Dresden: Wohnprojekte in Modulbauweise

Wie schon in anderen Städten realisiert der Wohnungskonzern Vonovia auch in Dresden Wohngebäude in Modulbauweise. Das Architekturbüro legte beim Entwurfsprozess großen Wert auf die stimmige Einbindung der Bauten in den städtebaulichen Kontext.

Entstanden ist eine Architektursprache mit Satteldächern und Grundrissen auch mal abseits des rechten Winkels. In ihrem Bemühen, möglichst schnell kostengünstige und dennoch qualitativ hochwertige Wohngebäude zu realisieren, hat Vonovia die Modulbauweise für sich entdeckt. Zusammen mit dem Hersteller Alho sind bereits mehrere Projekte realisiert worden, bei denen das Wohnungsunternehmen vorhandene Standorte erfolgreich nachverdichten oder Quartiere komplett neu errichten konnte – immer individuell gestaltet und auf den Wohnbedarf zugeschnitten.

Nachverdichtung auf innerstädtischen Brachflächen

In Dresden besitzt das Wohnungsunternehmen bereits rund 38.500 Wohnungen. 74 neue zusätzliche Einheiten werden derzeit im Umfeld der Reicker / Prohliser Straße im Süden der Stadt errichtet. Das Unternehmen belebt damit im Sinne der innerstädtischen Nachverdichtung eine 10.000 Quadratmeter große Grundstücksbrache neu.

Im Rahmen des Bund- und Länderförderprogrammes "Stadtumbau Ost" war diese bereits im Jahr 2003 nach dem Rückbau mehrerer Plattenbauten entstanden und seither ungenutzt geblieben. Nach der Bereinigung der Fläche von Kellerresten im Erdreich konnte die Firma Alho als Generalunternehmer im Juli 2018 mit der Erstellung von zwei Punkthäusern und einer Häuserzeile beginnen. Lorenzen Mayer Architekten übernahmen die architektonische Begleitung des Projektes. Dazu gehört auch die Einbindung in den städtebaulichen Kontext, wie etwa das mit dem Stadtplanungsamt abgestimmte Farb- und Gestaltungskonzept für die Fassaden.

"Normalerweise geht die Modulbauweise im Entwurfsprozess von der kleinsten skalierbaren Einheit, also vom Modul, aus – in Dresden haben wir uns der Aufgabe anders genähert und die Wohnanlage aus den örtlichen räumlichen Gegebenheiten heraus entwickelt." Architekt Reinhard Mayer

Die so entstandene Gebäudefigur zusammen mit dem Generalunternehmer zu gestalten, sei ein sehr spannender Prozess gewesen, erläutert der Architekt.

Vonovia Modulbau Dresden (2)
Die Wohnungen bieten unterschiedliche Wohnungsgrößen passend für Familien, Singles und Senioren

Zwei Punkthäuser und eine "Schlange"

In der Zusammenarbeit zwischen Architekten und Modulbauer ist ein Gebäudeensemble mit insgesamt 6.500 Quadratmetern Wohnfläche entstanden, die mit Satteldächern und gestalteten Putzfassaden zu der historischen, denkmalgeschützten Nachbarbebauung passen. Zwei dreigeschossige Punkthäuser in der Prohliser Straße mit insgesamt zwölf Drei- und Vier-Zimmer-Wohnungen sind bereits bezogen. Diese beiden Gebäude vermitteln mit ihrem Raumvolumen maßstäblich zwischen der anschließenden gründerzeitlichen Einzelhausbebauung und der Vonovia-Bebauung entlang der Reicker Straße. Die dort platzierte viergeschossige Wohnzeile mit insgesamt sieben separat erschlossenen Einheiten ist seit April bezogen. Unterschiedliche Trauf- und Sockelhöhen lassen die einzelnen Gebäudeeinheiten wie aneinandergereihte Einzelhäuser wirken und die rund 130 Meter lange Häuserzeile somit kleinteiliger erscheinen. Hier sind 62 Zwei-, Drei-, Vier- und Fünf-Zimmer-Wohnungen untergebracht. 29 Einheiten sind barrierefrei konzipiert.

Im Erdgeschoss verfügen die Wohnungen über Gärten, alle anderen haben Balkone mit Blick ins Grüne. Spielflächen sowie Stellplätze für Fahrräder und Pkws befinden sich in den mieterfreundlich gestalteten Außenanlagen.

Vonovia Modulbau Dresden (1)
Mit Satteldächern und differenziert gestalteten Putzfassaden stellen die Gebäude eine stimmige Verbindung zur denkmalgeschützten Nachbarbebauung her

Kiste mit Flachdach?

Wann immer Gebäude mit vielen identischen Nutzungseinheiten erstellt werden, macht der Einsatz von Moduleinheiten wegen ihrer seriellen Reproduzierbarkeit Sinn. Bislang kannte man modular errichtete Gebäude meist als kubische Punkthäuser mit flachem Dach, als langgestreckte Flachdachriegel entlang der Straße oder um einen Innenhof herum gruppiert. Dass Stahlmodulbauten auch Grundrisse außerhalb des orthogonalen Rasters ermöglichen und mit Satteldächern versehen sein können, beweisen nun die neuen Häuser in Dresden.

Insgesamt wurden 183 Module vorgefertigt. 16 davon wurden parallel zum "normalen" Herstellungsprozess als Sondermodule hergestellt. Diese effizient und für den Schwerlast-Transport tauglich herzustellen, war eine Herausforderung. Die Satteldächer errichtete ein ortsansässiger Zimmermannsbetrieb als Nachunternehmer. Er ergänzte die Gebäude nach der Modulmontage fachmännisch mit einer Holzkonstruktion aus teilweise vorgefertigten Elementen. Unter den Dachschrägen konnten so großzügige Abstellräume für die Mieter entstehen, die einen Keller entbehrlich machen. Die Treppenhäuser wurden bereits zuvor bis unter das Dach ausgeführt.


Der Artikel ist ein Auszug aus dem Magazin "DW Die Wohnungswirtschaft", Ausgabe 07/2019.


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Schlagworte zum Thema:  Wohnungsbau, Stadtentwicklung, Wohnungswirtschaft