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Gemeinsam mehr erreichen: Erste Werkstatt zum Thema Energie und Gebäude

Bild: Torsten George

Am 19. und 20.10.2015 trafen sich im Hotel Grand Hyatt in Berlin Teilnehmer aus Wohnungswirtschaft und Industrie zur Werkstatt – ihr Thema: Energie und Gebäude. Das Veranstaltungskonzept, das die Fachzeitschrift DW Die Wohnungswirtschaft in Kooperation mit dem GdW entwickelt hat, soll die Kommunikation zwischen den Akteuren intensivieren und dazu anregen, gemeinsam neue Ideen und Lösungen zu entwickeln.

Die Energiewende ist ein Thema, mit dem sich Wohnungswirtschaft und Industrie gleichermaßen beschäftigen – allerdings oftmals aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Um sich für kommende Herausforderungen zu wappnen, müssen beide Seiten für Unterschiede und Gemeinsamkeiten sensibilisiert werden, und das Wichtigste: Sie müssen eine gemeinsame Sprache finden. Hier setzt das Konzept der Werkstatt an und bietet verschiedene kommunikative Formate: Vorträge und Diskussionen, einen Businesslunch, Vier-Augen-Gespräche, ein Kochevent sowie Gelegenheiten zum informellen Austausch.

Am ersten Veranstaltungstag führte GdW-Präsident Axel Gedaschko mit seinem Impulsvortrag in das Thema ein. Er fasste bisherige Erfolge der Wohnungsunternehmen zusammen und würdigte die Vorreiterrolle der Wohnungswirtschaft im Bereich der  energetischen Sanierung. Mit Blick auf die Zukunft regte er zum Umdenken an. "Wir sanieren zurzeit für die Umwelt, aber nicht für die Mieter", kommentierte er die teilweise nicht kostenneutral umsetzbaren Maßnahmen zur energetischen Ertüchtigung.

Lebhafter Austausch beim Businesslunch

Bei einem Vier-Gänge-Menü in der Hotelbibliothek konnten die insgesamt knapp 40 Teilnehmer an vier Thementischen miteinander ins Gespräch kommen.

Der Thementisch "Dezentrale Lösungen im Quartier" wurde von DW-Redakteur Olaf Berger moderiert, der die Runde bei der Zusammenfassung am Folgetag augenzwinkernd für ihre Diszipliniertheit lobte. Erkennbar war das starke Interesse an der Bildung strategischer Allianzen, an Kooperationsmodellen und der gemeinsamen Durchführung von Pilotprojekten. Es gelte ferner, das Ausbremsen von Quartierslösungen und Mieterstrommodellen zu beenden, so der Tenor in der Gruppe. Der Analyse der Anlagensteuerung wurde im Gegensatz zur Dämmung ein großes Potenzial zur Effizienzsteigerung zugesprochen. Am Ende des Businesslunchs stand eine Metapher, die die Gemeinsamkeit veranschaulicht: Da Zielbahnhof und Gleislage der Energiewende noch unklar seien, müsse man sich gemeinsam auf die Reise machen und zusammen für realistischere politische und technische Anforderungen eintreten.

DW-Chefredakteurin Ulrike Silberberg und wi-Chefredakteurin Katharina Burkardt leiteten jeweils einen Tisch zum Thema "Gebäudehülle". Auch hier stand der Ruf nach besserer Zusammenarbeit im Mittelpunkt, so kritisierten zum Beispiel Vertreter der Industrie die mangelnde Offenheit gegenüber Innovationen, obwohl diese die Renovierungszyklen verlängern könnten. Auch die Architekten standen in der Kritik, und so wurde der Ruf nach einer "Bauherrenrunde" und insgesamt einer Intensivierung der Planungsphase laut, um dann schneller und kostengünstiger bauen zu können.

Der von Immobilienwirtschaft-Chefredakteur Dirk Labusch moderierte Thementisch "Facility Management in der Wohnungswirtschaft" formulierte die Forderung nach einer Schnittstellenvereinheitlichung. Kabelnetzsteuerung war ein weiterer kontrovers diskutierter Punkt an diesem Tisch.

Vier-Augen-Gespräche zur Vertiefung

Nach dem Businesslunch hieß es dann: "Die Wohnungsunternehmen bitten die Industrie zum Gespräch." Vertreter der Wohnungsunternehmen waren an einzelnen Tischen positioniert und wurden dort von den Teilnehmern aus der Industrie aufgesucht. Das Konzept ging auf, jeder hatte die Chance, sich über die für ihn besonders relevanten Punkte auszutauschen. Beim anschließenden Rollenwechsel waren dann die Teilnehmer aus der Wohnungswirtschaft diejenigen, die sich ihre Gesprächspartner aussuchen konnten.

Networking goes Cooking – ein Abend im Kochatelier

Der ereignisreiche erste Veranstaltungstag mündete in ein Event im Kreuzberger Kochatelier. Zwei der vier Gänge wurden von den Teilnehmern gemeinsam zubereitet. Die fachkundige Anleitung und die lockere Atmosphäre sorgten dafür, dass nicht nur passionierte Hobbyköche auf ihre Kosten kamen, sondern wirklich jeder etwas zur gemeinsamen Mahlzeit beitragen konnte.

Wo geht es hin? Ausblicke am zweiten Tag

Fabian Viehrig, wissenschaftlicher Mitarbeiter des GdW, lieferte in seinem Vortrag am nächsten Morgen reichlich Input für weiterführende Überlegungen. "Wenn wir ein Problem gelöst haben, schafft die Politik ein neues", fasste er das Verhältnis von Wohnungswirtschaft und Politik trocken zusammen und sorgte damit für einige Lacher. Ob das Anforderungssystem der EnEV zielführend ist und sich eignet, um den Energiefahrplan der EU zu erfüllen, war einer der Punkte, die für Einwürfe aus dem Publikum sorgten. Wenn zum Ende eines Vortrags gleich zwei Anwesende spontan aufstehen und ergänzende Überlegungen vorstellen, ist das wohl ein Zeichen dafür, dass die angesprochenen Themen ins Schwarze getroffen haben.

Nach einer Zusammenfassung der Ergebnisse des Vortags klang die Werkstatt mit einem gesprächigen Mittagessen allmählich aus. Das erste Feedback bei der Verabschiedung zeigte, dass Wohnungswirtschaft und Industrie die Chance angenommen haben, sich bei der Werkstatt noch besser zu vernetzen. Welche Ideen und Pilotprojekte aus der ersten Werkstatt entstanden sind, wird sich in den nächsten Monaten zeigen – wir halten Sie auf dem Laufenden.

Hier geht's zur Bilderserie "Werkstatt 2015 zum Thema Energie und Gebäude"

Schlagworte zum Thema:  Wohnungswirtschaft, Veranstaltung, Energie, Energieeffizienz, Wärme

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