Digital-Gipfel 2020 thematisiert die "Zukunft des Wohnens"

Wie kann die Digitalisierung zu mehr Nachhaltigkeit in Deutschland beitragen? Das ist die Kernfrage beim virtuellen Digital-Gipfel 2020 der Bundesregierung. Mehr Smart Home ist eine Antwort, heißt es im Redebeitrag der Wohnungswirtschaft. Doch das aktuelle Nebenkostenrecht bremse Investitionen.

"Ob es um den digitalen Zugang zum Gebäude für Handwerker und Lieferanten geht oder um eine umweltschonende Heizungsregelung: Smart-Home-Anwendungen auf Basis von künstlicher Intelligenz helfen dabei, Prozesse im und rund um das Gebäude zu verbessern und dabei Kosten zu sparen", erklärte Ingeborg Esser, Hauptgeschäftsführerin des Spitzenverbandes der Wohnungswirtschaft GdW, anlässlich ihrer Teilnahme am Digital-Gipfel 2020.

Der Gipfel findet am 30. November und 1. Dezember auf Einladung des Bundesministers für Wirtschaft und Energie (BMWi), Peter Altmaier (CDU), statt in diesem Jahr wegen der Pandemie als rein virtuelles Event. Im Mittelpunkt steht das Thema "Digital nachhaltiger leben". Diskutiert wird unter anderem, wie mit Smart Homes Energie gespart werden kann.

Esser: "An der Digitalisierung des Wohnens führt kein Weg mehr vorbei"

Dass digitale Technologien zu mehr Nachhaltigkeit führen können, zeigt eine Studie des IT-Verbands Bitkom. Knapp die Hälfte (bis zu 46 Prozent) der CO2-Emissionen könnten darüber bis 2030 in Deutschland insgesamt eingespart werden das wären bis zu 120 Megatonnen CO2. Ergebnisse unter anderem zu den Bereichen Mobilität, Gebäude sowie Arbeit & Business werden auf dem Gipfel vorgestellt.

"Smart Homes und intelligente, vernetzte Gebäude können bei einer moderaten Verbreitung der entsprechenden Technologien bis 2030 rund 16 Megatonnen CO2 einsparen. Bis zu 19 Megatonnen sind es, wenn die Verbreitung smarter Technologien schneller vorangetrieben wird." Auszug aus der Bitcom-Studie

Mit digitalen Anwendungen lassen sich auch Mehrfamilienhäuser nachhaltig und wirtschaftlich betreiben, betonte Esser. Die GdW-Hauptgeschäftsführerin diskutierte bei der Auftaktveranstaltung zum Gipfel unter dem Arbeitstitel "Smart Living als Treiber für nachhaltige Wohngebäude" mit Hans-Georg Krabbe, Deutschlandchef des Technologieunternehmens ABB AG, und Elisabeth Winkelmeier-Becker (CDU), der Parlamentarischen Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium. "An der Digitalisierung des Wohnens führt kein Weg mehr vorbei", so Esser.

Eine besondere Herausforderung sei, dass noch viele der technischen Lösungen auf Ein- und Zweifamilienhäuser zugeschnitten sind. Mit dem Projekt "Fore Sight"einem der Gewinner des BMWi-Innovationswettbewerbs "Künstliche Intelligenz als Treiber für volkswirtschaftlich relevante Ökosysteme" nimmt der GdW den Bereich der Mehrfamilienhäuser in den Fokus. Das Projekt arbeitet branchenübergreifend an einer Plattform für intelligente Smart-Living-Services "vom sicheren Betrieb der Wohngebäude bis hin zu energiesparenden Lösungen für Gebäudebetreiber und Mieter, alltagsunterstützender Technik und Services für Mieter aller Generationen bis ins hohe Alter", erklärte Esser.

GdW fordert ein modernes Nebenkostenrecht

Die Digitalisierung müsse für Bewohner und Betreiber ganz konkrete Vorteile  bringen. "Nur so lässt sich eine breitere Akzeptanz für die digitale Transformation in der Gesellschaft herstellen", meint Esser. Die neue Zuschussförderung für die Gebäudeautomatisierung ab 2021 im Rahmen der Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) sei ein erster Schritt.

Der Ausbau der Glasfaseranschlüsse muss dem GdW zufolge zügiger vorangetrieben werden. Mit verlässlichen Rahmenbedingungen könnte etwa die Wohnungswirtschaft in den kommenden fünf Jahren mindestens eine Millionen Wohnungen an Glasfasernetze anbinden. Dem stünde jedoch unter anderem das geltende Nebenkostenrecht entgegen, das modernen Wohnangeboten mit inkludierter Glasfaserversorgung oder Mieterstrom nicht gerecht wird.

Eine optionale Betriebskostenumlage könnte ein Anreiz für Glasfaserinvestitionen sein, so Esser. Das Nebenkostenrecht müsse "dringend an das digitale Zeitalter angepasst werden", damit zum Beispiel Mieterstromprojekte in Wohnquartieren zum Standard werden und Stadtteile deutlich nachhaltiger gemacht werden könnten etwa mit Teilinklusivmieten und Flatrate-Modellen.

Digitale Souveränität und Datenschutz

Beim Thema Digitalisierung geht es letztlich auch um den Schutz von Daten und Privatsphäre. Die Wohnungswirtschaft engagiert sich nach eigenen Angaben unter anderem in dem Projekt "Gaia-X", das von Bundesregierung, Wirtschaft und Wissenschaft für ganz Europa aufgebaut werden soll. Über das Projekt wird am zweiten Veranstaltungstag unter anderem Bundeswirtschaftsminister Altmaier (CDU) sprechen.

Der Digital-Gipfel der Bundesregierung 2020 greift die zentralen Handlungsfelder der digitalen Transformation in zehn Themenbereichen auf. In den einzelnen Plattformen und ihren Fokusgruppen erarbeiten Vertreter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft Projekte, Veranstaltungen und Initiativen, die die Digitalisierung voranbringen sollen. Beim Gipfel werden Ergebnisse präsentiert, Trends vorgestellt und Lösungsansätze diskutiert.


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