20.02.2014 | Top-Thema Die Deutschen Bauherrenpreise 2013/2014

Wettbewerb zu den Deutschen Bauherrenpreisen: Anstöße für Innovationen im Wohnungsbau

Kapitel
Dem Fachpublikum wurden die prämierten Projekte ausführlich vorgestellt
Bild: (C)2013 {Torsten George}, all rights reserved

Der Deutsche Bauherrenpreis zeichnet seit 1986 Wohnungsbauvorhaben aus, die eine hohe Qualität zu tragbaren Kosten realisieren. Der Doppelwettbewerb in den Kategorien "Modernisierung" und "Neubau" wird daher auch genau unter diesem Motto vergeben. Die Auslober Deutscher Städtetag, Bund Deutscher Architekten und GdW wollen damit Breitenwirkung erzeugen und aufzeigen, welche Rolle Nachhaltigkeit, Nutzungskonzepte, Quartiersbezüge und Baukultur haben. Die DW präsentiert daher ab dem nächsten Heft die prämierten Projekte – jeweils ein Preisträger Neubau und Modernisierung.

Der Doppelwettbewerb in den Kategorien "Modernisierung" und "Neubau" war hinsichtlich der Qualität der eingereichten 176 Vorhaben mit insgesamt 10.500 Wohnungen ein voller Erfolg. Am 18. September 2013 wurden im Berliner Radialsystem die Preise in der Kategorie Modernisierung verliehen. Die Preisverleihung in der Kategorie Neubau fand am 19. Februar 2014 im Berliner Palais am Funkturm statt.

Für Bauherren im Wohnungsbau ist das Spannungsfeld zwischen Anspruch und Rentierlichkeit von größter Bedeutung, wenn anstelle einzelner Leuchttürme Breitenwirkung erzielt werden soll. Der als Gemeinschaftsinitiative der in der AG KOOPERATION zusammengeschlossenen Verbände Bund Deutscher Architekten, Deutscher Städtetag und GdW vergebene Preis steht mit seinem Leitbild "Hohe Qualität zu tragbaren Kosten" wie kein anderer vergleichbarer Wettbewerb dafür, dass nachhaltiges Bauen auch kostengünstig sein muss, und zwar betrachtet über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes bzw. einer ganzen Wohnsiedlung.

Wohnungsbau in Partnerschaft

Der Ansatz des Wettbewerbs zum Deutschen Bauherrenpreis, nämlich Bauherren, Planer und Kommunalpolitiker zusammenzubringen, steht für eine Erfahrung: Baukultur im Wohnungsbau geht nur in verlässlicher Partnerschaft.

Überall dort:

  • wo Wohnungseigentümer und Kommunen bereits in frühen Phasen ihre Konzepte miteinander abstimmen,
  • wo Architekten und Ingenieure von Anfang an und zu fairen Bedingungen ihre Ideen einbringen können,
  • wo die Bürgerinnen und Bürger frühzeitig einbezogen werden,

sind die Chancen groß, dass Vorhaben gelingen, auf die alle Beteiligten stolz sein können. Erforderlich ist allerdings die Unterstützung der Politik überall dort, wo im Wohnungsbau ein gesellschaftlicher Mehrwert entsteht, der aus Sicht der Bauherren die Grenzen der Rentierlichkeit überschreitet.

Erfahrungen aus dem jüngsten Doppel-Wettbewerb

Mit intelligentem Wohnungsbau kann ein Mehr-Wert an Baukultur erreicht werden. Kennzeichnend für die ausgezeichneten Vorhaben sind u.a. folgende Merkmale.

Vom Einzelbau zum Quartiersbezug:

Bauherren und Planer lösen sich von der Betrachtung des Einzelgebäudes und stellen das Quartier als Ganzes in den Mittelpunkt. Und zwar als städtebauliches Ensemble, das im Dialog zum Bestand in seiner Umgebung zu gestalten ist. Die gewählten städtebaulichen Formen sind dabei vielfältig – von der Blockrandbebauung bis zur Zeile – je nach städtebaulichem Kontext.

Hoher Stellenwert des Wohnumfeldes:

Ergänzend zur städtebaulichen Einordnung wird das Quartier als sozialer und grüner Raum gestaltet, der differenzierte Nutzungsmöglichkeiten für unterschiedliche Ansprüche ebenso wie für die Nachbarschaft als Ganzes bieten soll.

Kleinteilige und gemischte Nutzung:

Kaum eines der eingereichten Vorhaben zielt auf reinen Wohnungsbau. Verbreitet sind Konzepte für die kleinräumige soziale und funktionale Mischung durch differenzierte Förderinstrumente und Wohnformen. Sie werden durch Betreuungs- und Treffmöglichkeiten ergänzt, um Alt und Jung zusammen zu bringen. Wo es zweckmäßig und möglich ist, werden Geschäfte für wohnungsnahe Dienstleistungen eingeordnet und Büronutzungen ermöglicht.

Berücksichtigung der Nutzerinteressen:

Die Projekte richten sich an den Bewohnerbedürfnissen aus, entweder durch die direkte Beteiligung der Bewohnerschaft bei Maßnahmen im Bestand oder durch die sorgfältige Antizipation der zu erwartenden Nachfrage beim Neubau.

Beitrag zur Innenentwicklung:

Wohnungsbau wird zur Stadtreparatur an komplizierten innerstädtischen Standorten. Bauen auf grüner Wiese ist out. Mitunter trägt ergänzender Neubau zur Lärmminderung im vorhandenen Bestand bei - eine Anforderung, die angesichts der zunehmenden Sensibilität der Bevölkerung für Lärm immer wichtiger wird.

Hohe energetische Standards:

Die Wettbewerbsergebnisse belegen, dass der Wohnungsneubau in Deutschland international beispielhaft ist. Bauherren und Planer leisten einen zentralen Beitrag zum Klimaschutz und zur Energiewende.

Tragbare Kosten?

Qualitativ hochwertiger Wohnungsbau an komplizierten innerstädtischen Standorten, verbunden mit hohen energetischen Anforderungen und Ansprüchen an kleinteilige Nutzungsmischung, ist nicht ohne weiteres mit tragbaren Kosten vereinbar. Die Jurys haben die Baukosten als zentrales Bewertungskriterium sorgfältig beachtet. Angesichts von überproportionalen Kostensteigerungen der letzten Jahre in Positionen, die durch die Bauherren kaum beeinflussbar sind (Material- und Lohnkosten, Planerhonorare) ist einzuschätzen: Viele anspruchsvolle Vorhaben wären ohne Förderung für die Bauherren nicht rentierlich und für die Mieter nicht bezahlbar gewesen – es sein denn im Hochpreissegment. Teures Bauen für Betuchte ist jedoch explizit nicht Gegenstand des Wettbewerbs, der auf Breitenwirkung beim bezahlbaren Wohnungsbau zielt.

Für die öffentliche Hand geht vom aktuellen Wettbewerb das Signal aus: hohe gesellschaftliche Anforderungen an den Wohnungsbau sind nicht zum Nulltarif zu haben. Ihre Erfüllung setzt eine Förderung voraus, die rentierliches Bauen nicht nur ermöglicht, sondern stimuliert.

Die Wettbewerbsergebnisse wurden auch in Kurzfilmen und einer Dokumentation dargestellt, die unter www.deutscherbauherrenpreis.de abgerufen werden können.

Einen Überblick zu den jeweils zehn prämierten Projekten finden Sie in unseren Bilderserien Modernisierung und Neubau.

Dr. Bernd Hunger, Referat Wohnungsbau, Städtebau, Forschung und Entwicklung, GdW, Berlin
Dr. Thomas Welter, Bundesgeschäftsführer BDA, Berlin

Schlagworte zum Thema:  Wohnungswirtschaft, Neubau, Modernisierung

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