08.09.2014 | Top-Thema Finanzierung: Die Wohnungswirtschaft im Niedrigzinsumfeld

Worauf Wohnungsunternehmen im Niedrigzinsumfeld achten müssen

Kapitel
Niedrige Zinsen: Fluch und Segen für Wohnungsunternehmen
Bild: Haufe Online Redaktion

Auch für Wohnungsunternehmen sind niedrige Zinsen Fluch und Segen zugleich.

Kredite sind dadurch zwar günstig und aufgrund der hohen Liquidität in den Märkten auch wieder leicht erhältlich, aufgrund eines  mittelbaren Effektes – der oben  beschriebenen Assetpreisinflation – steigen jedoch gleichzeitig die Immobilienpreise. Auf den "natürlichen" Entwicklungsmarkt von Wohnungsunternehmen drängen Investoren, die nur unter Renditeaspekten Anlagemöglichkeiten für ihre Liquidität suchen. Je niedriger das allgemeine Zinsniveau und je enger der Markt im hochklassigen Segment wird, desto geringer die Preissensitivität und desto größer die Investitionsbereitschaft, auch für B- und schließlich sogar C-Lagen.

Eingeschränkter Handlungsrahmen
Auch wenn zu Recht konstatiert wird, eine Preisblase sei auf dem deutschen Wohnungsmarkt im Vergleich zu anderen Märkten derzeit noch nicht zu befürchten, engt diese Situation den Handlungsrahmen für Wohnungsunternehmen bei Investitionen dennoch stark ein. Die Lösung kann damit nur in einer äußerst sensiblen und genauen Bewertung der in Frage kommenden Objekte liegen. Von den Rahmenbedingungen jenes Investors, der die Auswahl zwischen unterschiedlichen  Assetklassen hat, um auf kurzfristige Perspektive Gewinne zu erwirtschaften, darf sich die Wohnungswirtschaft mit ihrer langfristigen und nachhaltigen Unternehmenspolitik nicht unter Druck setzen lassen. Im derzeitigen Finanzierungs- und Renditeumfeld kann das allzu schnell an die Substanz gehen. Zumal die Notwendigkeit zur Sanierung und Modernisierung vieler Bestände nach wie vor gegeben ist und entsprechenden Finanzierungsaufwand erfordert. Die anstehenden energetischen Maßnahmen, der unvermeidliche Nachvollzug gesellschaftlicher Entwicklungen wie der altersgerechte Umbau oder die Reaktion auf den Trend zum Single-Haushalt  sind in der gegenwärtigen Niedrigzinsphase auch leichter zu bewältigen. Allerdings sollte bei allen Investitionsrechnungen auch das Szenario wieder steigender Zinsen berücksichtigt werden. Gerade hier gilt es, kaufmännisch vernünftig zu planen.

Zurückhaltende Renditeerwartungen sichern auch die eigenen Liquiditätsreserven, die trotz der niedrigen Zinsen wichtig bleiben. Auch hier sollte immer eine Rendite-/Risiko-Abwägung erfolgen und eine Ansteckung zur Renditejagd unter Vernachlässigung der Risiken vermieden werden. Es ist zu erwarten, dass die Zinswende kommen wird, auch wenn sich das noch nicht auf einen zeitlichen Rahmen fixieren lässt.

Fazit
Insgesamt sollte diese Niedrigzinsphase dazu genutzt werden, weiter Substanz zu bilden, ohne die langfristigen Anforderungen an die Kapital- und Liquiditätsplanung zu vernachlässigen. Denn noch immer sind die Strukturreformen und auch die fortschreitende Bankenregulierung nicht abgeschlossen, so dass auch ihre kumulativen Auswirkungen auf die Volkswirtschaften abzuwarten bleiben.

Der Beitrag von Thomas Orthmanns ist ein Vorgeschmack auf den Themenschwerpunkt Finanzierung in der DW 10/2014.

Schlagworte zum Thema:  Wohnungswirtschaft, Finanzierung, Zinsen, Finanzmärkte

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