01.05.2012 | Top-Thema 13. Brandenburger-Hof-Gespräch: Die Zukunft der Immobilienfinanzierung

Axel Gedaschko: "Die Energiewende ist nicht alleine von der Wohnungswirtschaft finanzierbar"

Kapitel
GdW-Präsident Axel Gedaschko
Bild: Torsten George

„Energiewende und altersgerechter Wohnungsumbau sind von der Wohnungswirtschaft allein nicht finanzierbar“, sagte Axel Gedaschko, Präsident des GdW Bundesverband deutscher Wohnungs-und Immobilienunternehmen beim 13. Brandenburger-Hof-Gespräch. "Hier ist auch der Staat gefordert."

Die Immobilienbranche ist eine ausgesprochen kapitalintensive Branche. Daher sind effiziente und stabile Finanzierungsmöglichkeiten für sie eine unerlässliche Grundlage. Zur Erinnerung: 52 Prozent des gesamtwirtschaftlichen Kapitalstocks sind in Wohnungen gebunden, das sind 4,25 Billionen Euro. Doch die Ausstattung mit Eigenkapital, welches für die Refinanzierungsmöglichkeiten der immobilienwirtschaftlichen Unternehmen wichtig ist, stellt sich sehr heterogen dar. Marktüblich sind Quoten zwischen 15 und 25 Prozent.

Bei den GdW-Unternehmen beträgt sie dagegen 34 Prozent. Allein im Jahre 2010 wurden von ihnen etwa neun Milliarden Euro investiert. In diesem Jahr werden es wahrscheinlich sogar 600 Millionen Euro mehr sein. Daraus ergibt sich für die nächsten zehn Jahre ein Finanzierungsbedarf von rund 91 Milliarden Euro, an denen sich auch der Staat durch die Bereitstellung entsprechender Finanzierungsmöglichkeiten beteiligen muss. Denn die Politik erwartet von der Wohnungswirtschaft, dass sie den Hauptteil zur Umsetzung der angestrebten Energiewende beiträgt. Die dafür nötigen Maßnahmen sind aber nicht allein kreditfinanziert von den Wohnungsunternehmen zu tragen, da die damit verbundenen Kosten nicht komplett auf die Mieter umgelegt werden können.

Gedaschko: "Politik muss sich positionieren"

Hier ist der Staat gefordert, einen Teil der erforderlichen Mittel bereitzustellen. Die sind jedoch nicht sichergestellt, da die hierfür eingeplanten Fördermittel aus dem Emissionsfonds ein Finanzleck von 600 Millionen Euro aufweisen. Das stellt vor allem für die Jahre 2013 und 2014 ein ernstes Problem für anstehende Investitionsentscheidungen dar. Deshalb muss sich die Politik an dieser Stelle deutlich positionieren und die zugesagten Fondsmittel aufbringen. Zudem wird von den Wohnungsunternehmen gefordert, ihre Bestände so umzubauen, dass sie dem demografischen Wandel und der damit verbundenen steigenden Zahl älter Menschen in unserem Land gerecht werden. Hier ist von 2,5 Millionen Wohnungen innerhalb der nächsten fünf Jahre die Rede. Das ist von der Wohnungswirtschaft parallel zu den Kosten der Energiewende nicht zu schaffen; schon gar nicht zu bezahlbaren Mieten.

Gedaschko: "Auch Pflege- und Krankenkassen gefordert"

Daher sind an dieser Stelle insbesondere die Pflege- und Krankenkassen gefordert, ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Das ist auch in ihrem Interesse, da langfristig so Kosten eingespart werden können. Denn eine Heimunterbringung älterer Menschen kostet mindestens 3.000 Euro monatlich. Würde dieses Geld, beispielsweise drei Monatsbeträge eines Heimplatzes, dagegen in den altersgerechten Umbau von Wohnungen investiert, ergäbe sich langfristig nicht nur ein Einsparpotenzial für die Kassen, sondern auch eine Erhöhung der Lebensqualität der älteren Mitbürger. Hier ist der Gesetzgeber in der Pflicht. Eine Mischfinanzierung der anstehenden Aufgaben von Wohnungsunternehmen und Staat ist unumgänglich.

Schlagworte zum Thema:  Erneuerbare Energien, Finanzierung

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