29.09.2014 | Top-Thema Immobilienfinanzierung durch Crowdfunding

Regelungen und Richtlinien

Kapitel
Die Regelungen zum Crowdfunding sollen 2016 überprüft werden
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Für Deutschland wünscht sich Ullmann einen schnellen Erfolg der Idee. Der Vorteil liegt in den geringen Anlagesummen und in der einfachen Handhabung.

Der Kapitalsuchende fällt durch die Konzeption als Mezzaninkapital nicht unter das Kreditwesengesetz. Da es sich bei Finanzierungen in der Regel um Genussrechte oder Nachrangdarlehen handelt, besteht keine Prospektpflicht. Die Bundesregierung will daran auch nichts ändern, auch wenn Crowdinvesting ins Visier der Regulierung geraten ist. Der neue Gesetzentwurf für den Schutz von Kleinanlegern sieht die Regulierung von Genussscheinen, partiarischen Darlehen und Nachrangdarlehen vor. Für die Crowdfinanzierung sind Ausnahmen geplant. So darf ein Crowdfunding-Projekt künftig ein Gesamtvolumen von einer Million Euro nicht übersteigen. Einzelne Personen dürfen maximal 10.000 Euro pro Projekt investieren. Dann ist weiterhin kein Vermögensanlageprospekt notwendig. Die Plattformen müssen sich registrieren lassen. Ob diese Ausnahmen langfristig Bestand haben werden, hängt von der Branche selber ab. 2016 sollen die Regelungen überprüft werden. Ist das Crowdfunding dann nach wie vor frei von Anlageskandalen geblieben, dürfte sich an den Ausnahmen nichts ändern. Es sei denn, es gibt bis dahin eine einheitliche europäische Richtlinie, die diese Finanzierungsformen einschließt.

So lange haben Projektentwickler, aber auch Wohnungsgesellschaften, die etwa Geld für Renovierungen oder energetische Sanierungen brauchen, Zeit, die Masse anzuzapfen. Dabei steht die günstige Finanzierung im Vordergrund. Das Mezzaninkapital ist oftmals günstiger als der Bankkredit und belastet durch die (teilweise) Anerkennung als Eigenkapital nicht die Bonität. Die Geldgeber haben keine Mitspracherechte, der Kapitalnehmer bezahlt neben dem Zins lediglich eine Gebühr an die Plattform. Ullmann sieht daher ein großes Wachstumspotenzial: "Es macht in kaum einer anderen Industrie so viel Sinn wie bei Immobilien", ist er überzeugt.
Das sieht auch Schürmann so. "Die Regulierung öffnet der Immobilienbranche eine Tür für Mezzaninstrukturen. Das ist überfällig", ist er überzeugt. Viele Immobilienentwickler sind seiner Ansicht nach bereit, Mezzaninfinanzierungen in Anspruch zu nehmen und dafür auch höhere Zinsen zu bezahlen. Doch gebe es kaum Angebote. In diese Lücke könnte das Crowdinvesting stoßen. Er sieht Projektentwickler als die großen Profiteure des Crowdinvestings. "Es macht Projekte möglich, die bisher mangels Eigenkapital nicht realisierbar waren", so Schürmann.

Ausblick
Ullmann will nach dem Erfolg weitere Immobilien über die Plattform finanzieren lassen. Allerdings gestalte sich die Auswahl schwierig. Denn eine Plattform für Immobilienentwickler, die bei der Bank kein Geld mehr bekommen und nun andere Finanzierungsmöglichkeiten suchen, soll kapitalfreunde.de nicht werden. Daher will er die Zusammenarbeit auf einige ausgesuchte Projekt-
entwickler beschränken. Vorstellen kann sich Ullmann auch, andere Sachwerte wie erneuerbare Energien durch private Kleinanleger finanzieren zu lassen. Hier dürfte die Schwarmintelligenz der Anleger eine Auswahl treffen. Denn schlechte Projekte, das zeigen die Erfahrungen auf herkömmlichen Crowdfunding-Plattformen, bekommen erst gar nicht genug Geld.

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Schlagworte zum Thema:  Wohnungswirtschaft, Finanzierung

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