30.09.2014 | Top-Thema EU-Vorgaben verdrängen Niedrigtemperaturtechnik aus dem Markt

Bewertung durch den GdW

Kapitel
Modernisierungsmaßnahmen – wie der Ersatz eines Heizkessels – können sich mieterhöhend auswirken
Bild: Haufe Online Redaktion

Das Umsetzungsverfahren der Ökodesign-Richtlinie war mangelhaft. Die Ökodesign-Anforderungen an Heizkessel wurden bereits seit 2006 auf europäischer Ebene unter Einbindung der Regierungen und der Hersteller beraten.

Die Folgen der bereits im September 2013 im Amtsblatt der EU veröffentlichten Verordnung erschließen sich allein im Zusammenhang mit weiteren Berechnungsvorschriften. Es wurde zu keiner Zeit kommuniziert, dass die Verordnung auf ein Brennwertgebot hinausläuft. Durch die im Prozess beteiligten Hersteller wurden die Anforderungen als von ihnen leistbar eingeschätzt. Anwender wurden dazu nicht gehört.

Besonders unverständlich ist, dass im Herbst 2013 die Novelle der Energieeinsparverordnung verabschiedet wurde, die im Zusammenhang mit Anforderungen an die Außerbetriebnahme von Kesseln, die nicht Brennwert- oder Niedertemperaturkessel und älter als 30 Jahre sind, ebenfalls einen erheblichen Analyseaufwand in den Wohnungsunternehmen erzeugt hat.

Mieter als Leidtragende

Letztendlich werden die Mieter die Leidtragenden sein. Der Ersatz eines Heizkessels durch einen Kessel mit höherem Nutzungsgrad stellt eine Modernisierungsmaßnahme dar, deren Kosten, soweit sie nicht Kosten der Instandsetzung sind, mieterhöhend wirken können.
Die Vorstudie zum Ökodesign von Heizkesseln hat in ihren politischen Schlussfolgerungen deutlich gemacht, dass die EU erwartet, dass die Preise der Brennwerttechnik durch die Umsetzung der Ökodesign-Maßnahmen sinken, weil die Produktionszahlen steigen. Der GdW erwartet von den Herstellern eine dementsprechende Preispolitik, insbesondere vor dem Hintergrund, dass in den Jahren 2000-2013 die Preisindizes für die Bauleistung "Brennwertkessel" doppelt so stark gestiegen sind wie die Inflation (+ 50,5 % für Brennwertkessel im Vergleich zu + 24,5 % Inflation), wie das Statistische Bundesamt festgestellt hat.

Nach verschiedenen Studien arbeitet ein Teil der Brennwertkessel auch in geeigneten Gebäuden nicht im Brennwertbetrieb, bei bis zu zwei Dritteln der Brennwertgeräte besteht laut Verbraucherzentrale Bundesverband zum Teil erheblicher Optimierungsbedarf. Es bedarf hier einer Informations- und Qualifizierungsoffensive, um die Vorteile der Technik auch in der Praxis zu erschließen. Die Wohnungswirtschaft hat mit verschiedenen ALFA-Projekten (Allianz für Anlageneffizienz) nachgewiesen, wie solch eine Offensive erfolgreich sein kann.

Schlagworte zum Thema:  Wohnungswirtschaft, Energie, Wärme

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