30.09.2014 | Top-Thema EU-Vorgaben verdrängen Niedrigtemperaturtechnik aus dem Markt

Gasetagenheizungen

Kapitel
Kosten für die Umrüstung von Niedrigtemperaturgeräten sind in der Investitionsplanung zu berücksichtigen
Bild: Haufe Online Redaktion

Bei den Gasetagenheizungen ist eine differenzierte Betrachtung nötig. Zu unterscheiden ist zwischen raumluftabhängigen Geräten in Mehrfachbelegung und raumluftunabhängigen Geräten in Mehrfachbelegung.

Raumluftabhängige Geräte in Mehrfachbelegung

Für die sog. B1-Geräte, die raumluftabhängig und in Mehrfachbelegung des Schornsteins arbeiten, ändert sich durch die Ökodesign-Verordnung nichts. B1-Geräte umfassen schätzungsweise etwa 80 Prozent des Marktes an Gasetagenheizungen. In den Erwägungsgründen zur Verordnung wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es bei mehreren raumluftabhängigen Heizgeräten am selben Schornstein aus technischen Gründen nicht möglich sei, einzelne Geräte am selben Schornstein durch Brennwertgeräte zu ersetzen. Deswegen ermöglicht die Verordnung, eigens für eine solche Konfiguration ausgelegte Nichtbrennwert-Thermen am Markt zu lassen. Dadurch sollen den Verbrauchern unangemessene Kosten erspart werden.

Raumluftunabhängige Geräte in Mehrfachbelegung
Die Verordnung berücksichtigt allerdings nicht, dass es zumindest in Deutschland auch raumluftunabhängige Geräte mit Mehrfachbelegung am Schornstein gibt, sog. LAS-Geräte (Luft-Abgas-System – die Zuluft wird über den Schornstein zugeführt, sog. C4-Geräte). Die LAS-Geräte sind formal nicht von der Typ B1-Ausnahme erfasst. Sie können nach dem gegenwärtigen Verordnungsstand bei einem zukünftigen Austausch nur noch durch Brennwertgeräte ersetzt werden. Dies zieht eine Ertüchtigung des Abgas-Schornsteins nach sich und in Folge die Umrüstung auch aller anderen Geräte an diesem Schornstein. Erschwerend kommt hinzu, dass sich ein Teil der Geräte in Mietereigentum befinden.

Da die EU-Verordnung entsprechend der Erwägungsgründe den Verbrauchern unangemessene Kosten ersparen will und es aus technischen Gründen auch bei raumluftunabhängigen Heizgeräten bei Mehrfachbelegung am selben Schornstein unmöglich ist, einzelne Geräte zu ersetzen, muss der Sinn dieser Erwägung der Europäischen Kommission aber auch auf LAS-Geräte zutreffen. Der GdW hat deshalb Kontakt zur Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) aufgenommen, die als beauftragte Stelle zum Ökodesign die deutschen Ministerien berät, die Beteiligten informiert und die Marktaufsicht koordiniert. Der GdW hat darum gebeten, eine Gleichstellung der LAS-Geräte mit den Typ B1-Geräten zu erwirken. Dieser Prozess befindet sich noch in Bearbeitung.

Empfehlungen
Für die Wohnungsunternehmen ergeben sich folgende dringende Empfehlungen:
•    Vornahme einer Bestandsaufnahme aller Thermen: Niedertemperatur oder Brennwert, Einfach- oder Mehrfachbelegung, raumluftabhängig oder raumluftunabhängig.
•    Bei den raumluftabhängigen Thermen in Mehrfachbelegung besteht kein Handlungsbedarf. Bei den raumluftunabhängigen Thermen mit Mehrfachbelegung ist jedoch Abwarten zu empfehlen, ob sie den raumluftabhängigen gleichgestellt werden können. Dann bestünde hier ebenfalls kein Handlungsbedarf.
•    Für Thermen in Einzelbelegung sollte mit den Wartungsfirmen eine verlässliche Ersatzteillieferung über einen ausreichenden Zeitraum vereinbart werden. In den Investitionsplanungen sind die erhöhten Kosten für die Umrüstung von auszutauschenden Niedertemperaturgeräten auf Brennwertgeräte einzuplanen.

Schlagworte zum Thema:  Wohnungswirtschaft, Wärme, Energie

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