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Studie: Sachsen spaltet sich demografisch

Dresden ist eine von vier sogenannten Schwarmstädten in Sachsen (Symbolfoto)
Bild: Haufe Online Redaktion

In Sachsen gibt es vier sogenannte Schwarmstädte, in denen die Zahl der Einwohner sehr stark ansteigt, und 391 Gemeinden, die Einwohner verlieren. In diesen Schrumpfungsregionen leben derzeit 48 Prozent der Einwohner Sachsens. Zu diesen Ergebnissen kommt die Empirica-Studie "Schwarmverhalten in Sachsen" im Auftrag des Verbands Sächsischer Wohnungsgenossenschaften e.V. (VSWG), des vdw Sachsen Verbands der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft e.V. (vdw Sachsen) und der Sächsischen Aufbaubank – Förderbank – (SAB).

Insgesamt existieren in Sachsen vier Schwarmstädte: Leipzig, Dresden, Freiberg und Chemnitz, die von 2009 bis 2014 eine Kohortenwachstumsrate von mehr als 200 aufwiesen. Neben diesen Schwarmstädten gewinnen weitere neun Gemeinden mit mehr als 20.000 Einwohnern durch das Schwarmverhalten Einwohner hinzu. Dies sind zum einen Gemeinden im direkten Umland von Dresden und Leipzig (Freital, Radebeul, Markkleeberg), die als Erweiterung der Schwarmstädte angesehen werden können. Zum anderen sind dies Meißen, Görlitz, Plauen, Pirna, Glauchau und Zwickau, bei denen laut Studie von einer eigenen Anziehungskraft gegenüber der direkten Umgebung auszugehen ist.

Zu den Verlierern des Schwarmverhaltens zählen insgesamt 391 Gemeinden mit insgesamt rund 1,9 Millionen Einwohnern, die praktisch in alle Richtungen Einwohner verlieren. In diesen Schrumpfungsregionen wohnen derzeit 48 Prozent der Einwohner Sachsens. Verlierer sind mit der Ausnahme der Suburbanisierungsgemeinden um Leipzig und Dresden sämtliche Gemeinden mit weniger als 10.000 Einwohnern und 29 von 44 der Gemeinden zwischen 10.000 und 20.000 Einwohnern sowie die größeren Städte Hoyerswerda, Riesa, Grimma, Zittau, Limbach-Oberfrohna, Werdau, Coswig und Annaberg-Buchholz. Diese dürften weiter schnell schrumpfen.

Schlussfolgerungen aus den Ergebnissen

Die Entwicklung kann als demografische Spaltung Sachsens beschrieben werden. Die Bevölkerungsverschiebung zugunsten einiger weniger Städte und zulasten aller anderen Gemeinden stellt sämtliche öffentlichen und privaten Leistungsanbieter vor erhebliche  Aufgaben. In den ausblutenden Regionen wird die vorhandene Infrastruktur immer weniger ausgelastet. Auf der anderen Seite reichen in den Schwarmstädten die Kapazitäten nicht aus: Es kommt zu einer Anspannung des Wohnungsmarkts, die ausreichende Versorgung mit Kita- und Schulplätzen ist gefährdet, Bauämter müssen ihre Kapazitäten ausbauen, Investitionen in die öffentliche und private Infrastruktur sind nötig.

Die auftraggebenden Verbände fordern daher, die richtigen Konsequenzen aus der Studie zu ziehen.
"Nur mit Ehrlichkeit im Umgang, dezentralen Lösungen im ländlichen Raum sowie der ganzheitlichen Betrachtung von Quartieren können die Weichen für die nächsten Jahre gestellt werden, denn die Wohnungswirtschaft ist eine Branche, die immobil ist und für 10 bis 15 Jahre im Voraus planen muss", sagte Dr. Axel Viehweger, Vorstand des VSWG.

"In Leipzig und Dresden zeichnet sich ab, dass vor allem im Bereich der Sozialwohnungen Neubauten notwendig werden. Der vdw Sachsen spricht sich daher für die Neugründung einer städtischen Wohnungsbaugesellschaft in Dresden aus. Doch auch in anderen Regionen und ländlichen Gebieten Sachsens brauchen wir Unterstützung für Sanierungen und den Um- und Neubau von Wohnungen, selbst wenn dort der Leerstand höher ist", sagte Rainer Seifert, Direktor des vdw Sachsen Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft e.V.

Eine weitere Empirica-Studie mit dem Titel "Schwarmstädte in Deutschland" veranlasste den GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V., einen Zehn-Punkte-Plan zur Rettung von Schrumpfungsregionen zu entwickeln.

Schlagworte zum Thema:  Wohnungswirtschaft

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