21.05.2013 | Top-Thema Energie - sicher und bezahlbar

Interview mit Siegfried Rehberg: Qualität ist eine Qualifizierungsaufgabe

Kapitel
Siegfried Rehberg
Bild: BBU

Entscheider aus der Wohnungswirtschaft und Energieexperten bemängelten unisono für das energetische Bauen und Sanieren eine klaffende Lücke zwischen den theoretischen Berechnungen in der Planung und den real eintretenden Energie- und damit Emissionseinsparungen. Hierzu ein Interview mit Siegfried Rehberg vom Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e. V., Berlin (BBU).

Wie verbreitet ist die Qualitätskontrolle im Heizungsbetrieb in der Wohnungswirtschaft?
Qualitätskontrolle findet statt, aber auf einem, verglichen mit den komplexen Anlagen, sehr niedrigen Niveau. 2003/2005 führte das Forschungsprojekt „Optimus“ von Prof. Dr. Wolff, FachHochschule Wolfenbüttel, für die Deutsche Bundesstiftung Umwelt zu dem Ergebnis, dass es erhebliche Effizienzpotenziale bei Heizungsanlagen gibt.
Wir haben uns parallel im BBU mit Angeboten der Contracting-Unternehmen ­beschäftigt, um festzustellen, was sie zur Steigerung der Energieeffizienz besser als Wohnungsunternehmen können: Contractoren überwachen i.d.R. die Heizungsanlagen kontinuierlich und können aufgrund ihrer Kenntnis die Anlagen optimieren.
U. a. aus diesem Wissen ist beim BBU 2007 das Projekt „ALFA® – Allianz für Anlageneffizienz“ entstanden. Es war erfolgreich, weil die beteiligten Wohnungsunternehmen gemerkt haben, dass sie mit einem einmaligen Aufwand von 5 bis 7 €/m2 den Energieverbrauch deutlich senken können. Das Projekt ist mit unserer Hilfe auch vom Verband Norddeutscher Wohnungsunternehmen weiterentwickelt worden. Es ist dort mit 70 Objekten angelaufen und wird im Moment ausgewertet. Ein weiterer Kooperationspartner ist der Verband Thüringer Wohnungswirtschaft.


Was ist die Voraussetzung bei Wohnungsunternehmen, um die Qualitätssicherung vornehmen zu können?
Es muss sichergestellt sein, dass die Soll-Werte für den Betrieb der Heizungs- und Warmwasserbereitungsanlagen wie „Fahrkurven“, „Temperatureinstellungen“, „Abgaswerte“ kontinuierlich bei allen Wartungen kontrolliert werden. Voraussetzung ist die Optimierung aller Anlagenteile und –parameter. Ein hydraulischer Abgleich von Heizungs- und Warmwasseranlagen wäre zu empfehlen.


Für wie hoch halten Sie die Optimierungspotentiale?
Das sind nach unseren Erfahrungen so um die 15 %. Der Beitrag der Optimierung von Anlagen kann ebenso hoch sein wie der Ertrag thermischer Solaranlagen, hat ganz aktuell Prof. Dr. Wolff in einer neuen Studie festgestellt. Man sollte nach seiner Erfahrung bestehende Anlagen optimieren und sie mit hoher Qualität betreiben und sich dann erst in einem zweiten Schritt um die Integration Erneuerbarer kümmern.


Wie hoch sind nach Ihren Erfahrungen die laufenden Kosten für die Qualitätssicherung?
Die müssen nicht hoch sein, aber die Leistungsinhalte der Wartungsverträge müssen präzisiert werden. Soll-Werte müssen vorgegeben, Transparenz muss über jede Anlage hergestellt, Wartungsaufgaben müssen klar definiert, dokumentiert und kontrolliert werden. Außerdem müssen veränderte Einstellungen in den Anlagen dokumentiert werden, damit sich diese nachverfolgen und ggf. rückgängig machen lassen.


Wie kann man bei Wartung Qualität sichern?
Qualität ist eine Qualifizierungsaufgabe. Die Wartungshandwerker, aber auch die Mitarbeiter der Wohnungsunternehmen müssen ständig qualifiziert werden.
Wohnungsunternehmen sollten sich mehr Transparenz verschaffen über das, was in ihren Heizungsanlagen passiert. Das muss einhergehen mit besserer Zusammenarbeit der technischen und kaufmännischen Abteilungen. Beispielsweise sollten Abläufe angepasst werden. So sollten alle Energierechnungen nicht nur die Buchhaltungen, sondern auch die Techniker erhalten, damit sie abgleichen können, was ihnen viele Hausmeister an monatlichen Überwachungsdaten liefern, um spätestens am Ende einer Abrechnungsperiode noch vorhandene Effizienzpotenziale zu erschließen.
Herr Rehberg, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Pia Grund-Ludwig.

Schlagworte zum Thema:  Energiewende

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