23.12.2014 | Top-Thema Flüchtlingsheime: Kreativität contra Container

Wege aus der Wohnungsmisere

Kapitel
Auch Büroimmobilien sollen künftig leichter in Wohnheime umgewandelt werden können.
Bild: Rock Capital Group

Doch mit Blick auf die zehntausenden von Asylbewerbern, die allein in den letzten Monaten nach Deutschland gekommen sind, reichen solche Einzelmaßnahmen nicht aus. Allenthalben in Deutschland suchen deshalb Kommunen nach Wegen, die Unterkunftsproblematik zu lösen.

Das Land Berlin beispielsweise rief im November Vermieter von normalen Wohnungen dazu auf, ihre Apartments an Flüchtlinge zu vermieten. Darüber hinaus legte der Senat sechs Grundstücke am Stadtrand fest, auf denen Containerdörfer für Asylbewerber entstehen sollen. Das rief zwar umgehend Protestdemonstranten auf den Plan, freut aber manche Unternehmen: Container-Anbieter wie Containex und Siko zählen mittlerweile ganz offiziell auch Flüchtlingscontainer zu ihren Angeboten.


Proteste

Protest gibt es auch im noblen Hamburger Stadtteil Harvestehude, wo die Stadt aus dem ehemaligen Kreiswehrersatzamt ein Flüchtlingsheim machen will. Dem Widerstand nicht angeschlossen hat sich Uwe Schmitz, Vorstandsvorsitzender der Frankonia Eurobau, die ganz in der Nähe ihr exklusives Wohnprojekt Sophienterrassen realisiert:

„Es ist sinnvoll, die Flüchtlinge in einem funktionierenden Umfeld unterzubringen und nicht in Problemvierteln“, schreibt Schmitz auf der Projektwebsite der Sophienterrassen. Ähnlich sieht das der Verband baden-württembergischer Wohnungs- und Immobilienunternehmen (vbw): Nach seinen Worten sind viele Mitgliedsunternehmen bereit, Flüchtlinge in ihren Beständen unterzubringen.


Chancen durch Zuzug

Dass manche Immobilieneigentümer im Zustrom von Asylbewerbern sogar eine Chance sehen, verdeutlicht ein Beispiel aus Leipzig. Dort hat die Golden Gate GmbH vorgeschlagen, die in ihrem Eigentum befindliche ehemalige Bundeswehrklinik in Leipzig-Wiederitzsch in ein Asylzentrum umzuwandeln. Der Golden Gate GmbH, die mittlerweile einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt hat, war es zuvor nicht gelungen, andere Nutzungskonzepte für das Objekt zu realisieren.

Dafür, dass der Bau von Asylbewerberunterkünften beschleunigt werden kann, hat der Bund im Oktober die Voraussetzungen geschaffen – an eben jenem Tag, an dem Ministerin Hendricks die Immobilienbranche auf der Expo Real in München versetzte.

Das Bundeskabinett beschloss damals, eine Initiative des Bundesrates zu unterstützen, wonach solche Unterkünfte auch dann im Innenbereich zugelassen werden können, wenn sie sich nicht in die nähere Umgebung einfügen.

Das betrifft nach Angaben des Bundesbauministeriums beispielsweise Büro- oder Geschäftshäuser – möglicherweise also eine Chance für Eigentümer leer stehender Objekte dieser Art. Darüber hinaus wollen Bund und Länder das Baugesetzbuch so ändern, dass Flüchtlingsunterkünfte unter bestimmten Voraussetzungen auch in Gewerbegebieten errichtet werden dürfen.

 

Zuwanderer als Treiber des Immobilienmarkts

Bei allen Problemen durch die Zuwanderung sollte allerdings nicht übersehen werden, dass Menschen ausländischer Herkunft auch für Bewegung auf dem ganz normalen Immobilienmarkt sorgen. Das betrifft nicht nur Personen und Unternehmen ausländischer Herkunft, die ihr Geld in als sicher geltende deutsche Immobilien investieren, sondern auch Menschen mit Migrationshintergrund, die seit längerem in Deutschland leben.

Eine vom Verband der Privaten Bausparkassen (VPB) in Auftrag gegebene Untersuchung hat jedenfalls gezeigt, dass 43 Prozent der Teilnehmer an der (allerdings ausschließlich auf Deutsch durchgeführten und deswegen nur beschränkt repräsentativen) Befragung in der eigenen Immobilie wohnen. Das sind fast so viele wie im Bundesdurchschnitt (46 Prozent). „Wohneigentumspolitik“, sagt dazu VPB-Vorstandsvorsitzender Andreas J. Zehnder, „kann ein gutes Stück erfolgreicher Integrationspolitik sein.“ 



Schlagworte zum Thema:  Zuwanderung, Container, Leerstand, Sozialwohnung, Kommunen

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