Das denkmalgeschützte Ensemble in der Emmendinger Straße in Freiburg Bild: Bauverein Breisgau eG

Die Bauverein Breisgau eG hat Anfang 2016 bei der Sanierung von zehn denkmalgeschützten Mehrfamilienhäusern mit 92 Wohnungen in der Freiburger Emmendinger Straße ein neues Energiekonzept mit Mieterstrom umgesetzt. Nun wurden die Betriebsdaten ausgewertet. Die Wohnungsgenossenschaft ist zufrieden mit den Ergebnissen.

Die Investitionen der Wohnungsgenossenschaft in das gesamte Projekt betragen rund zwei Millionen Euro; hinzu kommt eine Förderung durch den Badenova Innovationsfonds. Die Kosten für die Umsetzung des Energiekonzepts lagen bei 1,26 Millionen Euro.

Die Besonderheit des Energiekonzepts besteht in der Einbindung von solarthermischen Anlagen, die im April 2015 auf den Dächern der Gebäude montiert wurden. 76 Flachkollektoren mit einer Gesamtfläche von 191 Quadratmetern und einer Leistung von circa 80 Kilowatt sollen im Jahr circa 58.000 Kilowattstunden Wärme produzieren. Das Mikronahwärmenetz besteht des Weiteren aus zehn Wärmespeichern, in die die Solarwärme eingespeist wird, einem Blockheizkraftwerk (BHKW) mit einer Leistung von 20 Kilowatt (elektrisch) sowie 46 Kilowatt (thermisch) und einem gasbetriebenen Spitzenlastkessel mit 450 Kilowatt. Hinzu kommen Wärmeübergabestationen in jeder Wohnung. Das Wärmemanagement der einzelnen Komponenten übernehmen dezentrale Kontrollsysteme. Der Heizenergiebedarf des gesamten Ensembles liegt bei circa 624 Megawattstunden.

Die Auswertung der Betriebsdaten hat ergeben, dass die Anlage 2016 knapp 60 MWh Wärme produziert hat. Die Kollektoren lieferten dabei rund 10 Prozent der von den 92 Wohnungen benötigten Wärmemenge, in den Sommermonaten lag der Wert über 60 Prozent. Die sehr effiziente Arbeitsweise der Solar- und Blockheizkraftwerk-Anlage wurde durch eine tiefe Rücklauftemperatur im Heizungsnetz von ca. 40 °C sichergestellt. Dafür mussten die handelsüblichen Wohnungsübergabestationen mit geringem Aufwand konstruktiv modifiziert werden. Ein weiterer Erfolgsfaktor war die vollständige regelungstechnische Vernetzung der Solarthermie, der BHKW- und Kesselanlage sowie des hydraulischen Netzes mit Pumpen, Ventilen und Fernüberwachungssystem.

Mieterstrom wird gut angenommen

Der im BHKW anfallende Strom wird den Mietern direkt zur Verfügung gestellt, sodass Netzentgelte und Abgaben entfallen. Nach Angaben der Wohnungsgenossenschaft sparen die Mieter bei einem Jahresverbrauch von 2.500 Kilowattstunden etwa 74 Euro. Das Thema Mieterstrom war Neuland für die Wohnungsgenossenschaft,inzwischen beziehen aber drei Viertel der Mieter in dem Gebäudeensemble den vor Ort produzierten Strom.

Das Ensemble ist das erste Bauprojekt, das die Wohnungsgenossenschaft von 1903 bis 1905 realisierte. Nach dem Denkmalschutzgesetz Baden-Württembergs stellen die zehn Gebäude ein Kulturdenkmal dar, daher waren bei der Sanierung zahlreiche Denkmalschutzauflagen zu berücksichtigen. Da viele Wohnungen noch mit Einzelöfen und festen Brennstoffen beheizt wurden, war eine Erneuerung des Heizsystems dringend notwendig. Auf Anregung der Stadt Freiburg und gefördert durch den Badenova Innovationsfonds plante und realisierte die Wohnungsgenossenschaft ein Mikronahwärmenetz. Die Planung und den Betrieb dieser Pilotanlage begleitete das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE). Es ist vorgesehen, das Projekt in den nächsten fünf Jahren weiterhin wissenschaftlich zu begleiten.

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Schlagworte zum Thema:  Mieterstrom, Wohnungswirtschaft, Sanierung, Modernisierung, Energieeffizienz

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