Erstes Gutachten zu Baukosten für Schleswig-Holstein

Für Schleswig-Holstein liegt das erste detaillierte Gutachten dieser Art zu den Kostentreibern im Wohnungsneubau vor. Wesentliche Differenzen ergeben sich demnach aus den Grundstückspreisen. Die Studie setze bundesweit Maßstäbe, sagte Innenminister Hans-Joachim Grote.

Analysiert wurden für das " Gutachten zum Thema Baukosten und Kostenfaktoren im Wohnungsbau in Schleswig-Holstein" der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen (Kiel) 7.130 Wohnungen mit einem Investitionsvolumen von rund 1,4 Milliarden Euro. Das entspricht mehr als 30 Prozent der in den vergangenen drei Jahren in Schleswig-Holstein fertiggestellten Neubauwohnungen in Mehrfamilienhäusern. Da zum Vergleich rund 30.000 bundesweit erfasste Wohnungen herangezogen wurden, reicht die Bedeutung des Gutachtens über das Land hinaus. Die Studie habe deutschlandweite Bedeutung, sagte Innenminister Grote auf der Fachtagung "Neue Perspektiven für den Wohnungsbau" in Kiel.

Reine Baukosten einheitlich, Grundstückskosten differieren

Aus dem Gutachten geht hervor, dass die reinen Baukosten im Land weitgehend gleich hoch sind. Wesentliche Differenzen ergeben sich demnach aus den Grundstückskosten in der jeweiligen Region und unterschiedlichen Ansprüchen. So werden etwa neue Häuser für Mietwohnungen im Hamburger Umland, in Kiel und Lübeck deutlich häufiger mit Tiefgaragen gebaut als in kleineren Städten. Damit wird es erheblich teurer.

Mit dem Gutachten, laut Grote "eine Art Werkzeugkasten für die frühzeitige Planung", sollen Bauherren bereits bei der Planung einschätzen können, ob beispielsweise ein Keller oder eine Tiefgarage zwingend notwendig sind, oder ob aufgrund der dafür anfallenden Kosten darauf verzichtet werden kann.

Zuschüsse zur Wohnraumförderung in Schleswig-Holstein erhöhen

Um einen weiteren Impuls bei der Schaffung von bezahlbarem Wohnraums zu setzen, wolle das Land Schleswig-Holstein die Zuschüsse in der Wohnraumförderung erhöhen und "zwar um bis zu 125 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche", sagte Grote. Damit würde den Investoren in den Hochpreisregionen zusätzlich zum zinsgünstigen Förderdarlehen ein Zuschuss von insgesamt 375 Euro pro Quadratmeter Neubau-Wohnfläche zur Verfügung stehen. Dies sei ein wichtiger Beitrag, um die Kosten für die Investoren in einem bezahlbaren Rahmen zu halten, so Grote.

Baukosten auf den Inseln und im Hamburger Umland am höchsten

Die höchsten Baukosten haben die Ersteller des Gutachtens für die Inseln und das Hamburger Umland ermittelt. Im Durchschnitt wurden 2.581 Euro Baukosten pro Quadratmeter Wohnfläche errechnet, die Grundstückskosten lagen im Landesmittel bei 246 Euro je Quadratmeter. Es ginge aber auch billiger: 20 Prozent der erfassten Projekte wurden mit Baukosten von 1.800 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche realisiert. Gegenüber Hamburg lagen die Gesamtkosten im Landesdurchschnitt um 25 Prozent niedriger.

Bauliche Qualität im Neubau hoch

Die Gutachter kamen zu dem Schluss, dass die bauliche Qualität im Neubau in Schleswig-Holstein unabhängig vom Standort hoch ist. Öffentlich geförderte Neubauwohnungen weisen demnach meist einen höheren energetischen Standard auf.

Auch im Bundesvergleich kommt der Norden energetisch besser weg. Den Grund sehen die Autoren des Gutachtens darin, dass die hier gebauten Wohnungen in den vergangenen Jahren um zehn Quadratmeter kleiner waren als in Deutschland insgesamt.

Wohnunswirtschaft legt Baukosten nicht 1:1 auf Miete um

Dem Gutachten zufolge hat die Wohnungswirtschaft im Land etwa seit 2015/16 die stark gestiegenen Baukosten nicht im gleichen Maß auf die Neubaumieten umgelegt. Den Kommunen raten die Gutachter, eine "gezielte Baulandpolitik sowie ein vorausschauendes Grundstücksmanagement" zu betreiben, um ausreichend Bauland vorzuhalten. Der Mange an Bauland gilt als eines der wichtigsten Hindernisse für mehr Wohnungsbau.

Im Hinblick auf die Kosten im Verhältnis zum Nutzen empfehlen die Gutachter, Standards zum Beispiel für Energieeffizienz, Barrierefreiheit, Brand- und Schallschutz oder Sturm- und Schneesicherheit nicht weiter zu erhöhen. Das Qualitätsniveau sei bereits sehr hoch. Es sollte auch immer geprüft werden, ob Keller oder Tiefgarage tatsächlich benötigt werden.


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