07.05.2015 | Top-Thema Brandenburger-Hof-Gespräch: Strategien der Energieversorgung

Wohnungsunternehmen als Treiber der Innovation

Kapitel
René Gansewig beim 19. Brandenburger-Hof-Gespräch
Bild: Thorsten George, Berlin

René Gansewig: Ich möchte noch einmal ausführen, warum ich es für so wichtig halte, als Wohnungsunternehmen auch bei Energiefragen voranzugehen. Im Hinblick auf den Wohnungsleerstand bei uns in Mecklenburg-Vorpommern nahmen wir als eines der ersten Unternehmen den Rückbau unter bewohnten Umständen vor.

Wir kürzten also die Häuser von fünf auf drei Geschosse, während die Mieter in den unteren Etagen in ihren Wohnungen blieben. Zunächst waren die Kollegen und das Ministerium sehr skeptisch, ob das geht. Aber dann übernahmen viele das Vorgehen in dieser oder abgewandelter Form. Das Beispiel zeigt: Es muss immer Innovationsführer geben, damit eine Entwicklung in Gang gesetzt wird.

Ralf Schekira: Innovation ist wichtig, aber meist hat diese Tücken. Beispielsweise bei der Stromspeicherung. Ich habe in meinem Statement auf unser Projekt in diesem Bereich hingewiesen. Wir haben uns schon in der Vergangenheit damit befasst, waren damit aber zu früh. Wir mussten nämlich feststellen, dass die Aufstellung der Speicher im Gebäude brandschutztechnisch gar nicht zugelassen war. Bei der Aufstellung der Speicher außerhalb des Gebäudes hätten aber die Temperaturveränderungen und der Frost die Lebensdauer des Speichers beeinträchtigt. Deswegen stellten wir das Projekt erst einmal zurück. Die Entwicklung ist seither in rasantem Tempo weitergegangen, so dass wir glauben, in einem nächsten Neubauvorhaben tatsächlich eigenerzeugten Strom speichern und unseren Mietern zur Verfügung stellen zu können.

Hans-Otto Kraus: A propos Eigenstromversorgung. In München wurde mithilfe der Stadt eine Initiative zur Eigenstromversorgung gegründet. Diese Initiative wurde nach zwei Jahren wegen Erfolglosigkeit und wirtschaftlicher Probleme eingestampft. Die Absicht, die Eigenproduktion über die Hausdächer stadtweit zu organisieren, war zwar gut gemeint, scheiterte aber daran, dass sie sich nicht rechnete und dass die Hauseigentümer dafür nicht so leicht zu gewinnen waren.

Ingo Malter: Ich möchte auf unser Tagesgeschäft zurückkommen und ein ganz normales Modernisierungsbeispiel betrachten. Dabei ergibt es sich, dass etwa 1,60 Euro pro Quadratmeter und Monat auf den Mieter umgelegt werden und auf der anderen Seite die Nebenkosten um vielleicht einen Euro sinken. Wenn ich aber nicht die Anforderungen der EnEV erfüllen müsste, müsste ich nur einen Euro auf die Miete umlegen – die Modernisierung wäre also warmmieteneutral zu schaffen. Das sollten wir mal diskutieren!

Axel Gedaschko: Sie sprechen einen wichtigen Punkt an, Herr Malter. Die Politik hat uns jahrelang vor dem Hintergrund des Klimaschutzes eine Auflage nach der anderen gemacht, was dazu geführt hat, dass wir uns den günstigen Wohnraum systematisch wegsanierten. Die von Ihnen erwähnte Umlage von 1,60 Euro pro Quadratmeter ist ja noch sehr maßvoll. Häufig bleibt das Wohnungsunternehmen auf ganz anderen Summen sitzen.
Als Verband führen wir deshalb über dieses Thema viele Gespräche mit Politikern, wobei wir zumindest bei den Baupolitikern durchaus Gehör finden. Denn diese haben erkannt, dass übers Ziel hinausgeschossen wurde. Mittlerweile wird sogar diskutiert, ob man die EnEV 2016 optimiert, weil erkannt wird, dass sie sozialpolitisch nicht mehr geländegängig ist. Und es wird auch darüber diskutiert, künftig nur noch diejenigen Maßnahmen zu fördern, die am Ende eine große CO2-Einsparung bei geringen Kosten bringen.

Ingo Malter: Eine andere Frage, die ich mir stelle: Warum müssen wir in der Wohnungswirtschaft eigentlich als Inkassounternehmen für Versorger und Entsorger fungieren? Das Einzige, was direkt abgerechnet wird, ist der Mieterstrom. Hört der Kunde auf zu zahlen, müssen wir trotzdem dem Müllentsorgungsunternehmen den vollen Betrag überweisen. Das macht es bequem für den Endverbraucher und für den Versorger, während wir die Probleme haben.

Wenn wir den Verbraucher für die Entwicklung der Nebenkosten sensibilisieren wollen, müssten wir eigentlich aufhören, die Nebenkosten für ihn abzurechnen. Dann bekäme unser Kunde, sehr unkomfortabel für ihn, nicht mehr eine Nebenkostenabrechnung, sondern mehrere. Ich bin sicher, dass er dann genauer hinschauen würde, wo die Kostensteigerungen entstanden sind. Ich weiß, dass es da rechtliche Bedenken gibt, aber lassen Sie uns doch diese Möglichkeit wenigstens in Betracht ziehen!

Hans-Otto Kraus: Wenn wir das wirklich so machen, Herr Malter, dann werden diese Kosten sehr schnell steigen.

Jürgen Steinert: In meiner aktiven Zeit habe ich mich auch immer gefragt, warum wir eigentlich Nebenkostenabrechnungen für Dritte vornehmen, ohne einen Cent dafür zu bekommen. Bei diesem Thema sollten wir bedenken, dass im Zeitalter der Digitalisierung die Information über die Daten unserer Mieter eine größere Bedeutung hat als jemals zuvor in der Geschichte der Wohnungswirtschaft. Deshalb sollten wir intern solange diskutieren, bis eine Lösung auf dem Tisch liegt, die von möglichst vielen Unternehmen mitgetragen wird.
Damit müssen wir zum Schluss kommen. Ich plädiere dafür, bei der Energiethematik Prioritäten zu setzen, die der Verband dann stellvertretend für die Unternehmen durchsetzt. Denn das Schlimmste, was uns in diesen Zeiten der raschen Veränderung passieren kann, ist, dass wir zu viel gleichzeitig wollen und uns bei keinem Thema mehr verständlich machen.
Und verständlich machen wir uns nur, wenn wir uns auf einige wenige Themen konzentrieren. Priorität haben sollten die zu hohen gesetzlichen Anforderungen im Energiebereich. Die Erfahrung lehrt, dass es nichts bringt, zu viele Themen gleichzeitig zu bearbeiten. Erfolg haben wir nur dann, wenn wir uns auf Prioritäten einigen und den Verband unterstützen, wenn er diese Themen beackert. Damit bedanke ich mich bei Ihnen für die angeregte Diskussion.

Schlagworte zum Thema:  Wohnungswirtschaft, Energieversorgung, Energie, Wärme, Veranstaltung

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