29.09.2014 | Top-Thema Immobilienfinanzierung durch Crowdfunding

Crowdfunding und Crowdinvesting

Kapitel
Im ersten Halbjahr 2014 wurden 8,3 Millionen Euro per Crowdinvesting gesammelt
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Schwarmfinanzierung erlebt in Deutschland einen regelrechten Boom.

In den ersten sechs Monaten des Jahres 2014 sammelten die verschiedenen Plattformen per Crowdinvesting 8,3 Millionen Euro ein. Im ersten Halbjahr 2013 waren es noch rund 5,3 Millionen Euro.

Finanziert werden bisher fast ausschließlich junge Start-up-Unternehmen. Die Entdeckung der Immobilienbranche ist allerdings ein logischer Schritt. "Das Crowdinvesting braucht die Immobilien, um bekannter zu werden", meint Vermögensverwalter Andreas Schürmann von der KSA Consulting Network GmbH im schweizerischen Altendorf. Immerhin interessieren sich mehr Menschen für eine Immobilienanlage als für eine Unternehmensbeteiligung.
Die aktuellen Crowdinvesting-Angebote scheinen das zu belegen. Die Plattform Companisto hat innerhalb weniger Tage mehr als zwei Millionen Euro von über 570 Investoren für ein Hotelprojekt an der Ostseeküste eingesammelt. Nun wurde die Zielsumme auf vier Millionen Euro erhöht. In Weissenhaus entwickelt der ehemalige AOL-Manager Jan Henric Buettner einen Ferienort der Superlative. Dafür kaufte er quasi den nahezu ausgestorbenen Ort und investierte 65 Millionen Euro. Schon in diesem Jahr sollen die ersten gut zahlenden Gäste in dem Luxus-Ferienort ihren Urlaub verbringen. Über Companisto können Anleger über Genussscheine indirekt am Erfolg des Hotels teilhaben. Als Sicherheit dienen die besicherten Grundstücke und Buettners Privatvermögen.

Plattformen in Deutschland und den USA
Der Erfolg findet immer mehr Projekte. Die seit 2012 am deutschen Markt agierende Handelsplattform Bergfürst Bank AG wagt sich schon an größere Objekte. Anleger können sich am 1905 errichteten "Middendorf Haus" im Hamburger Portugiesen-Viertel zwischen Landungsbrücken und Michel beteiligen. Über Genussscheine will Bergfürst insgesamt eine Million Euro für die Finanzierung des Kaufes einsammeln. Das Kapital der Anleger soll jährlich mit 3,5 Prozent verzinst werden. Zusätzlich winkt eine nicht näher bezifferte Beteiligung an einem möglichen Verkaufsgewinn. Anleger können ab 250 Euro investieren.

Trotz der steigenden Zahl der Plattformen, die um Investorengeld für Immobilien buhlen, befindet sich der Markt erst im Aufbau. In anderen Ländern ist die Finanzierung von Immobilien über die Crowd schon deutlich weiter fortgeschritten. Für den New Yorker Immobilienentwickler Prodigy Network ist die Crowd zum festen Bestandteil des Finanzierungsmixes geworden. Für eine 120 Millionen Dollar teure Wohnimmobilienentwicklung an der Wall Street steuerten Investoren über das Internet insgesamt 31 Millionen Dollar bei. Der Rest sind klassische Kredite und institutionelles Kapital.

Solche hohen Summen sind in Deutschland noch utopisch. Bei der Deutschen Mikroinvest hält man Investitionssummen von bis zu 3,5 Millionen Euro für einzelne Projekte für realistisch umsetzbar. Das Unternehmen selber will demnächst erste Immobilienprojekte präsentieren, die aber in der Größenordnung zwischen 1,3 und 1,6 Millionen Euro
liegen sollen.

Schlagworte zum Thema:  Wohnungswirtschaft, Finanzierung

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