soziale Stadt 2014“ ausgezeichnet worden ist, eine Kooperation zwischen der Stadt Dortmund, dem Wohnungsunternehmen Dogewo21 und der Stiftung Soziale Stadt.

2013 erwarb die Dogewo21 – sie gehört als Tochter der Stadtwerke-Holding zum kommunalen Verbund – das verwahrloste Objekt von einem privaten Eigentümer und bereitete die Sanierung vor. Dabei kam ein auf den ersten Blick umständliches Modell zum Tragen:

Das Wohnungsunternehmen verkaufte die Immobilie an die Stiftung Soziale Stadt, die bei der Sanierung Langzeitarbeitslose und schlecht qualifizierte Jugendliche einsetzte. Nach Abschluss der Arbeiten veräußerte die Stiftung die Immobilie zurück an das Wohnungsunternehmen, das die zehn Zwei-Zimmer-Wohnungen für 5,10 Euro pro Quadratmeter vermietet.

Die Stiftung ihrerseits verwendet den Verkaufserlös, um weitere vergleichbare Projekte zu initiieren. Umsetzen ließ sich das Modell allerdings nur, weil sich das Land Nordrhein-Westfalen mit 572.000 Euro aus dem Wohnraumförderprogramm am rund eine Million Euro teuren Vorhaben beteiligte.

 

Mit Kunst zur Integration

Eher ungewollt kam die Berliner Wohnungsbaugesellschaft Gewobag in den Besitz einer solchen Problemimmobilie. Das Haus in der Scharnweberstraße 111 im Stadtteil Reinickendorf war Teil eines Portfolios, das die im Landeseigentum befindliche Gewobag 2013 übernahm. „Bedrückend“ seien die Verhältnisse damals gewesen, heißt es bei der Gewobag: Die Bewohner, größtenteils aus Rumänien stammende Roma-Familien, lebten auf engstem Raum.

Die Gewobag entschied sich, das Wohnhaus nicht nur zu sanieren, sondern unter Beteiligung der Roma-Familien auch künstlerisch zu gestalten. Dies übernahm die von der Gewobag gegründete Initiative „Urban Nation“, die sich zum Ziel gesetzt hat, mit künstlerischen Mitteln zur Aufwertung von Häusern und Quartieren beizutragen.


Zukunftsperspektive für Roma

„Es geht uns darum, den Roma-Familien zu helfen, sich in ihr Lebensumfeld zu integrieren und sich so eine Zukunftsperspektive zu verschaffen“, sagt Dr. Monika Lüke, Beauftragte für Integration und Migration des Berliner Senats.

„Ein freundliches, nachbarschaftliches Wohnumfeld ist dabei von zentraler Bedeutung.“ Die Senatsverwaltung für Arbeit, Integration und Frauen war ebenso ins Vorhaben mit dem Namen „Bunte 111“ involviert wie das Bezirksamt Reinickendorf und der Verein Phinove, der Roma und Sinti betreut. Mit den Familien schloss die Gewobag reguläre Mietverträge ab.

 

Schlagworte zum Thema:  Zuwanderung, Wohnungsgesellschaft, Sozialwohnung, Kommunen

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