08.09.2014 | Top-Thema Finanzierung: Die Wohnungswirtschaft im Niedrigzinsumfeld

EZB betritt Neuland

Kapitel
Thomas Ortmanns, Mitglied des Vorstands der Aareal Bank AG
Bild: Privat

In ihren Bemühungen um die Stabilisierung der Finanzmärkte im Euroraum betrat die europäische Zentralbank am 5. Juni 2014 Neuland. Die Zentralbank senkte den Hauptrefinanzierungssatz auf 0,15 Prozent und verlangte für Einlagen von Banken zum ersten Mal in ihrer Geschichte einen negativen Zins von -0,1 Prozent.

Darüber hinaus beschloss die europäische Zentralbank ein Programm von zunächst 400 Milliarden Euro zur Ankurbelung der Kreditversorgung der Realwirtschaft. Am 4. September 2014 ging die EZB noch einen Schritt weiter und kündigte eine Senkung des Hauptrefinanzierungssatzes auf ein Rekordtief von 0,05 Prozent und einen Negativzins für Einlagen von Banken von -0,2 Prozent an. Die Notenbank hat außerdem ein Programm zum Ankauf von Verbriefungen und gedeckten Schuldverschreibungen angekündigt und sogar eine Fortsetzung ihrer Niedrigzinspolitik für die nächsten zweieinhalb Jahre in Aussicht gestellt. Damit bleibt die Zentralbank im sechsten Jahr der Finanzmarktkrise klar auf expansivem Kurs.

Der expansiven Geldpolitik ist es sicherlich in weiten Teilen zu verdanken, dass eine massivere Störung des Finanzsystems in den Jahren 2008 und 2009 und später vielleicht sogar das Auseinanderbrechen der Eurozone in den Jahren 2011 und 2012 vermieden werden konnte. Diese Geldpolitik hat dabei allen Akteuren Zeit verschafft, ihre Hausaufgaben im Hinblick auf die Sanierung der Staatsfinanzen bzw. Neuausrichtung der Geschäftspolitik der Banken zu erledigen. Sie ist aber kein Ersatz für notwendige Strukturreformen. Diese sind zwar schon auf gutem Weg, allerdings bleibt immer noch viel zu tun.
Die jüngsten Maßnahmen der EZB, u. a. das oben genannte Kreditprogramm, zielen nun direkt darauf, die Kreditvergabe in Südeuropa wieder in Gang zu bringen. Dies wird aber nur gelingen, wenn die Strukturreformen greifen und die Volkswirtschaften und damit die Unternehmen und die Privathaushalte daran partizipieren. Nur dann werden die Kreditinstitute trotz der verschärften Risiko- und Bilanzierungsregelungen auch bereit sein, neue Kredite in großem Umfang zu vergeben. Die alleinige Zurverfügungstellung von Liquidität wird nicht reichen.

Schlagworte zum Thema:  Wohnungswirtschaft, Finanzierung, Zinsen, Finanzmärkte

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