23.12.2014 | Top-Thema Flüchtlingsheime: Kreativität contra Container

Wohnungsnot bei Armutsflüchtlingen

Kapitel
Duisburg ist ein beliebtes Ziel von Armutsflüchtlingen
Bild: Thomas Max Müller ⁄

2013 verzeichneten die Statistiker eine Nettozuwanderung von insgesamt 437.000 Menschen, so viele wie seit 1993 nicht mehr. Darunter waren neben gut verdienenden, von Anfang an bestens integrierten Menschen auch zahlreiche Asylbewerber und  Armutszuwanderer. Das stellt Kommunen vor große Probleme.

Es gab lange Gesichter bei den Verantwortlichen der Expo Real, als sie im Oktober kurzfristig die Absage des Besuchs von Bundesbauministerin Dr. Barbara Hendricks zur Kenntnis nehmen mussten. Für den Messe-Mittwoch hatte sich die SPD-Politikerin auf dem Branchentreff in München angekündigt – doch dann war sie in Berlin gefragt, weil sich das Bundeskabinett mit der Unterbringung von Asylbewerbern befasste. Nicht wenige Vertreter der Immobilienwirtschaft reagierten darauf verständnislos, ungefähr nach dem Motto: Da sind die wichtigsten Investoren, Projektentwickler und Finanzierer versammelt – und die zuständige Ministerin kümmert sich lieber um ein so abwegiges Thema wie die Unterbringung von Flüchtlingen.


Unterkünfte sind großes Problem

Gemach, gemach. Einmal abgesehen von der menschlichen Dimension des Flüchtlingselends hat die starke Zuwanderung nach Deutschland auch eine bedeutende immobilienwirtschaftliche Komponente.

Allein in den ersten zehn Monaten des Jahres 2014 beantragten 135.000 Menschen Asyl in Deutschland, 60 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Und 2013 verzeichneten die Statistiker eine Nettozuwanderung von insgesamt 437.000 Menschen, so viele wie seit 1993 nicht mehr.

Darunter waren neben gut verdienenden, von Anfang an bestens integrierten Menschen auch zahlreiche Asylbewerber und  Armutszuwanderer insbesondere aus Südosteuropa. Kein Wunder, dass die anhaltende Zuwanderung Kommunen und Wohnungsunternehmen vor erhebliche Herausforderungen stellt. „Das größte Problem“, sagt Dr. Ulrich Maly, Oberbürgermeister von Nürnberg und Präsident des Deutschen Städtetages, „sind die Unterkünfte“ – und zwar sowohl für Asylbewerber als auch für Armutsflüchtlinge.

 

Auswüchse beim Wohnen

Gerade die Armutsflüchtlinge aus Rumänien und Bulgarien „leben zum Teil in überfüllten Wohnungen und in verwahrlosten Immobilien“, heißt es beim Deutschen Städtetag. „Viele zahlen horrende Summen an Vermieter von heruntergekommenen Immobilien.“

Was das konkret bedeutet, zeigte sich im Oktober in München. Dort stießen die Behörden im Stadtteil Kirchtrudering auf eine Unterbringungssituation, die Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) als „unglaubliche Form der Ausbeutung mitten in München“ bezeichnete: Im Speicher und im Keller eines Zweifamilienhauses hausten etwa 30 Personen auf engstem Raum und unter katastrophalen hygienischen Verhältnissen.

Die Behörden beendeten diese „eklatanten und zum Teil gefahrdrohenden Missstände“ unverzüglich – und damit auch das mutmaßlich mit einer extrem hohen Rendite verbundene Geschäftsmodell des Vermieters.


Mannheim, Duisburg, Dortmund: Zuwandererziele

Andere Städte kennen schon länger solche Wohnhäuser, in denen skrupellose Vermieter Schlafplätze für monatlich mehrere hundert Euro anbieten. Mannheim, Duisburg und Dortmund sind nur einige der Kommunen, die ein besonders beliebtes Ziel von Armutszuwanderern aus Rumänien und Bulgarien sind.

In Dortmund zum Beispiel waren im Oktober 2014 knapp 7.000 Menschen aus Rumänien und Bulgarien offiziell gemeldet, darunter, wie Frank Bußmann, der stellvertretende Leiter der städtischen Pressestelle, betont, auch Menschen mit guter Qualifizierung. Fast zwei Drittel der in Dortmund gelandeten Bulgaren und Rumänen leben jedoch im Stadtbezirk Innenstadt-Nord, der von einer schwierigen sozialen Situation geprägt ist.

Schlagworte zum Thema:  Zuwanderung, Wohnungsnot, Sozialwohnung, Kommunen

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